Neueste Artikel

Titel: Wie man den Valentinstag als Single überlebt

Wie man den Valentinstag (als Single) überlebt

Nach dem Valentinstag ist vor dem Valentinstag. Dieser Romantik-Zwang ist eine Zumutung für Paare, Singles und für den Geldbeutel.

Es gibt unendliche viele Gründe, den Valentinstag zu hassen. Nicht nur für Singles ist der 14. Februar jeden Jahres ein Grund daheim zu bleiben; auch Paare fühlen sich aufgrund der Erwartungen massiv unter Druck gesetzt. Angenommen, man sich erst zum Jahreswechsel auf einer Silvesterfeier kennengelernt, wie geht man anderthalb Monate später mit der aufgezwungenen Romantik um? Besonders junge Menschen scheuen die schnelle Verbindlichkeit. Was zuvor als was Lockeres ohne Pflichten betitelt wurde, droht nun durch den Valentinstag bierernst zu werden.

Romantik to-go

Und was machen Paare an diesem besonderen Tag? Richtig, ins Restaurant gehen. Für Singles bedeutet dieser Tag absolute Lieferando-Pflicht, sonst müssten die ganzen Turteltauben ausgehalten werden. Zumal die meisten Schuppen zu dieser Zeit gerne mal die Preise anziehen oder dein Lieblingsgericht durch irgendein blödsinniges Pärchenangebot ersetzen. Aus einer stinknormalen Currywurst wird so schnell eine Honeymoon-Wurst mit Zwiebeleheringen. Ist man selbst in der unglücklichen Lage, von der Partnerin oder vom Partner zum Essen eingeladen worden zu sein, empfiehlt sich die Variante »To-Go«. Wie wäre es mit einem romantischen Picknick im Park, wo ihr euch das fünfte Mal geküsst habt? Bei Minusgraden? Wenn zu unterkühlt wird, könnt ihr »Let’s get it on« von eurer Valentine’s Day Playlist abspielen.

Auch toll sind die längst Vergessenen, die Verflossenen. Jene Gestalten, von denen man nicht einmal zu Weihnachten einen Gruß erhält, denen aber kurz vorm Valentinstag einfällt, wie sehr sie dich vermissen. Meist fängt es harmlos an (»Wie geht’s Dir?«), doch schnell setzt die Nostalgie ein (»Wir waren toll zusammen.«), die im einseitigen Sexting endet (»Wir waren toll zusammen – im Bett!«) Ohne diese kalendarische Erinnerung an gegenwärtige oder ehemalige Beziehungen würde das nicht passieren. Da hilft wohl nur Ignorieren oder ein kommentarloses Bild vom neuen Partner.

Showdown am Valentinstag

Wenn alles funktioniert und sich alle Vorbereitungen auszahlen, sitzt man entspannt am Valentinstag daheim auf dem Sofa und kann die Paare dieser Welt vergessen. Kein Geknutsche oder Geturtel weit und breit, nur Du, Deine Snacks und die große weite Welt der Unterhaltungsmedien. Doch – nooooo! Die Streaming-Dienste haben lauter Film- und Serienvorschläge aus dem Bereich Romantic Comedy. Niemand mag romantische Komödien. Mann trifft Frau, beide stellen sich bescheuert an, es kommt Mann Nr. 2, Mann Nr. 1 heult, Mann Nr. 2 ist irgendwie ein Arsch, Frau ist verwirrt, Showdown an der Kirche, Mann Nr. 1 küsst Frau, Happy End. Klingt wie ein Horrorfilm, ist es aber nicht.

Statistisch gesehen trennen sich ja viele Paare kurz nach dem Valentinstag. Woran das wohl liegen mag? Wahrscheinlich ist es der Wunsch, im nächsten Jahr diesem Debakel aus dem Weg zu gehen. Dumm nur, dass dieser Gedanke im Laufe des Jahres abhanden kommt. Wer denkt schon als Single beim Flirten daran, dass man bei Erfolg eine Honeymoon-Currywurst serviert bekommt?

