Alle Artikel in: Senf

Senf

Substantiv [der]

  1. eine breiige Masse aus gemahlenen Senfkörnern, Essig und Gewürzen.
    »Ich hätte gerne ein Paar Würstchen mit Senf.«
  2. eine Gewürzpflanze, aus der Senf hergestellt wird.
  3. sich (meist unerwünscht) in ein Gespräch einmischen und seinen Teil dazu beitragen

Alles, was die Welt bewegt. Frei nach dem Motto »Das Thema ist ausreichend diskutiert, da muss ich jetzt nicht auch noch meinen Senf dazugeben.« Oder etwa doch? Aktuelle Themen der Woche, mundgerecht und manchmal unappetitlich zubereitet.

Möglichen Themen in dieser Rubrik

Politik, Wirtschaft und der Rest von dem einen Prozent
Skandale, Aufreger und Verschwörungstheorien, denen sich sonst nur Forenquälgeister und Trolle widmen
Deine Mutter

Beitragsbild: Oh wie schön ist Balkonien

Oh, wie schön ist Balkonien Vergesst Spanien und Irland. Das Glück liegt nicht in der Ferne

Voller Mitleid schaue ich gehetzten Kofferziehern hinterher und frage mich, ob sich die Anstrengung lohnt. Nur Wahnsinnige lassen alles stehen und liegen, um in den Urlaub zu fliegen. Die Unbelehrbaren freuen sich auf ihren Augenblick (die sogenannte »Auszeit«) und erleiden Jahr für Jahr die gleiche Qual der sogenannten Urlaubsvorbereitungen. Es ist so viel zu tun! Angehende Urlauber bestimmen ausgesuchte Fachkräfte, die sich um die Pflanzenpflege und Fütterung der Raubtiere kümmern. Außerdem vergeben sie eine Vollmacht zwecks Leerung des Briefkastens und freuen sich, dass die Flurwoche übernommen wird. Klingt ganz schön anstrengend, kostet wie die meisten Geschenke Zeit und Geld.

Beitragsbild: Facebook und die angebliche Meinungsfreiheit

Facebook und die angebliche Meinungsfreiheit Nein, Facebook muss Deinen Kommentaren keinen Raum bieten

Erst heute verbreitete Facebook einen Hinweis in Sachen »Fake-News« mit dem Titel »Tipps zum Erkennen von Falschmeldungen«. Die meistgenutzte Social-Media-Plattform rät unter anderem, die »Überschriften kritisch zu lesen«. Erstaunlich! Aufgrund des politischen Drucks sieht sich Facebook verpflichtet, den Nutzern das besonnene Lesen beizubringen. Ob dank dieser Checkliste eine Verbesserung der angezeigten Chronik ermöglicht wird, bleibt zunächst abzuwarten. Es gibt leider haufenweise fragwürdige Blogs, Portale und News-Seiten, denen man bei der Nutzung der sozialen Medien über den Weg klicken kann. Dass man wirre Meldungen wie »Ungesundes Essen und Junkfood lassen das Gehirn schrumpfen« auch nur eine Sekunde ernst nehmen könnte, stimmt mich irgendwie traurig.

Noch trauriger stimmen mich nur noch die Kommentare, die unter diverse Veröffentlichungen dieser unseriösen Seiten verbreitet werden. Wird ein Artikel oder gar ein Kommentar durch Facebook entfernt, ist das Geschrei in der Regel groß. Häufig ist dann direkt von »Zensur« oder einer Einschränkung der Meinungsfreiheit die Rede. Warum? Das will mir nicht in den Kopf. Wie kommen einige Nutzer von Facebook auf die schräge Idee, dass sie ein Recht darauf haben, ihren Meinung dort zu präsentieren?

Beitragsbild: Früher ging gar ja mal gar nicht

Früher ging ja mal gar nicht Ein Gastbeitrag von Simon Höckesfeld

»Fucking shit!«, schimpft der Großbauer zu dem Veterinär, der soeben die Ergebnisse seines monatlichen Kontrollbesuchs niederschreibt: Wunde Euter bei 2/3 der Milchkühe. »Meine Melkanlage hat schon wieder Softwareprobleme und saugt meinen Bessies den letzten Tropfen aus den Zitzen. Thanks Obama! Früher war alles Besser! Da war noch nicht alles so kompliziert und man konnte seine Geräte noch selbst reparieren!«, gestikuliert er wutschnaubend. »Heute muss ich erstmal per App einen IT-Menschen rufen, der dann hier erst sechs Wochen später aus seinem Uber aussteigt!«

