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Gebt mir keine Bananen, gebt mir einen Job

Aktuelle Stellenausschreibungen überzeugen nicht mit konkreten Angaben, sondern mit Vitaminen. Kaum ein Jobangebot kommt mehr ohne frisches Obst, einem persönlichen Trainer und einer eigenen Bowlingbahn aus.

Björn hat die Faxen dicke und stellt seine Freundin zur Rede. »Annette, was macht die Jobsuche«, fragt er mit lauter Stimme und seinem Wir-müssen-reden-Blick. Annette verdreht die Augen. »Was soll ich sagen? Die Stellenangebote gefallen mir ja, aber ich kann Obst nicht leiden«. Seit Wochen quält sie sich durch die üblichen Job-Suchmaschinen, um ihre Karriere als Fleischfachverkäuferin fortzusetzen. Vor zwei Monaten wurde sie gekündigt, weil ihr ehemaliger Chef eine neue Frau kennenlernte – eine überzeugte Vegetarierin. Die Metzgerei »Haxnseppl« wurde ratzfatz geschlossen und alle Mitarbeiter (und somit auch Annette) wurden entlassen. Trotz des schnellen Endes war Annette hoch motiviert, schnell eine neue Stelle zu finden. Doch musste sie enttäuscht feststellen, dass ihr die dargestellten Jobbeschreibungen gar nicht schmeckten. Statt brauchbarer Angaben wie die Höhe des Gehalts gab es überwiegend den Hinweis: wir bieten frisches Obst.

Frisches Obst für Frischfleisch

So lange ist es gar nicht her, da zählte noch der Verdienst beim Job. Wer sich in der leidigen Situation der Jobsuche befindet, hat gewiss schon die eine oder andere schräge Stellenanzeige gesehen. Mein angeführtes Beispiel mit Annette und Björn ist vielleicht etwas übertrieben, aber nicht vollkommen unrealistisch. Statt Fleischereien sind es eher Agenturen die nicht zimperlich mit Versprechungen wie »frisches Obst und gesunde Getränke«, einer wöchentlich hampelnde Personaltrainerin für »Geist und Körper« sowie »Gourmet-Kaffee ohne Ende« werben. Aber wer weiß? Vielleicht können sich demnächst auch neu eingestellte Taxifahrer über eine Staude Bananen auf ihrer Rückbank erfreuen.

Gibt es in solchen Agenturen extra eingestellte Mitarbeiter, die sich rund um die Uhr um volle Obstkörbe und den Smoothie-Ausschank kümmern? Oder müssen das die unverzichtbaren Praktikanten übernehmen? Man stelle sich vor: »Hey Finn, machst du eben die Facebook-Kampagne fertig? Der Kunde wartet außerdem dringend auf die SEO-Auswertung, Deadline ist 3 Uhr nachts! Und vergiss nicht die Pampelmusen zu schälen und ordentlich Smoothies zu pressen!«

Auf eine lange, gesunde Zusammenarbeit

In einem früheren Beitrag sprach ich den Wandel bereits an: Sport ist das neue Saufen. Welcher Arbeitnehmer oder gar Arbeitssuchende will sich schon mit Selbstzerstörung à la Zigaretten und Alkohol schmücken? So wird das nichts mit dem Job. Statt einem Flachmann zücken Anwärter auf der Karriereleiter heute lieber einen knackigen Apfel. Kerngesund und zu keinem Zeitpunkt einen Krankenschein, stets verfügbar und ordentlich belastbar – das sind die gefragten Arbeitnehmer.

Dennoch würde ich mir von den anbietenden Arbeitgebern wünschen, dass sie statt prallen Obstkörben und teuren Kaffeemaschinen die wahren Interessen der Suchenden beachten würden. Wie viel Kohle gibt es? Wie sieht es mit Überstunden aus? Urlaub? Also all die Dinge, die man im Bewerbungsgespräch besser nicht klären sollte. Also ich würde bei einer Einladung zum Plausch den Spieß umdrehen.

Potentieller Arbeitgeber: Guten Tag, Sie Miesepeters. Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?
Ich: Wegen dem frischen Obst.
Potentieller Arbeitgeber: Wie bitte?
Ich: Ich selbst kaufe zu selten welches. Kein Bock auf Fruchtfliegen. Haben Sie auch Granatäpfel? Die mag ich.

Photo credit: find eric on Visual Hunt / CC BY-SA

Beitragsbild: 8 Filme für eine heftige Beziehungskrise

8 Filme für eine heftige Beziehungskrise

Ein romantischer Filmabend mit dem Schwarm kann vielversprechend sein. Anders sieht es jedoch aus, wenn du die falschen Filme aussuchst. Grundlegend gilt: verzichte auf sexistische Titel und Tom Cruise.

Kuschelnd mit der großen Liebe vor dem Bildschirm, was kann es Schöneres geben? Scheinbar soll es jedoch Zeitgenossen geben, die weniger Fingerspitzengefühl an den Tag legen, wenn es um die Filmauswahl für einen romantischen Abend geht. Offensichtlich dämliche Filmtitel und bestimmte Darsteller können die Haltbarkeit einer Beziehung extrem verkürzen. Ehe du dich wieder auf Tinder wiederfindest, solltest du folgende Titel als Vorschläge meiden.

Allgemeingültiger Spoiler: Der Nachwuchs ist immer schuld

Before Midnight
»So etwas kann uns nie passieren!« Offensichtlich muss der dritte Teil der Reihe von Richard Linklater diese Liste anführen. Während im ersten Teil die Romantik noch liebevoll dahin köchelte, ist nun im finalen Part scheinbar der Ofen aus. Die Leichtigkeit, Anziehungskraft und Magie sind verblasst und wurden durch Frust, Resignation und unangenehme Zugeständnisse ersetzt. Wie konnte es nur so weit kommen? Die Antwort ist einfach: Kinder.

Gone Girl
»Er/Sie ist schuld.« Hat Ben Afflek es verdient? Oder hat seine Frau den Bogen überspannt? Dieser Film eignet sich hervorragend für einen brutalen Streit um Recht bzw. Unrecht innerhalb einer Partnerschaft. Möglicherweise gelingt es durch den Film sogar, paranoid hinter jeder Aussage eine Lüge oder eine Verschwörung zu vermuten. Wie dem auch sei, am Ende müssen beide Beteiligten den Schein wahren. So eine Ehe hat schließlich auch Geld gekostet.

