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Oder du bist nicht mehr mein Freund Warum man seine Freunde nicht verbiegen und verdrehen sollte

Beitragsbild: Oder du bist nicht mehr mein Freund

Manch ein Freund hat den nervigen Drang, dich ändern zu wollen? Kennt man. Gibt es einen Kompromiss zwischen Kumpels und unterschiedlichen Geschmäckern?

Ein ehemals guter Freund hat eine seltsame Eigenschaft. Er war erst zufrieden, wenn wir uns uns über ein Thema vollkommen einig waren. Alles andere, insbesondere eine eigene Meinung, brachten ihn schnell aus dem Konzept. Dabei ging ich davon aus, dass eine gute Freundschaft sich dadurch auszeichnet, dass man die Marotten des anderen toleriert und auch die absurdesten Entscheidungen akzeptiert. Dennoch kam er als eingeschworener Schalke-Fan nie damit zurecht, dass mir Fußball schon immer am Allerwertesten vorbei ging.

Nudelsalat vs. Gummibärchen … bis einer weint

Dies soll aber nur ein Beispiel für dieses unerklärliche Phänomen sein, was ich schon häufig unter befreundeten Zeitgenossen beobachten konnte. Manch einer möchte unbedingt Einigkeit erreichen, koste es, was es wolle. Weiteres Beispiel: Liane mag gerne Nudelsalat. Sie isst ihn vor und während ihrer Lieblingsserie, die sie sich täglich gibt. Ihre BFF Sieglinde findet Mayonnaise aber grenzwertig und nascht lieber Gummibärchen. Aufgeben war noch nie die Stärke von Liane, drum versucht sie monatelang Sieglinde zu überzeugen. Der Ton wird dabei immer schärfer und direkter, bis es plötzlich Überhand nimmt und im Streit endet. Die Nudelsalatfanatikerin wirft viele Themen in einen Topf, wie zum Beispiel ein abgesagter Konzertbesuch, ein geliehener Geldbetrag und ein harmloser Flirt zwischen Lianes Schwarm und Sieglinde.

In ihrer besten Freundin erkennt sie eine treulose Tomate, eine Abtrünnige der Gummibärchenbande – oder schlicht und einfach gesagt Judas. Die Freundschaft zerbricht daraufhin Stück für Stück, weil Liane nicht hinnehmen konnte und wollte, dass Uneinigkeit über so eine Banalität entsteht. Sie fühlt sich im Recht, frei nach dem Motto: das mache Freundschaft aus. Dazu gehören auch Opfer, wie beispielsweise ab und zu eine Portion Nudelsalat zu essen.

Come as you are

Das Beispiel mag nun recht albern sein, aber solche Menschen kennt man. Die Gründe sind vielfältig, häufig spielt ein schwaches Selbstwertgefühl eine Rolle. Ein Ablehnen der eigenen Vorlieben und Interessen rufen Zweifel hervor, ob man sich tatsächlich mit den richtigen Menschen umgibt. Ein Umfeld, in dem alle auf Kommando Ja und Amen sagen, dürfte weniger hilfreich sein, sich in Selbstzufriedenheit zu üben.

Der wichtigste Punkt ist jedoch, dass niemand einen Anspruch darauf hat, gemocht zu werden. Hat den Vorteil, dass es auch umgekehrt gilt: ich muss auch nicht alles und jeden töffte finden. Du und ich müssen niemanden ändern, es ist auch möglich, die Leute so zu nehmen, wie sie sind. Also auch wenn mich Schalke einen Scheiß interessiert, kannst du dennoch mit mir einen trinken gehen. Dann reden wir eben über High-Scores bei Super Mario oder deine Ex, ist doch egal.

Den Fokus verlegen

Ein netter Gedanke ist der Leitsatz »Mache deine Probleme nicht zu meinen«. Mir ist an dieser Stelle klar, dass sich daran nur wenige Leute halten. Wie denn auch, wenn Domian nicht mehr auf Sendung ist? Da muss man sich ja bei seinem Kumpel oder so ausheulen, oder?

Ab und an ist so eine Schulter sicher ein Lebensretter. Doch in vielen Fällen ist ja der Bereich zwischen den Ohren die Hilfe in der Not. Wenn du verstehst, dass dein Gegenüber auch Wünsche, Gedanken und Ziele hat, dann kannst du dich gewiss auch an einem Nudelsalat mit Gummibärchen (oder welches Gemisch auch immer) erfreuen. Ein unschlagbares, dynamisches Team gegen den Rest der Welt. Einzigartig und absolut zwangfrei.


Letzte Bearbeitung war am 18.01.2017

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