»Früher«, denkt sich der Tierarzt nur und schaut verträumt auf sein Klemmbrett. Dort sieht er einen kleinen Trecker mitten auf einem Feld, schwarzer Rauch tritt aus dem Motorraum hervor. Unter dem Trecker schiebt sich, ölverschmiert, der Bauer hervor, und schnauzt seine Frau an: »Verfluchter Schlot! Dank dieses verdammten Krieges bekomme ich die richtigen Ersatzteile nicht mehr. Es würde ja gehen, wenn nicht mein ganzes Feld mit Bombenkratern übersäht wäre, und ich mir nicht allenthalben die Achse bräche! Gute deutsche Ingenieurskunst, pah, dass ich nicht lache! Nutzlose Technik! Beim Barte des Führers! Früher war alles besser! Ständig muss ich dieses verfluchte Ding reparieren! Als noch mit Pferden gepflügt wurde, da hatten wir solche Probleme nicht!«.

Beitragsbild: Wie das Adblock-Verbot entstand

Wie das Adblock-Verbot entstand Oder: wie Verleger sich den Brexit und Trump erklären

Den Alltag in einer Zeitungsredaktion stelle ich mir ungefähr so vor: Chefredakteur Zinnstein rennt mit hochrotem Kopf die Gänge auf und ab und murmelt vor sich hin. Sein gequälter Gesichtsausdruck lässt auf Verdauungs- oder Eheprobleme schließen. Die Mitarbeiter trauen sich vor Angst kaum ihre Blicke von ihren Bildschirmen abzuwenden. Plötzlich bleibt der Boss stehen und brüllt Richtung Papst: »Scheiss Internet! Diese verfluchten Leute mit ihren verfickten eigenen Meinungen! WIR sind die Meinungsmacher! Sie MÜSSEN diese uns abkaufen!« Es folgt betroffenes Schweigen, es rollt ein Dornenbusch durchs Bild und die Volontärin lädt einen Video-Mitschnitt der Szene mit dem Titel »Fremdschämen« hoch.

Beitragsbild: Think negative: Die Kunst der Schwarzmalerei

Think negative! Die Kunst der Schwarzmalerei Worum geht es auf Miesepeters?

Willkommen auf Miesepeters. Ein Blog für Schwarzmaler, Pessimisten und sämtliche Freunde der Ironie. Wir alle sehen mal schwarz, finden mal etwas scheiße und ärgern uns ewig lang über Situationen und Personen. Anders lassen sich Facebook-Diskussionen, Hate-Mails und durchzechte Nächte kaum erklären. Es holt jeden von uns ein, nur gleicht es einer Kunst, das Beste aus der Lage zu machen. Als motivierende Grundlage sind die Artikel auf Miesepeters zu verstehen. Zwar wird augenscheinlich ausgeteilt, doch hat jeder einzelne Text eine Art Lichtblick, den Leute mit dem Verständnis von Ironie und Sarkasmus etwas abgewinnen können.

Beitragsbild: Offener Brief an die Deutsche Bahn

Offener Brief an die Deutsche Bahn Überstrapazierte Störungen im Betriebsablauf

Liebe Deutsche Bahn, vor kurzem wurde der Ausdruck »alternative Fakten« populär. Trumps Beraterin nutzte diese Formulierung, um uns eine andere Auffassung von Trumps Inauguration zu verkaufen. Als ich letzte Tage frierend auf Gleis 2 stand und ich die Durchsage »Grund der Verspätung ist eine Störung im Betriebsablauf« hörte, klang das beinahe ebenso nach einem alternativen Fakt, bei dem ich fühle mich obendrein noch verhohnepiepelt. Vielleicht handelte es sich bei dem Spruch aber auch um Fake-News … oder um eine Werbepause.

Beitragsbild: Die unglaubliche Filterblase von Ennepetal

Die unglaubliche Filterblase von Ennepetal Eine fiktive Geschichte über die Isolation von Informationen und Thunfischbrötchen