Titel: Lachen statt Schwanzvergleich

Lachen statt Schwanzvergleich

HARR HARR HARR! Lauter, länger, härter. Männer lachen sich gerne gegenseitig klein, um zu zeigen, dass sie ganze Kerle sind.

Männer müssen sich messen. Zumindest, wenn man an Klischees glaubt. Die bekannte Szene, in der zwei Kerle ihre Habseligkeiten vergleichen, wurde in meiner Jugend durch einen albernen Werbespot auf die Spitze getrieben. Im Spot sitzen sich zwei Schlipsträger gegenüber und hauen die Karten auf den Tisch: mein Haus, mein Auto, mein Boot. Die gezeigten Objekte müssen natürlich größer, teurer, geiler sein – keine Frage. Ist dieses Verhalten wirklich derart tief im männlichen Verhalten unter Geschlechtsgenossen verankert?

Als Mann muss ich an dieser Stelle gestehen: Ja, auch ich fühlte mich bereits unter Druck, gewisse Vergleiche anzustellen. Besonders Zahlen eigenen sich dafür hervorragend; aber vielleicht wurde ich auch schlicht und einfach in meiner Kindheit durch ausgiebiges Quartett-Spielen (»Mein Traktor wiegt mehr als Deiner!«) negativ beeinflusst. Aber in diesem Beitrag soll es primär gar nicht um die allgemeine Klärung dieses sonderbaren und leider oft typischen Männerverhaltens gehen, sondern viel mehr um die verstörende Art, wie manche Kerle miteinander lachen.

Beispiel von Männern, die gerne lachen / Goodfellas YouTube

Aufgefallen ist es mir zuletzt, als ich berufsbedingt auch einige Schlipsträger dabei beobachten musste, wie sie sich Nichtigkeiten aus dem Alltag um die Ohren hauten. Typischer Smalltalk eben, Urlaub, Essen und Kinder. Wie es in Gesprächen dieser Art üblich ist, brachte irgendwann mal einer aus Verlegenheit einen Spruch. Die Reaktion war ein übertriebenes Lachen, auffallend laut und gefühlt mindestens 10 Sekunden zu lange. Anstatt im Gespräch fortzufahren, wurde ebenfalls mit einem Lachanfall gekontert, der beinahe hysterisch wirkte.

Was dann folgte, wirkte auf Außenstehende wie mich bizarr: sämtliche Gesprächsteilnehmer schienen sich in ihrem Lachen übertönen zu wollen, geierten wie die Wilden mit weit aufgerissenen Augen und mit ausufernder Körpersprache um die Wette. Es machte den Eindruck, als wäre dies ein indirekter Machtkampf. Statt fliegender Fäuste gab es jedoch nur durch die Lachsalven fliegenden Speichel. Irgendwann beruhigt sich die Szenerie wieder und alle gingen wieder ihrer Arbeit nach. Im Laufe des Tages konnte ich keinen weiteren Lachkampf mehr beobachten.

Nun ist Lachen grundlegend nicht Schlechtes. Es ist sogar wünschenswert, wenn gewisse Situationen statt mit Geschrei und Aggression lachend bewältigt werden. Ich befürchte nur, dass sich konkurrierende Männer in einem verbalen Machtkampf stark anpassen, im oben besagten Beispiel war es ein kollektiver Lachanfall. Wahrscheinlich wäre es gegenteilig zu einem Messen gekommen, wenn einer zum Beispiel angefangen zu heulen. Ich wette, dass innerhalb weniger Sekunden alle Teilnehmer sich heulend in den Armen liegen und jeder Einzelne von sich behauptet, es am schwersten zu haben.

Vielleicht scheitern Männer deshalb auch bei Frauen, wenn sie aufgrund ihres Männerschnupfens Aufmerksamkeit und Fürsorge einfordern. Unter Geschlechtsgenossen könnte wenigstens die Fieberhöhe oder der Rotzausfluss verglichen werden. Wer dann den Kleinsten hat, wird verlacht. Die einzige Antwort darauf, die nicht auf einem Schlagabtausch basiert: Zurücklachen. Je lauter, desto besser. Man will ja gehört werden. Oh je, was haben die Quartette unserer Jugend nur angerichtet?

