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Verzweifelte, starrende Männer am Valentinstag

Der Valentinstag wird schnell zur Belastungsprobe für jeden Mann, der sich seiner Liebe vielleicht zu sicher scheint. Im Alleingang entscheiden, über was sich die Herzallerliebste freuen würde, artet nicht nur in Stress aus, sondern schafft zeitgleich absurde Momente.

Auf meinen abenteuerlichen Reisen durch die Weltgeschichte beobachte ich derzeit ein unterhaltsames Schauspiel. Ich sah sie in Einkaufsstraßen, in der Shopping-Mall und manchmal sogar an der Tanke. Einzelne überforderte Männer, die entgeistert auf Regale und Warenauslagen starren, mit verschränkten Armen und Schweißperlen auf der Stirn. Die Erklärung ist simpel und einleuchtend: Valentinstag.

Die Schachtel macht den Unterschied

Es scheint wie ein Fluch! Manchen Männern fallen bestimmte Termine wie Heiligabend oder eben Valentinstag viel zu spät ein, im schlimmsten Fall einen Tag vorher. Keine Chance mehr auf eine praktische Online-Bestellung, es hilft nur noch ein Ausflug in den Konsum-Dschungel. Dazu ein praktisches Beispiel: Limbecker Platz in Essen. Irgendwelche Agenturensöhne kamen auf die grandiose Idee, konservierte Rosen in eine stylische Schachtel  zu packen und diese schweineteuer im Einkaufszentrum zum Verkauf anzubieten. Vor der Auslage stand ein Typ um die 20, dem die Fragezeichen ins Gesicht geschrieben standen. In meiner Vorstellung rang er mit sich selbst und überlegte: »Ob ihr das gefällt? 80 EUR für einen Schuhkarton mit Zombie-Rosen? Ja? Nein? Ich brauche einen Telefonjoker, verdammt! Oder Pralinen? Ach, keine Ahnung, ich geh saufen.«

Der Valentinstag zwingt Männer erfahrungsgemäß zu Verzweiflungstaten. Vergebene Kerle wagen sich auf eine Art Schatzsuche und stellen sich dabei an, als wären sie Hauptcharakter in einem Roman von Jules Verne. Reise zum Mittelpunkt des Floristen oder 20.000 Euro über dem Budget. Singles, die ihren Schwarm überzeugen wollen, begeben sich auf eine ähnlich gefährliche Mission, nur sind noch ahnungsloser. Und vor allem betteln sie um Hilfe.

Schlüpper sind frei von Stilfragen

»Du musst mir helfen, was wollt ihr Frauen??« betteln Typen ihre weiblichen Kontakte an, wenn es um ein Geschenk für die Herzdame geht. Schadenfrohe Frauen legen ihm Einhorn-Tränen, Badebomben und Peniskissen ans Herz. Ganz schön gemein! Wie jeder weiß, sind Männer per se mit Shopping überfordert – selbst wenn es um sie selbst geht. Wer es nicht glauben mag, sollte einen Typen beim Kauf einer Krawatte oder so begleiten. Sofern es sich nicht um Produkte handelt, die keine Stilfragen schaffen (Toastbrot, Bier, 10er Pack Schlüpper), wird kein Mann überlastet.

Liebe Sadisten und Freunde der Realsatire: nehmt euch die Zeit und schlendert am 13.02 oder 23.12 durch die Einkaufsstraßen eurer Wahl und zählt die verzweifelten Kerle, die hilflos vor  Regalen und Schaufenstern gestrandet sind. Lauscht der aufkommenden Verzweiflung, dem Wimmern und ergötzt euch am gnadenlosen Scheitern des planlosen Mannes. Und wenn er dem Ende nah ist, sich selbst aufgibt und kurz vor dem Kollaps steht, so haltet ihm ein überteuertes konserviertes Peniskissen mit Einhorntränen in einer Schachtel hin – quasi ein ganzes Jahr Ruhe … zum einmaligen Sonderpreis.

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Tanz den Lower-Your-Standards-Limbo

Tiefer geht immer. Besonders, wenn es um den persönlichen Anspruch hinsichtlich der Partnersuche geht. Anstatt stets auf den eh viel zu hohen Standards herumzureiten, könnte man doch absichtlich in die Tiefe gehen. Genug schlechte Wortwitze, tanze den Lower-Your-Standards-Limbo!

Niveaulimbo? Kennt man! Zur Erinnerung: das beschreibt den Umstand, wenn sinnlose Kackscheiße billigend in Kauf genommen wird, wie beispielsweise das Dschungelcamp oder Geräte wie der legendäre Wursttoaster. An dieser Stellte möchte ich eine halsbrecherische Variation des Jugendworts 2010 ins Spiel bringen: den Lower-Your-Standards-Limbo.

Im Netz findet man millionfach Memes und Motivationssprüche, die sich mit dem persönlichen Anspruch auseinandersetzen. Ganz vorn mit dabei ist der Spruch: »Do not allow your loneliness to lower your standards«, welchen ich frei mit »Nur weil du einsam bist, musste keinen Staubsauger vögeln« übersetzen würde. Scheinbar scheinen die Ansprüche bei der Partnerwahl eine große Rolle zu spielen, dabei könnten die Positionen kaum unterschiedlicher sein.

