Freizeit

Mysophobie – wenn der Abwasch zum Boss-Level wird

Viele von uns scheitern am Endgegner schlechthin: dem eigenen Haushalt

Manche nennen es Mysophobie, andere dagegen Prokrastination. Der unendliche Kampf gegen Wollmäuse, Staub und innere Schweinehunde im Haushalt.

Mysophobie ist der Fachbegriff für die Angst vor Schmutz und der damit einhergehenden Zwangshandlung, alles und jeden ständig zu putzen. Die gute Nachricht vorweg: ich bin pumperlgesund! Leider kann man das von meinem Haushalt nicht so ganz behaupten. Ich weiß es, er hat es mir gesagt. Er hat nämlich die nächste evolutionäre Stufe erreicht und kann sich artikulieren.
Ihr kennt das: man schleppt sich zur Arbeit, ackert sich dumm und dämlich, um dann abends nach Hause zu kommen und noch mehr Arbeit zu sehen. Da euch aber niemand dafür bezahlt, lasst ihr es einfach bleiben. Wäsche = 1 – du = 0. In diesem Spiel gewinnt eigentlich immer nur einer, und das ist der innere Schweinehund.

Von Waschweibern und Saubermännern

Bleiben wir doch gleich mal textil. Um wenigstens ein Minimum an sozialem Kontakt abzubekommen, sollte man nicht gerade wie ein nasser Iltis riechen. Duschen hilft, reicht jedoch nicht, wenn die Verpackung seit dem letzten Weltkrieg keine Seife mehr gesehen hat. Den Haufen in die Trommel zu stopfen und auf den Knopf zu drücken geht ja noch. Aber danach will der nasse Klumpen auch noch ordentlich aufgehängt werden. Das nervt. Zumal immer mindestens 1,5 Socken fehlen und sich alle Ärmel sämtlicher Blusen zu einem beeindruckenden gordischen Knoten zusammengefunden haben. Ich mach in solchen Fällen einfach die Waschmaschine wieder zu und schnüffle an den Klamotten von gestern. Falle ich nicht um, kann ich es nochmal tragen!

Kein Staubsaugroboter ist auch keine Lösung

Wenn man nicht gerade ohne Sauerstoff leben kann, muss man öfter mal die Fenster öffnen. »Hurra!«, schreien da Feinstaub, Pollen und anderes Gesocks und stürmen die Bude. Hat man Teppich, kann man das einfach unter selbigen kehren. Hat man aber Laminat oder Parkett entwickelt sich schnellsten Miniatur-Tumbleweed. Da nicht jeder ein professioneller Wollmausfänger von Hameln ist, greift man eben zum Staubsauger. Meiner mag mich nicht. Entweder er macht prä-akpokalyptische Geräusche oder er verweigert gleich komplett die Arbeit. Wenn er ganz besonders schlecht gelaunt ist, dann pustet er sogar, statt zu saugen. Nur wischen ist noch schlimmer, ich falle immer über den Kübel, immer!
Mittlerweile habe ich meinen Wollmäusen Namen gegeben und angefangen, sie zu dressieren. Ich wollte immer schon Haustiere.

Das bisschen Haushalt macht sich von allein..

Es gibt menschliche Grundbedürfnisse. Dazu gehört auch essen und da wir zumindest behaupten, uns irgendwie von Primaten zu unterscheiden, benutzen wir zur Nahrungsaufnahme Geschirr. Nach Benutzung desselben weist dieses in der Regel Gebrauchsspuren auf. Irgendjemand hat mir mal gesagt, dass man diese beseitigen sollte, da das Porzellan sonst irgendwann ‚Mama‘ zu mir sagen würde. Nun bin ich leider nicht in der glücklichen Position, eine Spülmaschine mein eigenen nennen zu dürfen. Handarbeit ist also angesagt und Kinder, ich sage euch: legt direkt mal die Notfallapotheke bereit! Schon mal beim Spülen ein Glas zerbrochen? Ich sag es euch, es ist gar nicht so einfach, sich einen Finger mit links als Rechtshänder wieder anzunähen. Weniger schlimm ist da der Muskelkater in den Armen, wenn man mit einer Wurzelbürste versucht, die eingetrocknete Spaghettisoße aus dem Pott zu kratzen. Da ich aber eh nicht so der Trainings-Typ bin, habe ich mir jetzt Pappteller besorgt. Aus denen kann ich mir bei Bedarf auch lustige Masken basteln.

Ich erspare uns allen jetzt so altkluge Sprüche à la »nur ein Genie überblickt das Chaos«. Ich bin da ehrlich: es ist mir einfach zu blöd und ich bin zu faul. Ich halte mir meine kleine Grundordnung bis zu dem Tag, an welchem ich einem wirklich bedauernswerten Geschöpf Geld geben werde, um sich meines Haushalts anzunehmen. Bis dahin versuche ich eben missgelaunt, mich nicht beim Fenster putzen umzubringen und kuschel nach Feierabend lieber mit meinen Wollmäusen.

Nadine Goutrié

Eigentlich hat sie Geschichte und Kunstgeschichte studiert. Schnell fand sie aber heraus, dass ihre Umgebung statt Gemälde zu betrachten deutlich interessanter ist. Leider gefällt ihr oft nicht alles was sie da sieht, aber hey! Sarkasmus ist eine wunderschöne Sprache. Sie beobachtet euch und dann verwickelt sie euch in ein harmloses Gespräch. Kurze Zeit später findet ihr euch eventuell hier wieder. Glaubt ihr nicht, wenn sie sagt, dass sie euch mit ihren Texten reich und berühmt mache!

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Veröffentlicht von
Nadine Goutrié
Schlagwörter: FaulheitFleißHausarbeit

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