Inception
»Also das Ende ist ja wohl mehr als offensichtlich.« Eine andere Kategorie bilden Filme wie Inception, sprich Erzählungen mit offenem Ende. Gerne spielen sich Kerle auf, dass sie natürlich innerhalb der ersten fünf Minuten bereits wussten, wie der Hase läuft. Man will ja nicht total verblödet wirken. Da laut dem Klischee Frauen aber gerne Widerworte geben, kann es nur zu Komplikationen führen. Selbstverständlich verteidigen beide ihre Meinungen, bis es heißt: du schläfst heute auf der Couch und denkst noch einmal darüber nach.

Blue Valentine
»Du Arsch! Der Film hat ja gar kein Happy End.« Der Film mit Ryan Gosling und Michelle Williams in den Hauptrollen beginnt zuversichtlich. Mann trifft Frau, beide verlieben sich und leben fortan in glücklicher Zweisamkeit. Wäre da nicht der zerstörerische Faktor Zeit, der die Liebe zwischen den beiden Turteltauben hart auf die Probe stellt. Man möchte kaum glauben, dass es kein Happy Ending geben wird. Das Resultat ist bitter: wir sind alle verloren.

Nach dem Film bohre ich dir ein Loch durchs Bein

Eyes Wide Shut
»Ich hasse Tom Cruise.« Es mag bereits eine Zumutung sein, einen Film mit Tom Cruise ansehen zu müssen. In dem letzten Film von Kubrick wird die Beziehungskrise zwischen Cruise und seiner damaligen Ehefrau Nicole Kidman erzählt. Die Themen Untreue und Eifersucht setzen sich hartnäckig in den Köpfen der Ehepartner fest, doch bleibt es bei einer Phantasie. Das kann aber bereits mies genug sein. Warum? Zwei Jahre nach der Veröffentlichung von Eyes Wide Shut trennten sich Kidman und Cruise. Wenn das mal kein böses Omen war.

10 Dinge, die ich an Dir hasse
»Willst du mir auf subtile Art und Weise etwas mitteilen?« Manchmal will man streiten. Mit Haut und Haaren. Dafür eignen sich Filmtitel mit offensichtlicher Aussage wie 10 Dinge, die ich an Dir hasse. Ebenfalls gute Kandidaten: Er steht einfach nicht auf dich, Freunde mit gewissen Vorzügen und Stirb langsam.

Antichrist
»Bitte versprich mir, dass du mir nie ein Loch ins Bein bohrst.« Lars »Ja, ich hasse die Frauen« Von Trier stellte mit diesem Film sein Frauenbild zur Diskussion. Die einen halten es für eine total bekloppte Provokation, die anderen fragen sich: »Seit wann können Füchse sprechen?« Für einen romantischen Filmabend gänzlich ungeeignet, bestärkt Antichrist höchstens den Wunsch sich alternative Hexen anzusehen – wie zum Beispiel die von Charmed.

Transformers
»Mach sofort die Scheiße aus!« Spätestens wenn der Boyfriend kichernd einen Streifen von Michael Bay (Transformers, Teenage Mutant Hero Turtles) einlegt, sollte die Partnerin das Weite suchen. Er hat es ja so gewollt! Als Rache gibt es was von Disney.

Photo credit: irinaraquel on Visualhunt.com / CC BY

Beitragsbild: 5 Dinge, die du dank Netflix verlernt hast

5 Dinge, die du dank Netflix verlernt hast

Wurde es gestern wieder etwas später? Netflix zwingt uns mit unzähligen Serien und Filmen dazu, unseren Alltag hinsichtlich Serienstarts anzupassen. Dabei war es früher alles etwas übersichtlicher. Da gab es noch so spießige Dinge wie »Fernsehzeitungen«.

Vor kurzem gewann meine Neugier und ich startete einen Test-Monat Netflix. Es dauerte nicht lange, bis meine Wohnung zumüllte und die Nachbarn die Polizei riefen – es roch seltsam im Hausflur. Ohne es großartig zu bemerken war ich in den Fängen des Streaming-Anbieters gefangen und versackte hemmungslos vor dem Bildschirm. Stranger Things, Black Mirror und wie sie alle heißen mussten so schnell wie möglich durchgeglotzt werden. Meine Freundin steckte mich in eine Selbsthilfegruppe: anonyme Netflixer. Im Stuhlkreis konnten wir uns all die Widerlichkeiten beichten, die wir in Kauf nahmen. Mangelnde Hygiene, Insomnia und eine Plastikflasche voller Urin. Alles nur, damit wir nicht auf die nächste Folge verzichten mussten. Dabei war dem nicht immer so. Früher, als noch das normale Fernsehen über unsere Abendgestaltung herrschte, erschien alles etwas gesitteter. Die folgenden Punkte erinnern an die gute alte Zeit des Standby-Buttons. Das hier hast du alles dank Netflix verlernt:

Raum und Zeit war gestern

Eine Fernbedienung oder Fernsehzeitung nutzen. Auf dem Bild zu diesem Artikel sieht man dieses seltsame Relikt einer längst vergessenen Zeit: eine Fernbedienung. Etwas größer als ein Schokoriegel, mit bunten Tasten sowie Zahlen und Symbolen versehen. Diese wurde damals genutzt, um ein TV-Programm auszuwählen. Klingt komisch, ist aber so. Damals war es überfordernd und führte gar zu Beziehungsdramen, weil sich auf eine Sendung geeinigt werden musste – indem man zum Beispiel die »1« für den Tatort presste. Zuschauern wurde vor nicht allzu langer Zeit noch einiges abverlangt! Für Netflix-Anhänger klingt das Folgende gewiss noch absurder: früher blätterten die Konsumenten gar durch sogenannte Fernsehzeitungen, um zu erfahren, ob überhaupt was Interessantes läuft. Meist wurde aus dem überschaubaren Angebot das kleinste Übel (Kochsendungen, Dokus über Pinguine, Wiederholungen von Disney-Filmen) gewählt.