Anspruchsvoll einsam

»Halte Deine Standards« sagen meist ohnehin beliebte und attraktive Personen, die mindestens 1.000 Follower bei Laune halten und sich ausschließlich vor Postkarten-Motiven ablichten lassen.  »Halt mal den Ball flach« raunen dagegen die Forever-Alone-Versager, die sich hinter Bergen von Pizza-Kartons vor ihrer Mutter verstecken und bei Nacktszenen die Pausetaste drücken.

Nur weil Sex, Kochen und manche Netflix-Serien zu zweit mehr Spaß machen können, kommen bei Dauersingles regelmäßig Selbstzweifel auf. Wenden sich folglich Betroffene verzweifelt an ihr Umfeld, so antwortet dies demotivierend: »Vielleicht sind Deine Ansprüche zu hoch?« Bei manchen ist so eine Äußerung hinsichtlich der Ex-Partner eine bodenlose Frechheit. Doch wie tief soll man bei der Partnersuche sinken? Sollten alle Vorstellungen über Bord geworfen werden? Fuck Disney, gib mir die Kandidaten von Schwiegertocher gesucht

Tiefer gelegte Ansprüche

Von Junkies wird behauptet, dass sie erst am Boden ankommen, sprich den absoluten Tiefpunkt erreichen müssen, ehe sie wieder ihr Leben in den Griff bekommen. Sollte dies auch auf die Partnerwahl zutreffen, ja dann gute Nacht. Das wären das düstere Aussichten für das nächste Tinder-Tagebuch. Dies wäre das Ende der Fahnenstange: am Boden zerstört, sprich der weltbeste Limbo, den niemand unterbieten kann. Am besten, man bleibt einfach liegen.

Vielleicht lässt es sich liegend sogar besser flirten, wer weiß. Selbst wenn als Ansprechpartner der Sanitäter herhalten muss, warum nicht die Chance/Notlage nutzen und die niedrige Lage als tatsächliche Grundlage gebrauchen. Als Vorschlag würde ich folgende Flirt-Taktik empfehlen: »Nun komm doch mal näher, begib Dich auf mein Niveau. Übrigens … schon mal vom Niveaulimbo gehört? Nein? Dann lass mich so lange liegen, bis mich jemand angräbt.«

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Beitragsbild: Einmal Schurke sein

Einmal Schurke sein

Die dunkle Seite der Macht hat durchaus ihre Reize. Zum Beispiel könnte man als psychopathischer Killerclown oder Kannibale Oscars abräumen. Aber ist es letztendlich erstrebenswert, absichtlich ein Schurke oder gar Vollarsch ohne Reue zu sein?

Während meiner Kindheit war vieles einfacher. He-Man war der Gute, Skeletor der Böse. Selbst mit dem Lore überforderte Eltern erkannten den Helden direkt am blonden Topfschnitt, während der Schurke eine knochige Fratze trug. Das Spielprinzip war klar: Skeletor bekam als fieser Möpp verdient aufs Maul, He-Man kloppte die Fiesen aus dem Leben und ging nur bei Grün über die Straße. Aber jetzt? Seitdem sämtliche Comichelden ihren Weg auf die Kinoleinwände fanden, scheint es gar nicht mehr so einfach, zwischen Gut und Böse zu unterscheiden. Eindeutige Feindbilder wie Darth Vader, Dr. No oder die Eltern der Peanuts wurden durch kranke Psychos auf Droge ersetzt, wie den Joker, Walter White und Hannibal.

Ein Beelzebub auf Erden

Zugegeben … Superhelden können unerträglich langweilig sein. Schurken hingegen scheinen einfallsreicher dank krimineller Energie, hauen die cooleren Sprüche raus und tragen ständig schwarz. Eignen sich demzufolge und aufgrund dieser Eigenschaften deutlich besser als eierlegende Wollmilchsäue zum Ausschlachten, statt der alten Kamellen aus den 80ern. Man stelle sich vor, eine Neuauflage der damaligen TV-Serie »Ein Engel auf Erden« würde statt des letzten »Joker« Streifens die Preise abräumen. Undenkbar! Alternativ jedem Kritiker die Visage zu zerfetzen wie ein richtiger Oberfiesling mit Clownsnase würde Michael Landon der verwirrten Seele über die Wange streicheln und sagen: »Lass alles raus«. Oscarreif!

Gewissenlos Kätzchen schubsen

Ein Schurke zu sein lockt mit angeblichen Möglichkeiten. Freche Antworten, tun und lassen, was man will sowie durch Manipulation und fieser Tricks Vorteile erlangen. Solange kein blonder Langweiler mit seltsamer Frisur oder im blauen Strampler dazwischen funkt, könnte man es so weit bringen. Theoretisch. Wäre ich einen Tag lang ein wahrer Schurke, sprich Teufel oder Endgegner, so würde ich den Tag beginnen, indem sämtliche Regeln breche! Müll nicht trennen, Omas schubsen, Schwarzfahren, Obdachlose auslachen, Kätzchen aussetzen, Steuern hinterziehen, Kaugummi auf den Boden spucken und eine Rolltreppe blockieren für den Anfang. Im Laufe des Tages würde ich zehn verschiedene Größen einer Jacke bei Amazon bestellen, drei Filme illegal runterladen, vor vier ein oder mehrere Bier trinken und jedem Gesprächspartner ins Wort fallen. Ich wäre Staatsfeind Nummer 1. Eine akute Bedrohung! Ich bin Pinky und Brain in einer Person, mir gehört die Welt! Ein derartiges Machtgefühl hatte ich zuletzt beim Mau-Mau Spielen, als ich alle vier Siebener auf der Hand hatte.