Titel: Wie man das fünfte Rad am Wagen ist, ohne zu nerven

Wie man das fünfte Rad am Wagen ist, ohne zu nerven

Drei sind eine/r zu viel. Wie man mit unangenehmen Treffen umgeht, zu der eine dritte Person eingeladen wurde.

Das letzte Wochenende war mal wieder fantastisch! Kaum ein Auge zugemacht, die ganze Nacht durchgetanzt, gelacht und mindestens drei Telefonnummern gesammelt! Du bist beliebt, angesagt wie ein Influencer und jeder möchte Deine Hand oder irgendein anderes Körperteil schütteln. Blöd nur, wenn Du Dich entscheiden musst. So viele Freundschaften, Bekanntschaften und Techtelmechtel, die alle unter einem Hut gebracht werden wollen. Das ist der Fluch Deines Ruhms. Du willst sie alle treffen, doch kannst Dich nicht vierteilen. Die einzige Lösung: die Meetings vereinen. Quasi eine Zoom-Meeting, welches offline stattfindet.

Störenfried am Platz

Diese Art Treffen haben bestimmt die meisten bereits erleben müssen. Du willst Deine(n) Freund(in) treffen, doch kurz davor bekommst Du eine Nachricht, ob es »okay« wäre, wenn Annika mitkommen könnte. Du hast noch nie von dieser Annika gehört, aber Dir wird versichert, dass sie auch voll »okay« sei. Höflich, wie Du bist, erklärst Du Dich einverstanden und kurz darauf sitzt Du im Café mit Deinem Kumpel/Deiner Kumpeline und … Annika. Man muss ihr jeden Insider erklären und sämtliche Peinlichkeiten aus Deiner Vergangenheit werden herausgekramt. Wenn sie nicht übertrieben laut auflacht, verbreitet sie fragwürdige Statements (»Ich sehe Deine Aura, sie ist grün«) – was Dich letztlich an Deinem Freundeskreis zweifeln lässt.

Deine Freundin bzw. Dein Freund hat die oben angesprochene Taktik angewandt: zwei Treffen an einem Nachmittag abgearbeitet. Der Tag ist gerettet, weil man abends schön Netflix bingen kann, ohne noch einmal vor die Türe zu müssen – ganz schön clever. Doch was ist, wenn man selbst in der Zwickmühle steckt, als Verstärkung zu einem solchen Date eingeladen zu werden? Man möchte ja nicht selbst das fünfte Rad am Wagen sein, denn wir wissen ja: drei sind eine/r zu viel. Doch es gibt Mittel und Wege, in solchen Gelegenheiten nicht wie ein Störenfried aufzutreten.

Verabredung vs. Zeitmanagement

Bei einer Verabredung solltest Du nicht am Platz festgeklebt sein. Gerade an öffentlichen Plätzen kannst Du Dich einfach mal zum Spaß an einen anderen Tisch setzen, um Deine Begleitung nicht mit Deiner Anwesenheit zu verstören. Beglücke auch andere Personengruppen mit Deinem Charme! Mit dieser Taktik gehst Du wahrscheinlich anderen (und fremden!) Personen mächtig auf die Nerven, aber das führt nicht zu dauerhaften Problemen mit Deinem Freund bzw. Deiner Freundin.

Alternativ kannst Du auch einfach selbst jemanden einladen. Ideal wäre eine Person, die ebenfalls niemand von den Anwesenden kennt, um die Awkardness ins Unermessliche zu steigern. Fragen wie »Woher kennt ihr euch?« und »Hattet ihr mal was miteinander?« unterbinden die unangenehmen Schweigemomente, die bei solchen Verabredungen vorkommen.

Dabei wollen wir aber nicht vergessen, wer uns diese Situation eingebrockt hat. Nur weil jemand den Zeitplan optimieren möchte, müssen zukünftige Verabredungen drunter leiden. Vielleicht ist es aus diesem Grund ratsam, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Plane Deine Dates mit diesem Hintergedanken! Schlage nur Treffen vor, bei denen maximal zwei Personen Sinn ergeben. Zum Beispiel ein Schachspiel, eine Radtour auf dem Tandem oder … heiraten.