Ein gewisses Zeitgefühl. Netflixer wissen: ist die eine Folge gerade vorbei, beginnt in weniger als 20 Sekunden bereits die nächste. Besonders dreist verhalten sich die Macher des Streaming-Services, indem sie sogar die komplette Staffel auf einmal bereitstellen. Wartezeiten von bis zu einer Woche, wie früher aus dem TV bekannt, fallen komplett unter den Tisch. Es gibt nicht einmal Werbepausen, um das Gesehene zu verarbeiten. Das Durchglotzen von einer gesamten Serienstaffel hat mittlerweile sogar einen Namen: Binging. Völlig verwahrlost vergessen Netflix-Jünger Raum und Zeit, weil sie unbedingt wissen wollen, ob die neue Star Trek Serie doch endlich an Fahrt gewinnt.

Netflix kann durch die Nase gehen

Pinkelpausen einlegen. Der angesprochene Verlust des Zeitgefühls hat neben gestapelten Essensresten und konstanter Übermüdung noch einen weiteren unangenehmen Nebeneffekt: das Überstrapazieren der Blase. Zu gefesselt oder schlichtweg zu faul zum Wasserlassen verharren Serienjunkies vor dem Bildschirm und klemmen sich einen ab. Diejenigen, die sich selbst bereits aufgegeben haben, verzichten gar auf eine Hose und haben ein leeres Gefäß griffbereit. Örghs.

Kluge Sachen über die Macher erzählen. Als das Fernsehen noch ein überschaubares Angebot bereitstellte gab es am Tag nach einer quotenreichen Sendung jede Menge Diskussionsstoff. So fanden sich die Kollegen in der Mittagspause ein, um über die verrückten Wetten von Thomas Gottschalk zu plaudern oder wen sie alles aus dem Dschungelcamp gewählt haben. Gerne wurde auch im Freundeskreis über geschaute Filme geredet, allein schon aus dem Grund, um mit Fachwissen über Regisseure und Schauspieler zu glänzen. Durch Netflix, die Intros und Abspänne zum Überspringen anbieten, bleibt der Zuschauer darüber im Dunkeln, wer hinter dem Format steckt. Statt einem »Hat der nicht letztes Jahr den Oscar erhalten?« hört man nur noch ein »Muss ich noch schauen. Steht oben auf meiner Liste.«

Essen, schlafen und überhaupt alles, was normale Leute tun. Ab und zu eine Pause einzulegen ist nicht unbedingt im Sinne von Netflix. Dabei kann eine Pause, sei es für Nahrung, Schlaf oder gar Arbeit, für Serien- und Filmfreunde durchaus nützlich sein. So fanden Forscher heraus, dass bei einer Binging-Session das Gesehene deutlich eher vergessen wird. Gibt es jedoch Unterbrechungen (wie früher … einmal die Woche Lindenstraße), so bleibt die Handlung deutlich besser im Gedächtnis. Also stehe auf, mein lieber Serienjunkie. Nutze die Gunst der Stunde und klappe deinen Laptop zu. Öffne ein Fenster, atme tief ein. Iss anschließend ein leckeres Pausenbrot. Spüre, wie deine eingeschlafenen Beine wieder lebendig werden. Höre Deine Mailbox ab, denn du wirst bereits vermisst. Und um Gottes Willen, gehe endlich auf die Toilette!

Photo credit: keirstenmarie on Visual Hunt / CC BY

Beitragsbild: Spontane Genese im Wartezimmer

Spontane Genese im Wartezimmer

Morgens konntest du kaum noch einen klaren Gedanken fassen doch im Wartezimmer scheint alles wieder okay? Über spontane Genesungen kurz vor dem Arztbesuch.

Es war wie im Film. Ich schloss meine Augen und mein Leben wurde im Zeitraffer abgespult. Die zuvor getätigte Googlediagnose war ebenfalls eindeutig: ich muss sterben. Einige Spötter hätten mir Hysterie vorgeworfen, doch meine tropfende Nase und meine verstopften Ohren konnten nur das Schlimmste bedeuten. Eine gnadenlose Grippe hatte mich fest im Griff. Dämliche Kommentare wie »Ist eh nur eine Männergrippe, du Lappen« wollte (und konnte ich auch kaum!) hören. Die letzte Stunde hatte geschlagen.

Für meinen Abschied wählte ich das Wartezimmer meines Arztes. Auf dem beschwerlichen Weg zu seiner Praxis verabschiedete ich mich von all den Geschenken unserer Mutter Natur. Lebe wohl, Birke. Adieu, meine liebe Großstadttaube. Hau rein, miefender Gullydeckel. Alle paar Meter hatte ich das Gefühl ohnmächtig zu werden, da ich brutal niesen musste. Es war kein leichter Gang. Aber ich schleppte mich zur Anmeldung und bat die Arzthelferin, mir direkt eine Trage bereitzustellen – für den Fall der Fälle.

Ein Wartezimmer voller Scham

Das Wartezimmer war gut gefüllt. Leidensgenossen rotzten in ihre Taschentücher, während ich mein Testament in meine Cloud speicherte. Gerne hätte ich paar versöhnliche Worte an all jene gesandt, denen ich je Kummer und Ärger bereitet habe. Leider reichte es nur für einen Whatsapp-Status: »Die letzte Stunde hat geschlagen. Trauert nicht um mich. Mein Netflix-Passwort vermache ich meiner Freundin und sorry für das Gespamme«. Nach dem Absenden verspürte ich eine unerwartete Erleichterung. Die unsichtbare Taucherglocke schien zu verschwinden; ich konnte gar durch das linke Nasenloch atmen. Irritiert machte ich ein Selfie, um meinen Gesamtzustand zu überprüfen. Was war los? Meine zuvor vertränten roten Augen erschienen normal und meine wund gescheuerte Nase wirkte nur noch halb so bedrohlich.

Unmöglich. Zeigen meine Leidensgenossen und Genossinnen im Wartezimmer auch deutliche Fortschritte bei ihrer Genesung? So geht das nicht. Aufgrund meines ernsten Zustandes werde ich bald aufgerufen. Ich kann mich doch nicht halbkrank oder gar gesund beim Arzt vorstellen! Der lacht mich aus oder wirft mir gar die Vortäuschung falscher Tatsachen vor. Ich höre es schon: »Was fällt Ihnen ein? Draußen muss ein Blinddarm entfernt werden und stehlen mir die Zeit? Sie sind kerngesund«. Peinlich. Um das zu umgehen, rief ich einer vorbei rasenden Krankenpflegerin zu: »Hallo? Ich muss ganz dringend zum Doktor! Es wird mir bereits schwarz vor Augen«. Keine Antwort, nur ein genervtes Schnaufen.