In RPGs – sprich PC-Games (Baldur’s Gate, Neverwinter Nights etc.) oder Pen & Paper Rollenspielen – gibt es für Spieler die Möglichkeit zum Beispiel rechtschaffen böse als Gesinnung zu wählen. Einmal wollte ich den Thrill erleben abgrundtief böse zu sein. Bereits bei der ersten Begegnung mit einer für den Plot relevanten Person scheiterte ich massiv. Anstatt »Gib mir dein Geld, Du Knecht!« zu sagen, nahm ich eine Quest an, die ausgerissene Katze zu retten. Ohne Bezahlung. Hmpf.

Arschlöcher sind nicht sexy

Den Reiz des Bad Boys kann ich bis zu einem bestimmten Grad nachvollziehen, doch will der Funke nicht vollständig überspringen. Während die Bösewichte auf den Leinwänden, in Büchern und Comicheften immer komplexer und möglicherweise interessanter wurden, bleiben die Schurken der realen Welt weiterhin hässlich wie die Nacht. Egoismus, Neid und Missgunst werden niemals sexy sein, da begünstigt auch keine schwere Kindheit. Jene Arschlöcher, die es toll finden, einer verachtenswerten Ideologie hinterher zu rennen, bleiben weiterhin erbärmlich. Wer andere Menschen zwecks eigener Vorteile ausnutzt, ist und bleibt ein Arschloch. Punkt.

Wenn es in den Fingern juckt und die dunkle Seite der Macht lockt, versuche ich abzuwägen, ob sich die Rolle des Schurken wirklich lohnt. Wenn ich einen Blick in die Nachrichten werfe, dann weiß ich hundertprozentig: Nein. Und wenn ich an all die Vorbilder aus Funk, Film und Blah denke weiß ich ebenfalls: Nein, verdammt! Ich wäre eh nur so lange sicher, bis sich irgendein Bänker in einer Telefonzelle in seinen Strampler zwängt oder mich die Vernunft einholt.

Photo credit: JD Hancock on Visualhunt / CC BY


Dinge, die ich nicht verstehe: Augenbrauen

Dinge, die ich nicht verstehe: Augenbrauen

Für die Einen stellen sie die Betreffzeile zu den Fenstern zur Seele dar. Für Andere wiederum ein wildes zu zähmendes Büschel Haare. Oder schlicht und einfach: Augenbrauen.

Lydia trägt sie schmal, Mareike lieber buschig. Jennifer zeichnet nach und Moni hat Schiss, mit Theo Waigel verglichen zu werden. Böhmische Dörfer. Augenbrauen, oder treffender die Obsession bezüglich der Haarleisten begreife ich nicht. Muss ich eventuell auch nicht? Selbst darüber bin ich mir nicht im Klaren. Ähnlich verdutzt reagierte ich letztens beim Friseur meines Vertrauens, als ich gefragt wurde: »Und? Augenbrauen auch?« Panik machte sich breit. Immer grauer? Okay! Haare aus Ohren und Nase? Meinetwegen. Aber jetzt soll etwas mit meinen Augenbrauen nicht stimmen? Verrückte Zeiten.

Augenbrauen richtig einsetzen

Vielleicht muss man die Aufregung um Augenbrauen tatsächlich nicht verstehen. Verwirrung stiftend ist bereits die Deutung der Mimik, bei denen die Brauen eine wichtige Rolle spielt. Laut Wiki werden hochgezogene Augenbrauen  – Ihr wisst schon, ungefähr so: 🤨 – in arabischen Ländern als Ablehnung interpretiert. In Peru hingegen soll der Ausdruck für »Bezahl mich!« stehen. Während die Augenbraueninterpretation viele Fragen offen lässt, scheinen in Sachen Ästhetik strenge und unmissverständliche Regeln zu gelten: ohne die passende Braue sollte sich niemand in die Öffentlichkeit wagen.

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Unzählige YouTube-Anleitungen und Fachartikel zeigen, wie Augenbrauen im Allgemeinen auszusehen haben. Monobraue ist (mittlerweile) tabu, stattdessen sollten stilbewusste Personen lieber auf »Messy Brows« setzen – ja, ich musste das auch googeln. Dank des jahrelangen Drucks der Schönheitsindustrie (Lieblingsthema Cara Delevingne) und der Medien wirken alle gleich viel natürlicher. Dabei verkündete Glamour noch im August letzten Jahres, dass »dünne Augenbrauen zurück« seien. Aber hey, der nächste Trend ist bereits in der Mache, um allgemeines Unbehagen und Unsicherheit zu verbreiten!

Brow-Power: Dominiere die Welt

Trotz meiner Ahnungslosigkeit habe ich jedoch eine Sache schnell kapiert: manche verstehen bei diesem sensiblen Thema keinen Spaß. Mich träfe wahrscheinlich direkt ein Blitz, wenn ich es wagen würde, die Brauen meines Umfelds zu kommentieren: »Nicht so schlimm wie in den 90ern! Da malte mal sich noch feine Striche.«

Bei meinen Recherchen stieß ich auf einen Artikel, bei dem ich mich frage: Ironie oder nicht? Der »Augenbrauen-Guide« für Männer belustigte mich mit der Zwischenüberschrift »Wie Augenbrauen dein ganzes Leben verändern können«. Dank dieses Guides soll es mir möglich sein, der »Welt zu zeigen, wie geil ich bin«. Hmm. Mir ein neues Lebensgefühl zupfen? Die Welt mit dem richtigen Einsatz einer Pinzette dominieren? Wie gesagt, ich verstehe Augenbrauen einfach nicht.