Wie geht man Kollegen um, die einem zu nahe kommen?

Wie geht man Kollegen um, die einem zu nahe kommen?

Komme mir nicht zu nahe! Manche ignorieren den Wunsch nach einem gewissen Abstand, doch wie kann man sich dagegen wehren?

Jeder kennt diese eine Person unter den Kollegen, die einem beim Sprechen immer viel zu nahe kommt. Der coole Slang-Ausdruck für diese Personengruppe ist Space-Invaders. Auch ich habe eine Kollegin, die nichts von Distanz hält und sich nur wenige Zentimeter vor meinem Gesicht aufbaut, wenn sie mir von den neuesten Nichtigkeiten berichten will. Meistens verlasse ich mit Hilfe von flüchtigen Ausreden (»Muss mal pissen«) den Raum, aber eine dauerhafte Lösung stellt das nicht dar. Aus diesem Grund habe ich mir ein paar Gedanken gemacht, wie man sich gegen diese Leute wehrt.

Halte Dir etwas vor das Gesicht

Es kommt freilich auf den Beruf bzw. das Arbeitsumfeld an, aber im Büro ist gewiss schnell ein Ordner oder ein Stapel Kopierpapier zur Hand, um sich vor Spuckattacken und Mundgeruch zu schützen. Achte dabei nur auf eine größere Fläche des Schutzschildes, da ein Tacker wahrscheinlich wenig Erfolg verspricht. Behandele die Situation wie ein Poker-Spiel, lass Dir nicht in die Karten schauen und verdecke Dein Poker-Face!

Kommuniziere mit Körpersprache

Im besten Fall hat das Gegenüber keine Ahnung, was Du sagen willst, wenn Du Körpersprache einsetzt. In dieser Situation könntest Du frei erfundenen Gesten einsetzen; Hauptsache, Du nutzt ausschweifende Bewegungen, die enorm viel Platz einnehmen. Wenn alle Stricke reißen: der klassische Mittelfinger.

Gehe einen Schritt zurück oder setz Dich hin

Erinnerst Du Dich noch an diesen seltsamen Dance-Move von Michael Jackson, bei dem er sich weit nach vorne beugte? Versuche, diesen Schritt umzudrehen und Dich hinten zu lehnen, wenn das Gespräch zu brenzlig wird. Bei Gelingen entgeht zumindest der obere Teil Deines Körpers derart anstrengende Konversationen. Hast Du die Motorik eines Steins bleibt Dir die Möglichkeit, Dir eine Sitzgelegenheit zu suchen. Die Chance ist gegeben, dass sich der nervige Gesprächspartner ebenfalls hinsetzt. Nutze die Gelegenheit, um mit Deinem Drehstuhl in Sicherheit zu rollen.

STOP!

Die mächtige Handinnenfläche, weit ausgestreckt, ist wahrscheinlich als das universelle Stopp-Signal bekannt. In der Hoffnung, dass es ebenfalls auch vom Space Invader erkannt wird, kannst Du versuchen, eine gewisse Distanz zu wahren. Es ist das letzte Mittel, um selbst Ignoranten aus der persönlichen Bubble zu verweisen. Sicher bleibt Dir noch die Flucht aus dem Raum, aber man sich ja nicht immer im Klo einsperren.

Demotivationsfrage: »Ich kann keine Nachrichten mehr schauen, ohne zu verzweifeln«

»Ich kann keine Nachrichten mehr schauen, ohne zu verzweifeln«

Die Demotivationsfrage: Wie schaffe ich nur den Spagat zwischen Nachrichten-Overkill und vollkommener Ahnungslosigkeit?

Demotivationsfragen: Rhetorische Fragen, deren Antworten entmutigen aber zeitgleich erheitern können. Regelmäßig auf Miesepeters.

