Autor: Oliver Peters

Beitragsbild: Rezension "Papa ruft an" von Bastian Bielendorfer

Wenn der Präsident von Klugscheißistan anruft Rezension: »Papa ruft an« - Bastian Bielendorfer

Wenn Papa anruft, sieht man Chewbacca auf dem Handydisplay und hört ein ausdruckstarkes Schmatzen. So werden in Bielendorfers »Papa ruft an« zahlreiche Unterhaltungen zwischen Vater und Sohn eingeleitet. Das Bild wurde heimlich von seiner Frau Nadja aufs Handy gemogelt und sein Vater verschwendet ungern Ressourcen für ein schnödes »Hallo«. Es dauert nicht lange, bis Papa seinem Sohn den Grund des Anrufes nennt. Wahrscheinlich ist irgendwas ordentlich in die Hose gegangen. Das kann zum Beispiel eine überschäumende Waschmaschine sein, die aus der Not heraus mit Shampoo gefüllt wurde oder ein USB-Stick, der zum Aufladen in einer Steckdose landete. Sollte mal nicht der Weltfrieden auf der Kippe stehen, werden alte Fotoalben durchblättert, um den Sohn vor seiner Frau bodenlos zu blamieren. Solchen Sadismus lobe ich mir!

Beitragsbild: Hilfe, ich bin Pendler und leide an Hikikomori

Hilfe, ich bin Pendler und leide an Hikikomori

Es ist anderthalb Jahre her, da befreite mich eine gerissene Oberleitung zwischen Herne und dem Nirgendwo aus meinem Albtraum. »Es war, als hätte man uns aus einer Geiselnahme befreit«, berichten Leidensgenossen, die das Geschehen miterlebten mussten. Meine Mutter versuchte mich mindestens vier Geburtstage hintereinander via Smartphone zu erreichen, doch keine Chance. Mein Akku war schon viel zu lange zur Neige gegangen. Ohnehin ist das Leben sprichwörtliches an mir vorbeigezogen.

Beitragsbild: Dinge, die ich nicht verstehe: WhatsApp-Gruppen

Dinge, die ich nicht verstehe: WhatsApp-Gruppen

Sophie hat die Gruppe »Drei Todesfälle und eine Hochzeit« eröffnet. Sie kam auf die glänzende Idee all ihre Kontakte zwecks anstehender Hochzeitsvorbereitungen ihrer besten Freundin in eine WhatsApp-Gruppe einzuladen. Natürlich ohne zuvor nachzufragen, ob denn alle möglichen Teilnehmer damit einverstanden wären. Es dauert nicht lange, bis die ersten unfreiwilligen Gruppenmitglieder ihre Verwunderung äußern.

Beitragsbild: »War früher alles besser?«

»War früher alles besser?«

Älter werden ist nicht leicht. Die Forscher behaupten gar, dass unsere Emotionen mit den Jahren abstumpfen, sodass kindliche oder gar jugendliche Freude kaum noch nachempfunden werden kann. Hätten Sie zum Beispiel als Kind auf der Straße einen 10 Euro Schein gefunden, so wäre die Freude groß gewesen. Heute würden Sie nur schimpfen, wie man die Straßen so verunreinigen kann und das man sich für die geringe Menge nicht einmal bücken sollte.

Beitragsbild: Dein Leben im Faktencheck

Dein Leben im Faktencheck

Ein Leben ist turbulent. Auch in 75 Lebensjahren bleibt oft keine Zeit, Situationen korrekt einzuschätzen und Aussagen oder Einschätzungen von Mitmenschen gründlich zu prüfen. Deshalb solltest du nachhaken und einige gehörte Aussagen und erlebte Momente gründlich bewerten. Blaaaah. So oder ähnlich werden die derzeit angesagten Faktenchecker eingeleitet. Solche Beiträge sollen den superseriösen Gegenentwurfzu Fake-News und Co. darstellen. Was passiert, wenn man nicht nur die aktuellen Schlagzeilen Prüfung auf Herz und Nieren prüft, sondern ebenso den Alltag? Am besten mit neunmalklugen Sprüchen und Weisheiten, die uns durch Glückskekse und via Abreißkalender deprimieren. Könnte ungefähr so aussehen.