Bis der Arzt kommt

Die Ereignisse der folgenden 30 Minuten sind mir ein wenig peinlich. Da ich eine fortlaufende Besserung meines Allgemeinzustandes verspürte (ernsthaft, meine Laune war viel zu gut, ich zog sogar die Schuhe aus und sang ein paar Trinklieder) überlegte ich, wie ich mir eine Berechtigung für das Wartezimmer verschaffen könnte. Schnell krank, aber wie? Auch den anderen mehr oder weniger Erkrankten ging es mit der Zeit deutlich besser, sodass wir ins Gespräch kamen. Neben unserer Leidensgeschichte teilten wir unsere Ängste vor einer bodenlosen Blamage und kamen zu dem Punkt, dass wir eine synchronisierte Gruppen-Ohnmacht schauspielern müssen, um unserem Dasein einen Sinn zu geben.

Auf drei! Eins, zwei, drei, plumps. Überzeugend warfen sich vier scheinbar gesunde Menschen inklusive mir auf den Teppichboden und warteten auf die Erlösung. Manche waren Spielverderber und starrten ignorant auf ihr Handy, anstatt unser Schauspiel zu unterstützen. Wir lagen gewiss 10 Minuten dort herum, bis man uns vor die Türe setzte. Wir hätten wohl zu viel Zeit und sollen uns erst wieder blicken lassen, wenn es ernst wird. Protestiert habe ich nicht. Stattdessen fühlte ich, wie sich langsam aber sicher mein linkes Nasenloch schloss.

Photo credit: weidegruen on Visual hunt / CC BY-SA

Beitragsbild: Pandas, Berlin und andere Influencer • Miesepeters

Pandas, Berlin und andere Influencer Mein ganz persönliches Fazit zum »Goldene Blogger 2017« Event

Am 29.01.2018 wurde der »Goldene Blogger« 2017 in Berlin verliehen. Hier ist mein ganz persönlicher Bericht über die wichtigsten Influencer, mampfende Pandas und meinen arg eingeschränkten Wortschatz – wenn es darauf ankommt.

Im Frühjahr 1989 schnappte mich mein Vater und setzte mich in einen unbequemen Bus. Reiseziel Berlin. Im KaDeWe bestaunten wir mit schmerzenden Knochen unzählige Dino-Riders-Spielfiguren und spätestens an der »Uhr der fließenden Zeit« drohte eine Reizüberflutung. Wenige Monate später fiel die Mauer. Berlin stellte für einen Kleinstadtjungen wie mich immer schon den Ort des Undenkbaren dar. Die Stadt, in der das Leben tobt und wo Geschichte geschrieben wird. Bei uns am Niederrhein knallen bereits die Sektkorken, wenn zwei grüne Ampeln hintereinander erwischt werden. Ihr wisst, was ich meine. Berlin gibt den Ton an.

Was sagt man in Berlin

2018. Ich stand mit Nadine vor einen Aufzug und wurde sichtlich nervös. Oben in der vierten Etage warteten die anderen Nominierten samt der Veranstalter der #GoldeneBlogger Verleihung. Meine Fähigkeiten hinsichtlich Smalltalk beschränken sich auf »Hi« und »Bier«. Zum Glück ist Nadine weitaus weniger auf den Mund gefallen und bot mir die Sicherheit, den Abend nickend und grinsend zu überstehen. Zur Erklärung: ich bin per se schon »socially awkward«, aber an dem Wochenende waren meine Gedanken erst recht woanders. Meine Mutter lag auf der Intensivstation mit miserablen Nierenwerten und einem viel zu schnell pochenden Herzen. Sie und ich diskutierten lange, ob ich überhaupt fahren sollte. »Bitte fahr, Oliver. Mach’ dir nicht so viele Sorgen«, sagte sie. Die Stationsschwester beruhigte mich, wiegte mich in Sicherheit. Kurz vor meiner Abreise schmierte ich meiner Mutter noch ein Butterbrot. In Berlin würde man Stulle sagen. Es war ihre erste Mahlzeit des Tages. Sie hatte in den vergangenen zwei, drei Tagen kaum etwas gegessen und ich war froh, dass sie endlich Appetit verspürte.

In der vierten Etage angekommen ging alles recht schnell. Zum Glück informierte ich mich vorab schon ausführlich über die Personen bzw. Blogger, die mir heute über den Weg laufen könnten. Ein paar bekannte Gesichter huschten an mir vorbei: Raul Krauthausen, Maria Sophie Hingst und Eva Schulz von Deutschland 3000. Daniel Fiene, Journalist und einer der Veranstalter, geleitete Nadine und mich direkt zu einem Interview mit dem TV. Totale Überforderung! Miesepeters im Fernsehen? Einfach so? War mein Hemd überhaupt gebügelt? Da reichte »Hi« und »Bier« bei weitem nicht.

Goldige Pandas und goldene Preise

Einen Tag vorher war alles viel einfacher. Da besuchten wir die Pandas im Berliner Zoo. Normalerweise schauten wir uns die flauschigen Purzelkugeln bislang nur via Instagram an. Aber zu dem Zeitpunkt trennten uns nur ein paar Meter. Männchen Jiao Qing fraß haufenweise Bambus und kümmerte sich nicht um die kreischenden Kinder, die von ihren Eltern an die Scheibe gedrängt wurden. Seelenruhig mampfte Panda Jiao Qing vor sich hin. Nach dem Zoo rief ich meine Mutter an, um nach ihrem Befinden zu fragen. Sie klang überraschend normal und ich wollte ihr eigentlich erzählen, wie sehr ich mir ein Haustier (genauer einen Panda) wünsche. Doch ich beließ es bei einem »Halt die Ohren steif«.

