Freizeit

24. April, der Tag des Versuchstiers

Ein verspäteter Aprilscherz

Tiere – was wollen sie von uns?

Sinnlos stehen die Nashörner in der Steppe herum. Unter ihnen befindet sich wertvoller Boden, der als Ackerland für Rinder amerikanischer Fastfoodketten verwendet werden könnte. Eine Gruppe Pinguine, dicht gedrängt in der Kälte des südlichen Polarkreises. Das Eis unter ihren Füßen würde sich in kleine Würfel gehackt und mit etwas Minze hervorragend in einem Cubra Libre machen. Faul räkelt sich das Krokodil im Flussbett, dessen Wasser man stattdessen auch zum Autowaschen verwenden könnte. Was also tun mit dem dämlichen Viechern, die uns diese wichtigen Ressourcen streitig machen? Die wissenschaftliche Antwort auf diese Frage ist ganz klar: Tierversuche.

Eine hinreichende Notwendigkeit

Die Tierheime sind überfüllt. Einige Tiere eigenen sich nicht als Haustiere (wer will denn auch bitte ein Walross in der Badewanne halten?). Und auch wenn Disney und Warner Bros uns etwas anderes weismachen wollen, Tiere können nicht irgendwelche Jobs als Pilot, Eisverkäufer, Koch oder Spion ergreifen und sich selbst versorgen. Trotzdem brauchen Tiere irgendeine Beschäftigung. Da ist es doch völlig in Ordnung, wenn Leute in weißen Kitteln Lippenstifte an Kaninchen testen. Zu Karneval oder an Straßenfesten malen ja auch einige Menschen Kinder wie Tiere an. Beides dient demselben Zweck, den lebendigen Gemälden soll das Gefühl vermittelt werden, dass wir uns für sie interessieren – auch wenn das von vorne bis hinten gelogen ist. Ob jetzt aber ein Kaninchen, ein Kind oder ein Koala Bär bemalt werden soll spielt dabei eigentlich keine Rolle. Sie alle wollen ihren Geltungsdrang befriedigt wissen und dass wir uns darum kümmern.

Der Tag des Versuchstiers

Warum man nun ein Siegel eingeführt hat das Produkte, die ohne Tierversuche auf den Markt gelangt sind brandmarkt versteht die Welt nicht. Warum man am 24. April den Tag des Versuchstiers zelebriert, um auf dieses „Problem“ hinzuweisen erst recht nicht.

Wenn demnächst eine Straßenbahn von einem arbeitslosen Nashorn entführt wird, das auf seine Situation hinweisen will wundern sich wieder alle. Wenn riesige Ansammlungen von Pinguinen die Fußgängerzone besetzen, um Hassreden zu halten, sind alle Gutmenschen empört wie es so weit kommen konnte. Auch für die Beschaffungskriminalität von drogensüchtigen Krokodilen haben die Wenigsten Verständnis. Dabei liegt die Antwort doch auf der Hand. Gebt den Viechern endlich wieder einen Job im Labor!

Benjamin Baeder

Benjamin Bäder ist dem Chaos nicht gänzlich abgeneigt, doch hofft er auch stets auf die autopoietische Selbstorganisation von Kommunikationssystemen, die dann eigenständig entscheiden können ob sie befremdlich, humorvoll oder was auch immer sein möchten.

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Veröffentlicht von
Benjamin Baeder

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