Der Stein kam an einem kühleren Herbstnachmittag oder eben Mittwoch ins Rollen. Herr Schwalbe betrat hastig die Bäckerei Scholte, murmelte irgendetwas in seinen Bart und ließ seinen Blick über die ausgelegten Backwaren wandern. Die Angestellte der Backerei, Frau Hummel, erwiderte den Gruß nicht, weil sie sich nicht sicher war, ob Herr Schwalbe »Hallo« oder »Spacko« gesagt hatte. Es bildete sich langsam eine Warteschlange, weil Herr Schwalbe sich nicht zwischen Mohn- und Roggenbrötchen entscheiden konnte. Zum Glück hat Frau Hummel bedingt durch ihren Nebenjobs als Chow-Chow-Patin eine Engelsgeduld und unterstützte Herrn Schwalbe nach allen Kräften, indem sie die dazugehörigen Zutatenlisten vortrug. »Ich glaube, ich nehme doch ein Mettbrötchen!« rief Herr Schwalbe begeistert aus; hinter ihm hörte man einen Raunen der Erleichterung. Frau Hummel setzte ihr typisch erzwungenes Mettbrötchen-Lächeln auf, welches sie manchmal vor dem Spiegel übt. Ihr Chef hatte sie kurz nach der Einstellung darauf hingewiesen, dass man nicht angewidert Brötchen mit Mett und Zwiebeln verkauft, sondern dabei strahlt wie der Sonnenschein. Frau Hummel ist Pescetarierin und würde lieber Thunfischbrötchen verkaufen.

Beitragsbild: Wie sich unsere Nachrichtenportale selbst ruinieren

»Wie krass ist das denn? Ein Terroranschlag!« Wie sich unsere Nachrichtenportale selbst ruinieren

Geht das nur mir so? Wenn ich mich derzeit im Internet nach aktuellen Berichterstattungen, Meldungen und Kommentaren umschaue, habe ich den Eindruck, ich befände mich auf dem Pausenhof einer Hauptschule. Diese Tage gab es den Relaunch des Nachrichtenportals »Der Westen« (WAZ, Funke Gruppe), welches bisher mit seinen nüchternen Meldungen und bissigen Kommentaren höchstens Heißhunger auf Popcorn auslöste. Zuvor war für mich persönlich Focus Online mit Meldungen wie »Frau greift unter ihren Rock – was folgt, ist definitiv waffenscheinpflichtig« (30.11.2016) der Spitzenreiter der unterirdischen Massenverblödung.

Beitragsbild Boreout vor der Flimmerkiste

Boreout vor der Flimmerkiste Orientieren sich die Anstalten am »dümmsten anzunehmenden Zuschauer«?

Wie sich die Zeiten ändern. Damals verzweifelte ich noch an der Programmierung meines VHS Rekorders, eine bestimmte Sendung via Timer aufzunehmen. Die Bedienungsanleitung machte einen hochkomplizierten Eindruck und schüchterte mich mit Fachchinesisch ein. Sollte ich es fluchend und den Tränen nahe geschafft haben die Uhrzeit korrekt einzustellen, machte es ein falscher Knopfdruck alles zunichte. Noch einmal von vorn. So war das damals gegen Ende der technlogischen Steinzeit.
Und heute? Die Einstellungen für eine App oder die Bedienung eines Online-Portals geben mir das Gefühl, dass sie mich für den dämlichsten Nutzer unter der Sonne halten. Jeder noch so offensichtliche Schritt wird ins kleinste Details erklärt. Damit auch der größte Idiot kapiert, wie es geht – und somit auch Du und ich.

Beitragsbild: Wie ein Staubsauger-Roboter mich aus der Wohnung jagte

Wie mich ein Staubsauger-Roboter aus der Wohnung jagte Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch - leise und saugend

Es war ein sogenannter lazy sunday, als mir die Unordnung in meiner Bude auffiel. Meine unverschämte Faulheit begünstigte die Vermehrung von Wollmäusen, sodass ich am nächsten Tag in den Laden stiefelte, um mir einen topmodernen Saugroboter zu kaufen. Normalerweise hätte ich mir das Ding via Amazon ins Haus liefern lassen, aber die ausgespuckten Suchergebnisse (»Schraub und Saug Twist and Suck – 10,20 EUR«) bremsten meine Motivation. Ein solcher Saugroboter ist der Traum aller faulen Hausmänner und Katzen. Man kann weiterhin Netflix-Serien schauen, während der Roboter die Drecksarbeit macht. Als ich das Modell mit der lässigen Bezeichnung »chill« auf dem Boden platzierte, wurde mir schon ein wenig anders. Am Vorabend hatte ich den Sci-Fi Thriller Ex Machina gesehen; ein britischer Streifen, in dem eine künstliche Intelligenz mit Kurven jeden Menge Ärger verursacht. Zum Glück gleicht der Saubroboter eher einem stylischen Waffeleisen denn einer Cyborg-Blondine. Es soll ja mittlerweile Exemplare geben, die auf Sprachsteuerung reagieren. Dieser Gedanke löst weiterhin Unbehagen aus. Man kann dem Ding zwar Anweisungen wie »Okay, Robosauber! Schlürf mal das Bad sauber!« geben, aber was passiert, wenn es irgendwann (dank lernfähiger künstlicher Intelligenz) Antworten gibt, die mir gar nicht passen?