Von der vierten Etage ging es runter in den vorbereiteten Saal zur Verleihung der Goldenen Blogger 2017. Es gab Bier und somit hatte selbst ich keine Hemmnisse, ein Gespräch zu führen. Niemals hätte ich mit so vielen Leuten gerechnet und lernte großartige Menschen samt ihrer Projekte kennen, wie unter anderem »Tim schraubt Bass«. Einfach toll, was die anderen Nominierten hier präsentierten. In meiner Rubrik »Bester Nischen-Blog« wurde recht früh abgestimmt, doch mein Smartphone weigerte sich, Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Ohnehin hatte ich das Gefühl, dass Twitter das Werkzeug der Wahl gewesen wäre. Doch von Hashtags habe ich nach wie vor keine Ahnung. Ich wurde Dritter und Juna Grossmann mit ihrem Blog »Irgendwie Jüdisch« gewann mit großen Vorsprung, absolut verdient. Ein paar Tage vor der Reise nach Berlin malte ich mir noch aus, wie ich selbst die Auszeichnung mit nach Hause nehmen würde – aber in dem Moment war ich froh, dass ich überhaupt dabei sein durfte. Mit leeren Händen würde ich eh nicht heimgehen, man denke unter anderem an die vielen Eindrücke und unzähligen Panda-Fotos. Jiao Qing bedeutet übrigens »Schätzchen«. Klingt auch goldig.

Die wahren Influencer

Am Morgen nach der Verleihung geschah das Undenkbare. Nadine und ich kehrten vom Frühstück zurück ins Hotelzimmer, als ich drei verpasste Anrufe auf meinem Smartphone erkennen musste. Ich rief zurück. Meine Mutter verstarb um halb sechs in der Früh, Herzstillstand, teilte mir eine Stimme am anderen Ende der Leitung mit. An den genauen Wortlaut erinnere ich mich kaum, aber ich wurde gefragt, ob sie Organspender sei. Ich spürte für einen Augenblick nichts mehr, bis mich Nadines Arme fest umklammerten. Wie ein Rettungsring. Den hatte ich in diesem Moment auch bitter nötig.

Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen. Der Schutthaufen ist noch nicht abgetragen, aber es lichtet sich. Viele Stimmen berichteten über den grandiosen Abend (Einfach mal »Goldene Blogger« goggeln) und ich wägte lange ab, ob auch ich mich zu Wort melden sollte. Sehr persönlich, was innerhalb dieses Blogs bisher nicht meine Art war. Doch der Abend drehte sich um Influencer, eine Bezeichnung, welches Nadine ganz und gar nicht leiden kann. Aber es geht in diesem Fall ja um die Wortbedeutung. Eine Person, die aufgrund ihrer starken Präsenz und Einflusses ein hohes Ansehen genießt. Diese Zeilen widme ich Dir, Mama. Du fehlst mir.

Beitragsbild: Schlimme Berufe: YouTube-Star

Schlimme Berufe: YouTube-Star

Schlimme Berufe, die keiner ausüben will – zum Beispiel YouTube-Star. Nur Wahnsinnige wollen sich regelmäßig vor der reizüberfluteten Internet-Gemeinde blamieren, indem sie tanzen, singen oder Verpackungen aufreißen.

Über den bahnbrechenden Erfolg von YouTube-Stars erfuhr ich unerwartet durch entnervte Eltern. »Mein Kind verblödet! Es schaut sich stundenlang lang an, wie LeFloid und Felix von der Laden über ihre ersten Rennunfälle und Flammenwerfer-Einkäufe berichten. Letztendlich werden die Erziehungsberechtigten dazu genötigt, auf Veranstaltungen wie »Triff Deine YouTube-Stars« den Aufpasser zu spielen und albern Selfies zu machen. Ist ein Leben als YouTuber erstrebenswert? Zumindest scheint es sich finanziell zu lohnen. Sogenannte Influencer begeistern Sponsoren fast noch mehr als ihre Fans.

Schnelle Schnitte und 7 crazyhafte Möglichkeiten, Zeit und Geld zu verprassen

Aber erst einmal ein paar verdächtig wahr klingende Vorurteile, um das Phänomen YouTuber zu umschreiben. Wie bei den meisten medialen Darstellungen gibt es hier eine strikte Geschlechtertrennung. Männliche YouTube-Stars erkennt man daran, dass sie in der Gaming-Szene zuhause sind (oder waren) und jeden Satz mit »Alter« beginnen und beenden. »Alter, ihr werdet nicht glauben, was ich heute morgen im Badezimmer gefunden habe, Alter« wäre ein typischer Einleitungssatz eines YouTube-Beitrags mit dem crazyhaften Titel »Wie kann ich meine Freundin pranken Teil 392«. Crazyhaft. Auch das Wort lernte ich erst durch den Vlogger Julienco kennen.

Weibliche YouTuberinnen bedienen eher die Augentiere und reden gerne über Schminke und Klamotten. Beiträge wie »Das passiert wenn du 7 Tage das selbe Outfit trägst« wechseln sich mit »Mein Verlobter stylt mich« ab. Natürlich ist in den jeweiligen Profilen meist ein Shop zu finden, in denen man allerhand Zeug kaufen kann, was zuvor in den Videos beworben wurde. Im Gegensatz zu den männlichen Kollegen geht es statt um Spiele um Konsum; die meisten Beiträge werden mit einem affektierten Gruß eingeleitet (»Heeeeeey, Hello! Super, dass ihr dabei seid!!!!!«) und mit Werbehinweisen beendet (»Im Link unter dem Profil findet ihr meine Sponsoren, denen ich meine Jugend verkaufte.«)

15 Minuten Ruhm? 3:43 Minuten genügen

Belustigt denke ich an den Event zurück, als sich Angela Merkel von allgemein bekannten Stars der YouTube-Szene interviewen ließ. Was ging in den Köpfen der Meinungsmacher vor? »Heeeeey, Hello! Lasst uns einfach YouTuber einladen, dann wirken wir glaubhafter auf die Jugend!« kreischt der Redakteur und der Rest nickt lethargisch. Leider fehlten bei der Ausstrahlung die üblichen Einspieler, Comic-Effekte und hysterisch überzeichneten Emotionen, welche die sonst sehr trägen Zuschauer ansprechen sollen.