Photo credit: musicisentropy on Visualhunt.com / CC BY-SA

Beitragsbild: Raclette im August

Raclette im August

Manche Menschen wollen die Welt einfach nur brennen sehen. Andere mampfen hemmungslos Raclette im August. Hier sind lose Anweisungen für eine Eskalation.

Wage das Unmögliche. Grüße einen Fremden. Bestelle eine Mahlzeit im Restaurant, die du als Kind gehasst hast. Schenke dir selbst einen Strauß Blumen, der dir auf den ersten Blick überhaupt nicht gefällt. Gestehe deine Liebe für belanglose Pop-Musik. Verlasse alle WhatsApp-Gruppen mit dem Mic-Drop, dass du niemanden in der Gruppen je leiden konntest. Lies ungeniert ein Buch über Inzest im ÖPNV und markiere wahllos Stellen mit dem Stift. Versage im Escape-Room und gib den nachfolgenden Teams Tipps. Gehe mit einer Kakerlake Gassi – angeleint, versteht sich. Twerke wahllos Gäste auf einer Hausparty an. Gehe in die Angezogen-Sauna. Kündige dein Sparbuch plus Bausparvertrag und verschwende dein Geld am Kaugummiautomaten. Schäle eine Banane, werf das Innere weg und mampfe den Rest.

Hohle Erde, Parkplatz-Sex

Erzähle deinen Mitmenschen, wie glücklich du bist. Benenne Alexa oder Siri nach deinem Partner/deiner Partnerin und warte auf die Eskalation. Verzehre eine Elefantenrüsselmuschel ohne zu kotzen. Werde Kleinkrimineller, indem du containern gehst. Überweise überzeugt und begeistert einen doppelten Rundfunkbeitrag. Glaube an eine hohle oder wenigstens flache Erde und schreibe dies in dein Xing-Profil. Suche mit einen E-Scooter einen Rastplatz für halbherzigen Parkplatz-Sex auf. Lerne eine paar Zaubertricks, die peinlich in die Hose gehen und dich zur Lachnummer werden lassen. Rufe irgendwo nach 22 Uhr an. Stelle alle deine Möbel auf den Sperrmüll, lade deine Feinde ein und lebe wie im Dschungelcamp. Entwickel eine Vorliebe für indonesische Stand-Up-Comedians und lache besonders laut, wenn du rein gar nichts verstanden hast.

Google deinen Stammbaum und deine Banane

Lege dich mit deinem Schwarm unter den freien Himmel und erfinde fiktive Sternbilder (»Das ist die gebogene Banane«). Warte, bis es grün wird. Feiere deinen Geburtstag mehrere Wochen zu früh. Trinke unter der Woche. Lade Essensreste bei Instagram hoch. Google alle deine Beschwerden und quatsche die Mailbox deines Hausarztes voll. Reise nach Australien und fang an zu Rauchen. Male dir einen eigenen Stammbaum, der viel aufregender als die Realität ist. Lösche niemals deine Browser-Histhory. Du warst in einem früheren Leben ein Elch, also benehme dich wie einer. Stoße ohne Blickkontakt an. Probiere Raclette im August.

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Beitragsbild: Wie ein gekritzelter Flamingo die Welt zerstörte - Künstliche Intelligenz

Wie ein gekritzelter Flamingo die Welt zerstörte

Vielleicht ist nicht jedem geläufig, dass uns eines Tages die Maschinen auslöschen werden. Dabei klingt es doch logisch, oder? Künstliche Intelligenz, kennt man aus jedem zweiten Sci-Fi-Film. Was aber noch viel weniger Leute wissen: Um unser Ableben zu beschleunigen, müsst ihr perfekte Flamingos zeichnen.

Hand aufs Herz: wir machen einen auf Leo und Kate. Posieren albern auf dem Deck der Titanic herum, obwohl wir ganz genau wissen, dass wir theatralisch absaufen werden. Voll gespoilert zappen wir zehn Minuten durch alle Nachrichtensender zappen, bis der letzte Optimist seinen Hut an den Nagel hängt. Und sich selbst direkt daneben. Klimawandel! Supervirus! Bruce Willis verpatzt die Sprengung des Asteroiden! Jedenfalls scheint das Ende der Erde gewiss und rückt immer näher, doch wir sind mit dem Feiern noch lange nicht durch. Fünf vor Zwölf, aber wir lassen noch einmal die Sektkorken knallen.

Sie kennen dein Passwort (Haustiername123) und deinen Warenkorb

In Sachen Weltende ließ ich einen der üblichen Verdächtigen außer vor: die künstliche Intelligenz. Trotz »Terminator«, »HAL« und Co. schleppen wir unser schlimmstes Unglück unmittelbar in Form von technischen Gadgets mit uns herum, sprich Laptops oder Smartphones. Auch bekannt als AI (Artifical Intelligence), die mir auf Basis irgendwelcher Algorithmen erst alle Termine runter rattert und mir anschließend mit unterkühlter Stimme zu verstehen gibt, dass sie mich im Anschluss aufgrund von Ineffizienz terminiert. All unseren bösen Maschine werden wissen, was wir vor 18 Monaten kurz vor dem Schlafengehen im Internet gesucht haben und vor allem haben sie bereits jetzt schon alles in den Warenkorb gelegt, was wir für die kommende Apokalypse bei Amazon shoppen werden.

