Gar nicht so einfach, den Stimmen im Kopf zu widersprechen. Besonders, wenn es denen nur darum geht, am Ende recht zu haben. Eine Suche nach Lebensqualität.
Ich habe Stimmen in meinem Kopf. Die meisten sind nicht sonderlich nett, sondern gleichen einem Echo von Bekannten, Mitschülern, Vereinsmitgliedern, Arbeitskollegen und Verwandten. Sie alle sorgen sich und sind sich sicher, dass man ohne ihre Hinweise scheitern wird. Grund genug für sie, die schonungslose Prognose deiner jüngsten Entscheidungen zur Diskussion zu stellen. Die Zukunft ist düster und die Stimmen sind fassungslos, wie man sich sehenden Auges sein eigenes Grab schaufelt.
»Warum willst du auf ein Oberstufen-Gymnasium? Das schaffst du doch eh nicht.« Diese Stimme muss recht haben, denn immerhin saßen wir mal nebeneinander in der Grundschule. Wenn das nicht qualifiziert, was denn dann? Zu dumm, dass ich das Abitur trotzdem geschafft habe.
»Wenn du mit Anfang 20 kein Partymonster bist, dann wirst du das alles später nachholen.« Ich frage mich nur, wann dieses später sein soll. Denn ich kann Discotheken immer noch nichts abgewinnen und wage die Behauptung, dass sich das auch nicht mehr ändern wird.
«Ja, jetzt hast du eine gute Figur, aber ab 30 ist das vorbei. Wirst du dann schon sehen.« Die Rundungen sind etwas weicher, aber immer noch nett anzuschauen.
»Der Typ interessiert sich eh nicht für dich, da brauchst du dir keine Hoffnungen machen.« Zu blöd, dass ich nachher ihm einen Korb geben musste, da ich leider seine Gefühle nicht erwiderte.
»Nimm die Kündigung zurück! Du wirst später in der Gosse landen, wenn das mit der neuen Arbeitsstelle nichts wird und dann nehmen wir dich auch nicht mehr zurück!« Der Wechsel war eine der besten Entscheidungen in meinem Leben und zwei Jahre später ging die alte Firma durch die Insolvenz und wurde geschlossen.
Diese Geschichten sollten mich lehren, wieviel Ahnung diese Stimmen haben. Nämlich gar keine. Diese Fremdsteuerung, die zur gebetsmühlenartigen Selbstprogrammierung führt, bringt eigentlich niemanden was, außer Selbstzweifel. Gut gemeinte (?) Tipps und Ratschläge sind genau genommen nur Versuche, die eigenen Erwartungen auf eine Person zu übertragen, damit sich das innere Bild bewahrheitet und man Recht hatte. Und wie gut tut es Recht zu haben, wenn man sonst nix Schönes hat, im eigenen armseligen Leben. Trotzdem hallt das Echo und stellt einen großartigen Nährboden dar, für jeden noch so kleinen Selbstzweifel. Aber auch nur deshalb, weil wir ihm Gehör schenken.
Ich habe jedenfalls beschlossen, den fiesen Stimmen in meinem Kopf ein Busticket zu kaufen. Damit können Sie dann irgendwo hinfahren, wo sie jemanden finden, der ihnen gern zuhört. Und wie gut es tut, die negativen Projektionen im Inneren loszulassen! Somit ist dann auch Platz für die neuen Stimmen. Sie machen Mut und sie freuen sich über erreichte Ziele, farbenfrohe Sonnenuntergänge, Gelächter mit Freunden, den ersten Krokus nach dem Winter und ein frisch bezogenes Bett, nachdem man in der Badewanne war. #Lebensqualität
photo: I hear in my mind; all these voices. (213), Meg Wills, CC 2.0
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