Kurzum: dieser Job ist selbst im Regierungsauftrag eine Zumutung. Billig produzierte Bedienungs- und Denkanleitungen für den Alltag, die ich mir auf dem Klo und in der Bahn anschauen kann – präsentiert von durchgestylten Teens, die auch nur auf der Suche nach ihren 15 Minuten Ruhm sind. Wobei die Dauer der einzelnen Clips deutlich darunter liegt. Verstehen kann und muss ich es nicht, aber ich gehöre auch nicht zur Zielgruppe. Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass abseits der Kamera andere Fragen statt »Was passierte nach meinem Coming-Out?« geklärt werden. Wie zum Beispiel: »Liegen meine Haare, Alter?«

Photo credit: Maik Meid on VisualHunt / CC BY-SA

Beitragsbild: Bunkazai Bōka

26. Januar: Bunkazai Bōka Richtig zündeln will gelernt sein. Wie man es sein lässt auch

Probleme, die die Welt nicht braucht

Jeder kennt das, man muss niesen, kramt mit den Händen verzweifelt nach einem Taschentuch – zu spät. Die kribbelnde Nase hat sich bereits mit einer gewaltigen Explosion entladen. Schnell noch einmal abgewischt, bevor jemand guckt – doch was ist das? Statt eines Taschentuchs hat man versehentlich einen Fetzten aus einem Werk von Vincent van Goch in der Hand, den man während des Niesens panikartig aus dem Gemälde gerissen hat. Hoppla.

Oder man nimmt sich ein bisschen Arbeit mit nach Hause, flaniert mit dem Roller die alte Straße entlang, die immer noch mit antikem Kopfsteinpflaster gepflastert ist. Vorbei an wunderschönen Villen aus der Gründerzeit, Jugendstil-Straßenlaternen hinter sich lassend und auch das ausgestopfte Mammut grüßend, das in der denkmalgeschützten Markthalle ausgestellt wird. Da flattert einem ein kleiner Schmetterling ins Gesicht. Der Roller überschlägt sich, man landet mit dem Gesicht auf dem Kopfsteinpflaster und die Gallone Nitroglyzerin, die man aus der Firma mitgenommen hatte, saust in hohem Bogen über einen hinweg, sich ebenfalls in Richtung Boden bewegend. Ups.

Oder man hat einfach vergessen den Wasserhahn auszudrehen, wohnt aber über dem Kölner Stadtarchiv und kommt erst in einigen Wochen, nach einer ausgedehnten Expedition zu den Galapagosinseln, bei der es zu erkunden gilt ob die darwinistische Evolutionstheorie heute überhaupt noch haltbar ist zurück. Au Backe.

Kommerzielle Mitläufer

Solche kleineren Peinlichkeiten können jederzeit passieren, gelten in der Gesellschaft aber als schwerer Fauxpas. Versicherungen leben davon. Chaostheoretiker schreiben darüber. Große Konzerne verklagen einen wegen des Imageschadens. Auch Adolf Freiherr von Knigge hat erfolglos versucht diese Fehltritte in geordnete Bahnen zu lenken. Geändert hat das alles nichts.

Die Lösung: Der Bunkazai Bōka

In Japan gehören solche Angelegenheiten seit 1955 der Vergangenheit an. Seit dem gibt es nämlich an jedem 26. Januar den Bunkazai Bōka. Dieser wurde vom Komitee zum Schutz von Kulturgütern eingeführt, nachdem irgend so ein alter Schuppen voller Dachpappe abgefackelt war. Übersetzt heißt Bunkazai Bōka so viel wie: »Tag des Brandschutzes für Kulturgüter«. Eine alles in allem, phänomenale und vor allem preisgünstige Erfindung. Mit so einem Tag ist man gegen jegliche Auswirkung von Erdbeben, Feuersbrünsten, Heuschreckenschwärmen, Phishing-Mails, Überschwemmungen und marodierenden Banden gefeit. Spätestens am Bunkazai Bōka werden all diese Kulturfeinde, Katastrophen und Aggressoren ein schlechtes Gewissen bekommen, den entstanden Schaden wieder gut machen und sich entschuldigen. Der deutsche Tag des Rauchmelders ist kein äquivalenter Ersatz für den Bunkazai Bōka, ja das Konzept dieses Tages wird von den meisten Deutschen überhaupt nicht verstanden (zumindest was die CDU betrifft). Daher ist es schade, dass Deutschland wieder einmal nicht mitzieht und den Bunkazai Bōka gesetzlich verankert. Vielleicht ja nächstes Jahr.

Beitragsbild: Neulich in der GroKo-WhatsApp-Gruppe

Neulich in der GroKo-WhatsApp-Gruppe

Wer davon ausgeht, dass Politiker heutzutage noch ihre Zeit im Bundestag verplempern, sollte umdenken. Wichtige Entscheidungen werden heutzutage über WhatsApp-Gruppen getroffen – wie zum Beispiel in der Gruppe »GroKo«.

September 2017 erkundigte sich ein Bürger beim SWR, warum der Bundestag häufig so leer sei. Die Antwort war zufriedenstellend, aber ausbaufähig. Abhängen im Bundestag ist einfach out. Wozu irgendwelchen Abgeordneten beim Durchwinken von Gesetzesentwürfen lauschen, wenn es viel einfacher geht? Slack, Trello und Whatsapp-Gruppen haben das Feld übernommen und die Politiker erfreuen sich an vulgären Emojis. Vorbei die Zeit der schwierigen Debatten, Sondersitzungen und Mic-Drops.

Was nur wenige Wähler ahnen: ihre mehr oder weniger gewählten Politiker haben sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe namens »GroKo«. In dieser Gruppe sind nicht die Aushängeschilder der möglichen Koalitionspartner SPD und CDU vertreten, sondern auch die typischen Vertreter der Opposition. Drei kurze Logs der Chats sind im Netz aufgetaucht, die an dieser Stelle präsentiert werden. Mehr Insiderwissen würde nur Teile der Bevölkerung beunruhigen. Diese Dokumente erscheinen wirr, entlarvend und vor allem ziellos – wie Diskussionen im Internet nun einmal sind. Vorhang auf!