Punkt 20 Uhr geht das Licht aus

Kurz vor 20 Uhr werde ich nervös. Jeden verdammten Tag. Mein Fuß wippt nervtötend auf und ab, ich knibbel irgendwelche Dinge kaputt und ich laufe alle 30 Sekunden in einen anderen Raum. Das Drama zieht sich bis Punkt 20:00 Uhr, dann stoppe ich abrupt. Eine Frage dröhnt mir durch den Kopf: Was soll ich tun? Soll ich sie anschalten oder sie ignorieren? Versuchen, sie zu ignorieren? Meist gewinnt die Angst. Die Sorge, dass ich nicht Bescheid weiß, nicht mitreden kann oder die Welt ohne mein Zutun aus den Fugen gerät. Die Nachrichten. Krieg, Korruption und Koalitionen. Jeden Tag aufs Neue, jeden Tag zieht es mich runter. Meine Verzweiflung schäumt über, wenn sie am Ende auch noch Regen für den nächsten Tag ankündigen. Das muss aufhören. Doch wie soll ich informiert bleiben, wenn ich all diese Katastrophen ignoriere? – Kathi F. aus Bonn

Wie man Nachrichten umgeht

Es gibt diese süße Radio-Station, dessen Name mir gerade entfallen ist. Der Name spielt keine Rolle, vielmehr geht es um den Umgang mit den stündlichen Nachrichten. Anstatt über die üblichen Partypupser zu berichten, bringen sie ausschließlich positive Nachrichten. Meldungen wie »Rabatt bei Lieferando«, »Forscher entdecken neues Mittel gegen Dummheit« oder »Letzte Staffel Dschungelcamp« lenken vom Weltgeschehen ab. Einziger Wehrmutstropfen: die drei positiven Nachrichten sind auch die einzigen drei Meldungen täglich, nicht so wie die stündlichen Schocker, die sich dramatisch aufbauen.

Wenigstens haben Sie scheinbar die sozialen Medien noch nicht entdeckt, sodass Ihnen die schlimmsten aller Updates erspart bleiben – die Kommentare zu den Nachrichten. Seit etlichen Jahren wächst der Nachrichtenüberfluss wie ein unangenehmer Pickel. Man möchte ihn nicht, aber man kann nicht damit aufhören, an ihm herumzudrücken. In ihrem Fall wären möglicherweise einfache aber effektive Lösungen denkbar. Verstellen Sie sämtliche Uhren im Haushalt. Verstecken Sie Ihre Fernbedienung – oder besser: werfen sie das Teufelswerk aus dem Fenster. Sie haben Alexa? Kleben Sie sich Klebeband über das Mundwerk, damit Sie nicht in Versuchung geraten.

Sollte es Ihnen gelingen, die Nachrichten ohne Nebenwirkungen zu ignorieren, kommt die wirkliche Prüfung: Sie müssen vor den Menschen im Umfeld beweisen, dass sie wissen, wie der Hase läuft. Selbstbewusst und eloquent müssen Sie vor versammelter Mannschaft ausreichend geschultes Allgemeinwissen vorgaukeln. Aber es geht noch einfacher. Sie müssen einfach nur »Ja, das sehe ich auch so« sagen, sobald jemand die gestrigen Nachrichten kommentiert. Folgt ein leicht verstörter Blick, kontern Sie mit »War nur ein Witz«. Mit dieser Taktik sind Sie rhetorisch unangreifbar und können sich voll und ganz auf die nächste Herausforderung am Abend konzentrieren.

Update: Wie ich vom Kuchen befreit wurde

Update: Wie ich vom Kuchen befreit wurde

Wenn man quasi nicht mehr damit rechnet, geschehen noch Zeichen und Wunder. Ein Update zu der Kuchen-Situation, die meinen Arbeitsalltag erschwerte und mich zu ungewöhnlichen Methoden zwang.