Skizzen- und Kanononenfutter für die künstliche Intelligenz

Falls es euch nicht schnell genug geht oder für den Fall, dass ihr auf eine grässliche Feier eingeladen seid, hat die große Suchmaschine mit dem G eine Lösung. Google betreibt die Seite »Quick, Draw!« auf der die hauseigene AI auf die Probe gestellt werden kann. Besucher skizzieren online via Maus einfache Begriffe wie »Maus« oder »Auto« und die künstliche Intelligenz wird herausgefordert, das gezeichnete Objekt so schnell wie möglich zu erraten. Zu unser allen Nachteil funktioniert das Erkennungssystem besser als manche es zu glauben wagen. Da kann das gekritzelte Auto noch so sehr aussehen wie ein dreibeiniger Dackel mit einem Jetpack und einem Banjo – die künstliche Intelligenz made by Google wird es erkennen.

Unterschätze nie einen Toaster

Als hoffnungsloser Pessimist (mit einem viel zu vollen Terminkalender) hatte ich das starke Bedürfnis die Maschine füttern und fand mich klickend durch die ersten Worte bei »Quick, Draw!«. Nagel, Linie, Computer – und Flamingo. Spätestens beim rosa Federvieh dachte ich mir: »Dir zeige ich es, du alberne AI. Du bist doch nur so clever wie ein Toaster!« und zeichnete via Maus den beschissensten Flamingo aller Zeiten. Auf dem ersten Blick ein ausgeklappter Zollstock, auf dem zweiten ein missglücktes Haus vom Nikolaus.

Screenshot: quickdraw-ergebnisse

»Gut gezeichnet« die Heidelbeere bleibt unerkannt.

Unberechenbar gegen den Algorithmus

Natürlich erkannte dieser beknackte digitale Klugscheißer meinen arg geschundenen Flamingo ratzfatz. Aber! Meine Heidelbeere und vor allem meinen picasso-mäßigen Golfschläger hat die Pseudo-Intelligenz nicht benennen können, ätsch! Das gibt mir die Hoffnung, dass ich zwar vielleicht nicht jeder grässlichen Party ausweichen kann, aber dafür noch das eine oder andere Lebensjahr erleben darf. Und das alles nur, weil ich unberechenbare Flamingos malte? Ein aufmunternder Gedanke zum Ende der Welt. Bleib unberechenbar! Sei ein auf der Titanic tanzender Zollstock mit einem Banjo – und nenne dich Flamingo. Oder König der Welt.

Bild: pixabay

Beitragsbild: Die Antwort auf alle Fragen: Babyfoto

Die Antwort auf alle Fragen: Babyfoto

An alle, die bereits als Antwort auf eine simple Whatsapp-Frage ein Babyfoto ohne sonstigen Kommentar zugeschickt bekommen haben: Ihr seid nicht alleine.

Abseits dieses Blogs bin ich zuweilen ein recht umgänglicher Mensch, trenne Müll, gehe zur Wahl und furze nicht in Aufzügen. Wider Erwarten überkommt mich sogar ab und zu eine Welle der Nächstenliebe, in der via Smartphone zum Geburtstag gratuliere oder einfach so frage: Hey, wie geht’s? Und was bekomme ich als Antwort? Kein Kommentar zum Befinden, kein »Wessen Nummer ist das?«, sondern ein … Babyfoto.

Es kann niemand entkommen

Mittlerweile wurde mir von anderen Betroffenen versichert, dass diese Art und Weise der Antwort keine Seltenheit ist. Nach einer Dauer von mindestens neun Monaten besteht die Gefahr, dass Dialoge durch wortkarge Bilderfluten in Form von Babyfotos gefährdet werden. Da kannst du nach dem Netflix-Passwort oder dem Wetter in Irgendwo fragen, es folgt darauf nur eine Antwort: ein Bild eines kleinen sabbernden Menschens, der sich noch nicht wehren kann.

Über die Gründe lässt sich nur spekulieren. Vielleicht genießen es junge Mütter und Väter einen gewissen Moment der Wahrheit zu provozieren, in dem alle Karten auf Tisch kommen. BÄM! Ich habe Nachwuchs gezeugt, und Du so!? Oder sie platzen vor Stolz und Liebe und wollen die ganze Welt daran teilhaben lassen –  oder zumindest diejenigen, die ahnungslos fragten, ob alles okay sei. Manche verzieren ihre WhatsApp-Profile und Status-Postings mit Fotos ihrer Sprößlinge. Frei nach dem Motto: frag mich endlich, was sich alles bei mir getan hat!

Mir egal, was ihr schreibt. Hier ist ein Babyfoto

Laut einer amerikanischen Studie könnte das ständige Posten von Babyfotos den Versuch darstellen, eine eigene Rolle zu finden und somit die Bestätigung für das eigene Tun zu erhalten. Im Grunde sollte ich mir als Mann an dieser Stelle eine Meinung schenken. Mir ist vollkommen klar, dass ich mich bei diesem Thema auf ganz dünnem Eis bewege. Was weiß ich schon über den Gegenwind, den eine junge Mutter spüren kann? In meiner wagen Vorstellung ist der Druck gewaltig. Es muss alles stimmen! Balanceakt zwischen Erwartungshaltungen, eigenen Ansprüchen und dem Schein, den es zu wahren gilt.

