Nicht besetzte Kassen verringern die Scham.
Sind die Einkäufe erst auf dem Band platziert, geht das Rätselraten los. Warum kauft der Typ vor mir so viele Bananen und warum interessiert es mich überhaupt?
Supermärkte müssen von Satan höchstpersönlich erfunden worden sein. Du könntest den besten Tag ever erleben, zehn Minuten im Konsumtempel genügen und dir wird schlagartig bewusst, warum du sonst ungern vor die Türe gehst. Bei mir kommt neben den üblichen Qualen wie Enge, unfreiwilliger Menschenkontakt und Geldschwund noch ein weiteres Problem hinzu: ich glaube, die Anderen begaffen meine Einkäufe. Schlimmer noch, sie inspizieren jede einzelne Ware im Einkaufswagen und werfen mir verächtliche Blicke zu. Man kann den Fieslingen ihre Vorurteile problemlos von der Mimik ablesen: »Eine Currywurst für die Mikrowelle. Fett UND faul, war ja klar«.
Noch schlimmer ist es direkt am Kassenband. Peinlich berührt breite ich sämtliche Produkte aus, die ich entweder konsumiere oder unverzichtbar für meinen Alltag halte – wie zum Beispiel ein mit Star Wars-Motiven bedrucktes 6-teiliges Frischhalteboxenset. Je länger die Warteschlange an der Supermarktkasse ist, desto mehr schäme ich mich für sämtliche Einkäufe. Vor und hinter mir haben zwar ebenfalls andere Kunden ihre Waren auf das Band geschmissen, aber die sind natürlich Bio oder wenigstens sehr teuer. Manchmal rette ich die Situation, indem ich laut sage: »Oh, das ist ja nur normale Milch. Das tausche ich mal eben schnell gegen gesunde Sojamilch aus, denn ich will ja keine Bauern ausbeuten, nicht wahr?«
Unangenehm ist es ebenfalls, wenn man mit zwei, drei Produkten zur Kasse geht und von anderen Kunden gefragt wird: »Ist das alles?« Meistens wollen sie mich aus Freundlichkeit vorlassen, aber an schlechten Tagen nehme ich persönlich. Als ob ich maximal gescheitert wäre, frei nach dem Motto »Ich war in Vegas und alles, was ich mitbrachte, ist dieses Shirt«. Dann keife ich zurück: »Lass mich! Kann nun mal nicht jeder so viel verdienen wie du, du … du!«
Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung. Deshalb versuche ich seit geraumer Zeit den Spieß umzudrehen. Neulich lief ich im Supermarkt auf und ab und hatte ein paar von diesen gelben Klebezetteln dabei. Wenn mir der Inhalt eines gut gefüllten Einkaufswagen gut gefiel, so hinterließ ich ein schriftliches Lob: »Sie haben ein paar formschöne Gurken ausgewählt, gutes Augenmaß! Nur an den Reinigungsmittel müssen Sie noch arbeiten. Etwas umweltbelastend. Ansonsten weiter so!«
Am Kassenband glänzte ich letztlich mit Küchentischpsychologie vom Feinsten. Der Nerd vor mir kauft eine von diesen Taschentücherboxen? Ich weiß, was auf deinem Nachttisch steht, Bursche. Oder die Tussi, die krampfhaft versucht, das Toilettenpapier unter Milchprodukten zu verstecken? Auch du hast manchmal Flatulenzen, Baby! Was macht denn die kleine Flasche Korn zwischen all den Gemüse, lieber Anzugträger? Ich durchschaue euch alle. Ich, der Freud des Konsumverhaltens.
Photo credit: Skley on Visualhunt / CC BY-ND
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