Beitragsbild: Breadcrumbing – Häppchenweise warmhalten

Breadcrumbing – Häppchenweise warmhalten

Mandy schaut erneut auf ihr Handy. Bestimmt schon das vierte Mal in 15 Minuten. Ob Karlo heute endlich mal Eier zeigt und sich auf das versprochene Date einlässt? Sie glaubt immer noch fest daran und hofft auf eine positive Antwort auf ihre Frage, ob er heute Abend Zeit hat. Erst vor einer Stunde likte er ein Bild auf Instagram, auf dem sie einen Donut isst. Was Mandy nicht ahnt: sie ist nur ein weiteres Opfer von eines fiesen Möpps, der »Breadcrumbing« betreibt – ein weiterer Dating-Trend aus der Vorhölle der Bindungsscheuen.

Beitragsbild: Wie redet man mit Kindern?

Wie redet man mit Kindern?

Fühlst du dich auch unbehaglich, wenn kleine Menschen in deiner Nähe sind? Mit diesem Problem bist du nicht allein; mindestens zwei Personen aus meinem Bekanntenkreis haben ebenfalls keinen Schimmer, wie man mit Kindern reden soll. Die Dunkelziffer ist gewiss noch höher. Eine in dem Fall typische Reaktion wäre ein Achselzucken oder so zu tun, als ob man das Gezeter nicht bemerken würde. Selbst wenn einen die stolzen Mütter ins Gewissen reden (»Die Ohren hat er von dir«) fixiert man geistesabwesend einen Fettfleck an der Wand und wartet, bis es vorbei ist.

Beitragsbild: Lobhudelei der Primark-Tüte

Lobhudelei für die Primark-Tüte

In Deutschland gibt es gegenwärtig 22 Filialen des Klamotten-Konsumtempels »Primark«. Von innen gesehen haben muss einen solchen Schuppen nicht, jedoch dürften die dazugehörigen Primark-Tüten bekannt sein. Meine erste Begegnung mit der Tüte war vor ein paar Jahren in Köln. Ganze Schwärme von Shopping-Verrückten, die gleich mit mehreren dieser höchst unattraktiven Tasche durch die Einkaufsstraße zogen. Der Werbeeffekt wirkte, die Dinger erregten meine Aufmerksamkeit und ich beäugte seit dem Tage jeden misstrauisch, der damit unterwegs war.

Beitragsbild: Die sieben Todsünden – dargestellt durch Häschen

Die sieben Todsünden – dargestellt durch Häschen

Heute mal ein wenig Vergangenheitsbewältigung. Eigentlich wollte ich ja über Primark-Tüten schreiben, aber das muss nun noch ein paar Tage warten. Beim Stöbern in alten Dateien stieß ich auf alte Zeichnungen von mir, die ich mit dem Programm Paint anfertigte. Mon dieu! War ich am Ende! Sie wirken hastig, talentfrei und vor allem wie unterste Schublade. Aber im Nachhinein wirken die bescheidenen Werke verstörend und belustigend zugleich. Auf den insgesamt sieben Kritzeleien sind die Todsünden zu sehen, veranschaulicht durch Häschen. Keine Ahnung, wann ich sie genau anfertigte, aber es werden gewiss 10 bis 15 Jahre sein.

Beitragsbild: Taste Freeze – Wenn du zu alt für neue Musik bist

Taste Freeze – Wenn du zu alt für neue Musik bist

Mich amüsiert es, wenn Frauen Mitte 30 zu alten Beats vom Wu-Tang Clan abgehen. Ebenso belustigend empfinde ich Männer nahe der Midlife-Crisis, die jeden Riff à la Nirvana mit »DAS war noch Musik!« kommentieren. Sie können nichts dafür, es liegt tatsächlich am fortgeschrittenen Alter. Das Phänomen schimpft sich »Taste Freeze« und umschreibt das Unvermögen, sich ab einem gewissen Alter auf aktuelle Pop-Musik einzulassen.