Aus diesem Grund suchte ich den Dialog zu Menschen, die auch unfreiwillig stapelweise Babyfotos sammeln. Sie bestätigten meine Erfahrungen, indem sie mir Auszüge der teilweise recht absurden Gespräche präsentierten. »Heute Abend was vor?« Babyfoto. »Habe mir ‘nen neuen Teppich gekauft. Was hältste davon?« Babyfoto. Wobei der schwierige Teil erst NACH dem Foto kommt. Wie antwortet man auf das Bild eines Säuglings?

Doch wie sollte man antworten?

»Hmmm. Okay.« oder »Baby..?« … eine wirklich geeignete Antwort möchte mir nicht einfallen. Zumal die geblitzten Babys eh alle gleich aussehen. Ist das nun der Nachwuchs von Lena oder von Bernd? Keine Ahnung, verdammt! Weitere Antworten: »Ist es voll funktionstüchtig?« könnte beleidigend wirken, während ich »Nein, danke« schon beinahe wieder angebracht finde.

Am besten sie schicken mir alternativ besser Bilder von Welpen oder anderem süßen Getier, da kann ich meine Freude kaum zügeln: »OMG WAS IST DAS FÜR 1 KNUDDELWUDDELKNUTSCHIWUTSCHI … ICH WILL STERBEN. GIB IHN MIR SOFORT. AAAAAAAAAAAAWWWW <3<3<3 SO FLAUSCHIG!!!!!1111«. Da kann kein Säugling mithalten, im Gegenteil. Welpen 1, Babies 0.

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Leichen im Keller bzw. Ärsche auf dem Handy

Leichen im Keller bzw. Ärsche auf dem Handy

Filmrezension »Das perfekte Geheimnis«

In der deutschen Film- und Fernsehunterhaltung genießen Talkrunden einen besonderen Stellenwert. Täglich schwafeln und fachsimpeln gefragte Menschen in der Flimmerkiste um die Wette – und wir Zuschauer kleben an ihren Lippen. Möglicherweise liegt es an unserer typisch deutschen Schadenfreude, der Drang den berüchtigten roten Knopf zu drücken. Wiki beschreibt diese Emotion als die »Freude über das Missgeschick oder Unglück anderer«. Passt hinsichtlich des aktuellen Filmwerks »Das perfekte Geheimnis« aus der Feder von Bora Dağtekin wie die Faust aufs Auge. Man möchte im Kino aufschreien: »Alle scheiße! Außer Mutti. Besonders die Kerle!«

Manche legen es darauf an

Zur Handlung: Rocco (Wotan Wilke Möhring) und Eva (Jessica Schwarz) laden ihre langjährigen Freunde zum Pärchenabend mit Eskalationsgarantie ein. Um das gegenseitige Vertrauen innerhalb der Freundschaft auf die Probe zu stellen, sollen bei dieser besonderen Talkrunde alle Smartphones aus der Tasche auf den Tisch. Jede Nachricht, jeder Anruf … alles wird laut vorgelesen. Ich persönlich möchte behaupten: wer solche Ideen hat, möchte die Welt brennen sehen.

Ein Handy ist nicht nur hilfreich bei Langeweile und als Erinnerungsstütze für kommende Geburtstage, es kann sogar ein ganzes Parallelleben verbergen (#mussmanwissen). Somit ist es keine Überraschung, dass bereits nach kurzer Zeit die ersten eindeutig zweideutigen Nachrichten eintrudeln. Natürlich lassen zusätzlich aussagekräftige Bilder ebenfalls nicht lange auf sich warten. Um weitere Katastrophen zu verhindern tauschen Leo (Elyas M’Barek) und Pepe (David Florian Fitz) ihre Smartphones, was – wer hätte das gedacht – natürlich in die Hose gehen muss.

Die Lust am Scheitern

Die Empörung ist groß, das Geschrei laut. Und es macht Spaß! Der Film greift zwar tief in die Klischeekiste, aber dank der Lust am Fremdschämen kommt keine Langeweile auf. Frederick Lau überzeugt in seiner Rolle als unsympathischer Großkotz Simon, während Jella Haase als Bianca den perfekten Kontrast darstellt: hilfsbereit und begeisterungsfähig wirkt sie wie der letzte Hoffnungsschimmer in dieser zum Scheitern verurteilten Runde.

Auch wenn ich bei diesen Voraussetzungen eines Pärchenabends einen Horrorfilm erwartet hätte, bleibt sich Autor und Regisseur Bora Dağtekin (Türkisch für Anfänger, Fack ju Göhte) treu und liefert eine Komödie nach dem bekannten Erfolgsrezept: verspielte Klischees, reichlich Pimmelwitze und feierliche Blamagen zum Ausleben der Schadenfreude. Zwar ist letztlich kein Geheimnis für den Zuschauer so perfekt, dass es verborgen bleibt, aber die vielen Momente des Scheitern bieten trotz mancher arg konstruierter Dialoge beste Unterhaltung.

Sie wollen doch nur spielen

»Das perfekte Geheimnis« ist die deutsche Interpretation des italienischen Films »Perfetti sconosciuti« (2016), der ebenfalls für den französischen Markt unter dem Titel »Le Jeu« (2018) adaptiert wurde. Selbst die Italiener und Franzosen haben das Wort Schadenfreude in ihren Wortschatz übernommen. Scheinbar ist das Phänomen anderen Mitmenschen beim Scheitern zuzuschauen europaweit ein Dauerbrenner.