Jamaika-Nachspiel

Özdemir: Wie lange soll das Theater noch gehen? Die Verlängerung ist lange vorbei.
Schulz: Mit uns wird es keine (weitere) Verlängerung geben!
Lindner: Digital erste Halbzeit, Bedenken zweite Halbzeit. ; )
Merkel: Wir werden gemeinsam an einer Lösung arbeiten.
Schulz: Der Schulzzug hatte jedenfalls nie Verspätung, liebe Genossinnen und Genossen.
Seehofer: Und ich kann nicht ewig den Libero machen.
Lindner: Wusstest ihr, dass Freddie Ljungberg auch mal für Calvin Klein Werbung machte? Außerdem lasse ich eh Jamaika platzen, ätsch.
Maas: Ich sage jetzt mal ein böses Wort: Merkeln. #stopptzensur
Gabriel: Kollege, es macht den Eindruck, als sei die GroKo etwas, wo man mitmacht, wenn es Geld gibt.
Wagenknecht: Stoppt Rüstungsexporte, startet Sondierungsgespräche! : D
Merkel: Ich muss ganz ehrlich sagen, wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir beim Merkeln ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Spiel.

Saftiges Sondieren

Özedmir: Herr Seehofer, nun hören Sie mal auf ständig Sprachnachrichten zu schicken.
Seehofer: Himme, Oarsch und Zwian! Ich komm immer auf die fslschen Tssten!
Wagenknecht: Gefragt sind keine warmen Worte, sondern neue und gut einstudierte Wahlversprechen, die Wähler auch erreichen. Gebt euch mal mehr Mühe, so kann die Opposition nicht arbeiten.
Seehofer: Tssten. TASTN. Ach, fu.
Gabriel: Seehofer und Lindner nerven halt rum. Und wenn Stegner so ein Gesicht zieht, kann ich mich nicht konzentrieren.
Lindner: Hey, Vorsicht. Ohne mich gäbe es diese Gruppe nicht einmal, lol.
Maas: Ich sage noch ein böses Wort: Neuwahlen. #notmybundeskanzler
Schulz: Dann würde ich endlich meine Revanche beim TV-Duell bekommen. Was sagen Sie dazu, Frau Merkel? ; )
Merkel: Das müssten wir noch einmal besonnen diskutieren. Die Grünen wissen wenigstens noch, wogegen sie sind. Bei der SPD ist nicht mal mehr das sicher.
Özdemir: Na dann weg mit der Braunkohle, aber dalli! Geht aber auch später, bin gleich weg zum Yoga. ^^
Wagenknecht: OMG! Macht mein Männlein auch. Und ist dabei stolz wie Oskar.
Lindner: Wollt ihr mich mal in Yoga-Hose sehen? Ich würde das Bild hier posten…
Seehofer: Konzentration! Politik ist jeden Tag ein Spießrutenlauf. Aber so langsam habe ich den Braten satt. Was machen wir nun?
Alice Weidel ist beigetreten
Schulz: WTF?!
Merkel: Wir schaffen das. : )

Chaotisches Koalieren

Gabriel: Das Journalisten-Pack nervt schon wieder. Die wollen verbindliche Aussagen, wann denn unsere Regierung steht. VERBINDLICH! Haha!
Wagenknecht: Ich schicke eben den Bartsch runter…
Weidel: Nicht nötig, der Bernd ist schon unterwegs.
Gabriel: Scheiße. :c
Weidel: Entschuldigung, ich meinte natürlich Björn.
Özdemir: Braunkohle, Bernd, Bullshit! Ich fordere die SPD und CDU dazu auf, endlich einen ordentlichen Koalitionsvertrag vorzulegen!
Wagenknecht: Frau Weidel, bevor Sie jetzt da rumstänkern, machen Sie erst einmal der Gruppe klar, dass Sie sich von Braunkohle und Björn distanzieren.
Alice Weidel hat die Gruppe verlassen
Lindner: Sorry für die Zwischenfrage: Aber ist Jamaika noch ein Thema? : )
Schulz: Ich werde keinen Koalitionsvertrag unterschreiben, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist.
Seehofer: Das ist ja leider schon längst durch, du Bockfotzngsicht.
Merkel: Es wird Koalitionsverhandlungen geben, aber manches muss noch ausbuchstabiert werden.
Schulz: Das mache ich gerne: B-Ü-R-G-E-R-V-E-R-S-I-C-H-E-R-U-N-G und O-B-E-R-G-R-E-N-Z-E.
Merkel: Wir werden eine verantwortliche Entscheidung treffen. Für eine GroKo, mit der wir gut und gerne leben.
Gabriel: Wenn die Zeit reif ist. ; )
Özdemir: Und die Diätenerhöhung durch ist.
Schulz: Aber bitte schnell, die Nahles macht sich schon warm. -.-
Maas: Diese Nachricht wurde gelöscht

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Beitragsbild: Phubbing - Wenn das Smartphone interessanter als der Partner ist

Phubbing – Wenn das Smartphone interessanter als der Partner ist

Gehörst du auch den zu den Leuten, die in einer Beziehung lieber auf ihr Smartphone als in die Augen des Partners schauen? Dann betreibst du sogenanntes Phubbing.

Streng genommen waren meine Eltern bereits Phubbing-Opfer. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, ist hier eine schnelle Erklärung: Phubbing setzt sich aus den Begriffen »phone« (Telefon) und »snubbing« (von to snub, grob übersetzt »brüskieren«) zusammen und wurde für eine Kampagne eines australischen Wörterbuchverlages kreiert. Solltest du somit lieber auf dein Smartphone starren, anstatt mit deinem Partner zu interagieren, betreibst du besagtes Phubbing. Selbstverständlich kenne ich solche Momente, nur hätte ich nie gedacht, dass sich irgendwer einen seltsam klingenden Begriff dazu ausdenkt. Klingt fast so dämlich wie Cuddling, Breadcrumbing oder Ghosting.

Old-School-Phubbing mit der Flimmerkiste

Zurück zu meinen Eltern. Wenn sie einen Raum betraten, wurde der Fernseher angeschaltet – sofern er nicht bereits lief. Nahezu alle Räumlichkeiten waren mit einem TV-Gerät ausgestattet, bis auf das stille Örtchen. Somit wurden sämtliche Unterhaltungen mit Einwürfen von Thomas Gottschalk, Ulrich Wickert und Karin Tietze-Ludwig geführt, als ob sie Teil der Familie wären. Nach dem Motto: »Essen ist fertich!« »Top, die Wette gilt!«

Selbst bei ernsten Themen wurde der Blick vom Fernseher kaum abgewandt. Mein Vater verfolgte konzentriert ein misslungenes Tor, während meine Mutter über meine ausbaufähigen Mathe-Noten schimpft. Ist das schon Phubbing? Ich denke schon. Heutzutage würde mein Vater vielleicht die Spielergebnisse in seiner App analysieren, während meine Mutter meine miserablen Mathefähigkeiten via Meme in einer Facebook-Gruppe kommentieren würde.