In der deutschen Fassung bleibt das Happy-End nicht aus. Zwar entpuppt sich ein Großteil der Charaktere als Arschlöcher, doch die Männer schießen mit homophoben Sprüchen den Vogel ab. Versöhnlich und optimistisch will das Ende wirken: Lasst den Männer ihre Handys, ihre Spielzeuge. Sie möchten schließlich nur spielen, oder? Es bleibt jedoch ein gewisser Nachgeschmack. Ist es okay, homophob zu sein? Und ist Gewalt ein geeignetes Mittel zur Konfliktlösung? Diese Fragen könnten zu mehr Konflikten führen als ein falsch versandtes Tittenbild. Was »Das perfekte Geheimnis« aber in jedem Falle bietet: Gesprächsstoff für den nächsten Pärchenabend und nervöse Blicke auf das nächste Handy.

Photo credit: Petit_louis on Visualhunt / CC BY

»Das perfekte Geheimnis«
Kinostart: 31.10.2019 | Darsteller: Elyas M’Barek, Karoline Herfurth, Florian David Fitz, Jella Haase, Frederick Lau, Jessica Schwarz, Wotan Wilke Möhring u.a.| Produzentin: Lena Schömann | Executive Producers: Martin Moszkowicz | Regie: Bora Dağtekin | Drehbuch: Bora Dağtekin

Titel: Neulich bei den anonymen Plastikfreunden

Neulich bei den Anonymen Plastikfreunden

Dilemma Plastik: Man stelle sich eine Art Selbsthilfegruppe für Leute vor, die partout nicht auf Plastikmüll verzichten wollen. Wie das wohl ablaufen würde?

Ich gab mir den Namen Bruno. Wie lässig es klingt, wenn Leute »Was geht, Bruno?« sagen! Beste Voraussetzungen für die Vorstellungsrunde bei den Anonymen Plastikfreunden. Die ultimative Anlaufstelle für alle armen Kreaturen wie mich, die nicht auf ihre tägliche Portion Plastik verzichten können/wollen. In erster Linie geht es natürlich um Austausch von Erfahrungen, zusätzlich sämtliche Sorgen bezüglich der Kampagne gegen Plastik sollen auf den Tisch; Gleichgesinnte können dank der engagierten AP über ihr Lieblingsmaterial debattieren und brauchen sich nicht zu schämen, wenn sie mal ‘nen Kaffee im Plastikbecher getrunken haben.

Aufmerksam wurde ich auf diese Veranstaltungen auf dem üblichen Weg: Filterblase, sprich Social Media. Überrascht über die regen Followerzahlen erkundigte ich mich nach dem Ort für das nächste Treffen und ob ich einfach mir nichts dir nichts vorbeischauen könnte. Na klaro! Musste mich halt zu der angekündigten Uhrzeit vor der lokalen IKEA Filiale einfinden. Warum IKEA? Weil jeder Teilnehmer bei einem spontanen Bedürfnis nach Plastik (und nur im Notfall!) schnell im Bällebecken abtauchen darf.

Finger weg von meiner Strohhalm-Sammlung

Leider sagte niemand zu mir »Was geht, Bruno?«, aber wenigstens begrüßte mich die illustre Gruppe freundlichst. Es war ein komplett durchmischter Haufen, die sich nur dank ihrer Zuneigung zum Plastik in einem klischeehaften Sitzkreis versammelten. Da einige neue Gesichter am Start waren, fiel die Vorstellungsrunde etwas ausführlicher aus.

Eine schmächtige Linda berichtete uns von ihrer heimlichen Strohhalm-Sammlung, die sie scheinbar über Jahre hinweg auf dem Dachboden hortete. Timo (mit Bart) hingegen schwörte auf in Plastik eingeschweißtes Obst und Gemüse, ohne Wenn und Aber. Ein sogenannter Nikolaus übertreibt total, da er zu den absurdesten Gelegenheiten einen prall gefüllten gelben Sack mit sich herum schleppt. So unterschiedlich die Vorlieben der Anonymen Plastikfreunde auch sein mochten, uns alle verband ihre Liebe zum Kunststoff. Wir wollten der Umwelt zuliebe und aufgrund des medialen Drucks unsere Neigungen bändigen, aber es ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Als zum Beispiel ein anderer Timo (ohne Bart) das Verbot für Plastiktüten ansprach, mussten zwei Teilnehmer zur Beruhigung direkt ins Bällebad.

Der künstliche Stein der Weisen

Irgendwann war auch mein Moment gekommen. Gespannt wartete die Truppe auf meine Vorstellung. »Hi. Ich bin Bruno und möchte euch meine Obsession präsentieren.« Wortlos holte ich einen Lego-Stein aus meiner Hosentasche und hielt ihn vor mich. Ein leises Raunen ging durch die Runde. Aus dem Augenwinkel meinte ich sogar zu erkennen, dass hinter einer vorgehaltenen Hand getuschelt wurde. Einleuchtend, keine Frage. Es war die pure Provokation, als ob ich eine Sektflasche bei einem Treffen der Anonymen Alkoholiker köpfen würde.