Schau mir auf das Smartphone, Kleines

Nun schimpfen die kommerziellen Medien natürlich auf diese Verhaltensweise und bringen selbst das alberne Jugendwort »Smombies« ins Spiel. Es soll gar ein Liebeskiller sein. Irgendwie offensichtlich. Wer lieber Katzenbilder scrollt, anstatt dem Partner in die Augen zu sehen, war aber vielleicht schon vorher scheiße. Möglicherweise bringt ein Smartphone diesen unangenehmen Charakterzug nur deutlicher zur Geltung. Schließlich handelt es sich meiner Meinung nach meist um reine Selbstgespräche bzw. narzisstisches Verhalten, wenn ich mich ausgiebig den »sozialen« Medien widme.

Was bietet das Smartphone, was eine Beziehung nicht immer bietet? Schnelle Aufmerksamkeit sowie Bestätigung. Du teilst ein Video von deinem Mittagessen und 29 Leute schreiben drunter, wie lecker es ausschaut. Wie soll da der Partner, der zumal davon kosten darf, in irgendeiner Form mithalten? Ich glaube, meine Mutter hätte sich bei manchem Kartoffelsalat ebenfalls mehr über ein Lob von Thomas Gottschalk gefreut, als wenn mein Vater mürrisch »Kann man essen« genuschelt hätte. Dennoch hatten meine Eltern etwas, was der heutigen Gesellschaft möglicherweise fehlt. Eine Fernbedienung mit einem Aus-Knopf. Die Flimmerkiste wurde abgeschaltet und meldete sich nicht via Push-Nachricht, wenn der nächste Promi auf der Couch Platz genommen hat. In solchem Momenten konnte mich nicht mal Rudi Carrells »Lass Dich überraschen« vor der Diskussion meiner Mathe-Noten retten.

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Dinge, die ich nicht verstehe: Bitcoins

Ich ertrage es nicht mehr! Seltsame Ausdrücke wie Blockchain, Kryptowährung und Bitcoins beherrschen die Medien. Dabei bin ich jetzt schon mit meinen Finanzen überfordert.

Eigentlich könnte dieser Text auch »Dinge, die ich nicht verstehe: cvfefe« oder »Dinge, die ich nicht verstehe: hyggelig« heißen. Diese zwei irren Buchstabenkombinationen waren Kandidaten für das Wort des Jahres 2017. Letztendlich ist es das »Jamaika-Aus« geworden. Der Eiertanz um die deutsche Regierungsbildung ist zweifelsohne preisverdächtig, doch ging mir ein anderes Thema deutlich mehr auf den Senkel: Der Hype um die Bitcoins.

Füllmaterial für das »Winterloch«: Bitcoins

Egal ob Spiegel, Focus oder YPS: sämtliche Medien berichten über Bitcoins, Kryptowährungen und Blockchains. Anfangs konnte ich die aufdringlich gestreuten Artikel noch ignorieren, bis irgendwann JEDER Verleger auf den Hype Train aufsprang. Wahrscheinlich wird selbst im Pferde-Lifestyle-Mag Wendy beschrieben, wie viele Shetlandponys man für einen Bitcoin kaufen kann. Die Flut an Artikeln zu dem Thema war (und ist) so gewaltig und unübersichtlich, dass mir jegliche Lust verging, mich überhaupt damit zu beschäftigen.

Bis gerade eben. Wenigstens einmal wollte ich voll informiert sein und jedes noch so absurde Hashtag (Was sollen #ethereum und #xrp sein??) verstehen. Naiv gab ich »I DON’T GET BITCOINS« in die Suchmaschine ein und wurde tatsächlich fündig. Eine zuvorkommende Webseite stellt eine »Erklärung für 5-jährige« zur Verfügung. Klang gut! Irgendwie will der Funke aber nicht überspringen. Das mag daran liegen, dass ich mir unmöglich eine typische Küchenkonversation vorstellen kann, in der es statt Netflix-Serien um Bitcoins gehen soll.

Mindestens so unsympathisch wie Payback-Punkte

Bereits an der Supermarktkasse winke ich entnervt ab, wenn ich nach Payback-Punkten gefragt werde. Und nun soll ich allen Ernstes Bitcoins in meinen Alltag lassen? Besonders anstrengend finde ich, dass es keine einheitliche Medienmeinung zu dem Thema gibt. Die einen Finanzexperten schreiben, dass es sich dabei um den größten Betrug aller Zeiten handeln soll, während die anderen die Blockchain als wegweisend feiern.

Zumal: wenn ich bereits teilweise überfordert bin, was sollen dann erst Personen machen, die gar nichts damit am Hut haben? Zum Beispiel meine Mutter. Die Folge wäre ein absurdes Gespräch. Man stelle sich an dieser Stelle eine robuste ältere Dame vor, die ein Smartphone mit einem Toaster verwechseln würde. Wahrscheinlich würde so ablaufen:

Ich: Schon gehört? Demnächst brauchst du deine Münzrollen nicht mehr zur Sparkasse bringen.
Mutter: Das ist gut, ich habe eh kein Papier mehr zum Rollen.
Ich: Bei Bitcoins brauchste die eh nicht mehr! Alles digital!
Mutter: Bei was? Nein, ich bin bei der Sparkasse. Weißt du doch!
Ich: Ne, Mudda. Das ist die kommende digitale Währung. Läuft demnächst alles über das Internet.
Mutter: Aber ich habe doch gar keinen Computer.
Ich: Aber ein Handy!
Mutter: Was? Handy? Habe ich eins?
Ich: Das Ding da in der Küche.
Mutter: Ach so. Das benutze ich doch kaum. Weißt du, es ging bisher auch irgendwie ohne.
Ich: Du hast eine gute Einstellung. Dieses digitale Zeug hat eh viele Nachteile.
Mutter: Ja? Was denn zum Beispiel?
Ich: Du brauchst zum Beispiel einen Toaster mit Internetzugang. Außerdem … kannst du mir ‘ner 10er leihen?

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