Zweifelsohne ein gelungener Einstand. Anstatt ihre Hemd- und Blusenknöpfe, Wasserflaschen oder Smartphones zu befummeln, wollten sie alle meinen Lego-Stein halten. Plastik, welches man bereits seit der Kindheit lieben gelernt hat. Das selbst heute noch – und sogar in der furchtbar ernsten Businesswelt – den guten Ruf inne hat, Kreativität zu fördern und Fantasien zu formen. Ein magischer Stein, der noch nicht für überflüssig erklärt und durch alternative Materialien ersetzt wurde – im Gegensatz zu Lindas Strohhalmen.

Dem Plastik zuliebe

Eine Woche später. Die Runde der Kunststofffanatiker hat sich wieder eingefunden, doch etwas hat sich seit meinem Einstieg verändert. Für die nächste Zusammenkunft durfte jeder sein neues Lieblingsobjekt mitbringen. Linda hat neuerdings keinen Bedarf mehr an ihren alten Strohhalmen, stattdessen feiert sie Bambus. Timo stieg der Umwelt zuliebe auf natürlich verpacktes Obst um – die Banane.

Mancher Plastikmüll kann vermieden werden, warum nicht einfach anfangen? Scheint zumindest bei den Anonymen Plastikfreunden recht angebracht. Nur Nikolaus druckste herum, kam aber letztendlich nicht mit leeren Händen: zwei vollgestopfte gelbe Säcke mit Lego-Bausteinen.

Photo credit: michaelkowalczyk.eu on Visual Hunt / CC BY-SA
Beitragsbild: Es wird Arschlöcher geben

Es wird Arschlöcher geben

Ob in der Politik, den Medien, der Wirtschaft oder im Umfeld – du kannst es drehen und wenden, wie du willst: Arschlöcher sind unvermeidbar und leider allgegenwärtig.

Ein kleines Beruhigungsmittel in Textform an mich selbst: du kannst es drehen und wenden, wie du möchtest – es wird immer und überall ein absolutes Arschloch geben. Es wird dir ins Gesicht lügen und schlimmstenfalls nehmen, was dir lieb ist. Vielleicht reißt es dir gar das Herz raus und hinterlässt bleibende Schäden. Egoismus ist eine Motivation, nicht selten der Treibstoff; es macht ein solches Arschloch aus. Solche Gestalten sind selbstsüchtig, rücksichtslos, habgierig, träge und weisen letztlich jede Verantwortung von sich. Zugeben, dieser Absatz liest sich, als hätte ich ordentlich eins auf die Mütze bekommen. Als ob ich in Selbstmitleid zerfließen würde und die Gelegenheit nutzen möchte, ordentlich Frust abzulassen. Teilweise richtig. Zusätzlich ziehen mich die Erzählungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis runter, die zwangsläufig auch an Arschlöcher geraten sind. Wie geschrieben, diese Zeilen sollen eine Art friendly reminder darstellen. Sie werden jedem begegnen, aber alleine diese Erkenntnis kann deren Einfluss schwächen.

Als ob es eine Fabrik für diese Idioten gäbe

Es wird immer einen geben, der Dir die Vorfahrt nimmt. Jemanden, der die letzte Klorolle verbraucht ohne aufzufüllen. Einen Incel, der alle Frauen bis auf Mutti für sein Scheitern verurteilt. Arme Gestalten, die nichts außer ihrer Heimat nennen wollen, auf das sie stolz sind. Die ihr Handy zücken, wenn Andere ums blanke Überleben kämpfen. Ungeduldige, die nicht am Bahngleis nicht warten können, bis andere Fahrgäste ausgestiegen sind. Gewissenlose Monster, die in der Werbung oder im Bankgewerbe arbeiten. Natürlich auch solche, die ihren Müll unbekümmert auf den Boden werfen. Spießbürger, die sich aus Prinzip über ihre Nachbarn beschweren. Die niemanden aussprechen lassen. Arschlöcher, die das Ende des Buches oder Films spoilern und sich darüber freuen. Oder solche, die sich selbst an ihren Facebook-Kommentaren aufgeilen. Trottel, die dir vorschreiben wollen, was du zu tun hast – oder zu denken. Die dich nur nach deinem Befinden fragen, damit sie über sich selbst reden können.

Nachschub garantiert – aber es gibt Hoffnung

Die schlechte Nachricht zuerst: Ja, du wirst sie allesamt kennenlernen und sie werden dir ordentlich auf den Zeiger gehen. Doch es gibt auch einen kleinen Lichtblick. Du kannst dich auf solche Begegnungen innerlich vorbereiten,  die Nachwirkungen müssen demzufolge bei weitem nicht so dramatisch sein. Vielleicht hilft es, wie Ai Weiwei mit ausgestrecktem Mittelfinger und einem satten »Du-mich-auch« Feeling durch die Weltgeschichte zu stolzieren. Oder wenn du jedes Zucken eines Arschlochs belächelst und ignorierst, denn schließlich findet jeder Albtraum ein Ende. Nimm es nicht persönlich. Baue Distanz auf,  ernsthaft: du musst nicht dauerhaft im selben Raum wie dieses Ungeheuer abhängen. Ist das Arschloch zu stark, suche dir Verbündete. Wechsel nicht auf das Niveau des Idioten, bleib du selbst. Streiche es aus deinem Leben und mache weiter. Moment … habe ich gerade eine  kurze Anleitung verfasst, wie man zum egoistischen, psychopathischen und mobbenden Vollarsch wird?

Photo credit: Luis Marina on Visual Hunt / CC BY