Es geschehen noch Wunder. Ich hatte vor einiger Zeit über mein Ärgernis am Arbeitsplatz berichtet, weil ich regelmäßig trotz aller Einwände Kuchenstücke vor die Nase gesetzt bekomme. Was habe ich nicht alles versucht! Mein anfangs höfliches »Nein, danke« wurde scheinbar als Schüchternheit oder Scherz abgetan, sodass ich zu Notlügen wie : »Ich hole mir gleich ein Stück, vielen Dank« überging. Die Konsequenz: ich konnte zusehen, wie kommentarlos ein Teller mit Kuchen auf meinen Schreibtisch platziert wurde.

Blind vor Kuchenwut

Das Drama beschrieb ich wie gesagt im Text »Hört auf, mich mit Kuchen zu quälen«. Es sind seitdem etliche Monate ins Land gezogen. In meiner Not erklärte ich mich selbst zum Diabetiker, der zwar gerne die vor Sahne überschäumende Torte verschlingen würde, aber womöglich danach erblinden würde. Irgendwann gab ich auf, da all meine Versuche scheiterten. Das bedeutet nicht, dass ich in meiner Kuchenwut sämtliche vorgesetzte Stücke hasserfüllt herunter würgte, sondern sie permanent an Kollegen weitergab oder sie aus dem Fenster warf.

Vielleicht später – oder anders gesagt: Nie

Dann geschah das Unmögliche. An einem der letzten Kuchentage sprach eine Kollegin die Backfee in spe an: »Haben Sie Oliver gefragt, ob er ein Stück möchte? Vielleicht möchte er gar nicht«. Man mag es kaum glauben, statt einem Teller fand ich die besagte Backfee an meinem Schreibtisch vor. Sie fragte mit großen Augen, ob ich ein Stück möchte. Das war mein Moment! Das durfte ich nicht mit gespielter Höflichkeit ruinieren! Ich nahm allen Mut zusammen und sagte: »Das ist sehr lieb, aber danke nein. Vielleicht später, ok?«

Ja, Pustekuchen!

Ich war frei. Es fühlte sich an wie ein Lottogewinn, als ob ich den Mörder in einem TV-Krimi nach 5 Minuten nenne oder endlich Schwimmen gelernt hätte! Ich wollte tanzen und tat es auch – heimlich unter dem Tisch. Meine Moves wurden sicher nicht bemerkt, aber mein strahlendes Lächeln war für Eingeweihte zweifellos zu deuten. Warum erst eine andere Person einschreiten musste, um das Debakel um den Kuchen zu beenden, wird für mich unverständlich bleiben. Das Beste daran: seit diesem Moment werde ich gefragt. Erst heute noch! Ob jemand die fliegenden Kuchenstücke vermisst, die in gewissen Abständen aus unserem Fenster flogen? Ein weiteres Geheimnis, welches wohl nie gelüftet wird.

God of Chaos: Geht 2029 die Welt unter?

God of Chaos: Geht 2029 die Welt unter?

Könnte es 2029 ungemütlich werden? Der Asteroid God of Chaos kommt zu diesem Termin unserer Erde gefährlich nahe. Zeit für den Panik-Modus?

Wo seht ihr euch im Jahre 2029? Seid ihr dann endlich schuldenfrei? Midlife-Crisis? Frührente? Möglicherweise könnt ihr euch die Planung sparen. 2029 schaut der Asteroid, der mit seinem Namen problemlos als Metal-Band durchgehen könnte, bei uns vorbei: God of Chaos. Das Weltraum-Gestein, welches auch unter dem Namen Apophis bekannt ist, wird in fünf Jahren – genauer dem 13. April – gefährlich nahe uns unserer Erde vorbei rasen – nur 30.000 km von der Erdoberfläche entfernt.

Apophis geht auf Tuchfühlung

Zum Vergleich: typische Wettersatelliten sind deutlich höher unterwegs, ca. 36.000 km. Beunruhigend? Ein wenig. Aber die eifrigen Wissenschaftler der NASA kündigten bereits an, dass eine Kollision (mittlerweile) ausgeschlossen scheint. Vor einigen Jahren waren sie noch etwas kleinlauter. 2004 bestand noch eine Chance von 3%, dass unser letztes Stündlein geschlagen hat. Erst 2021 kam die befreiende Mitteilung, dass es ausgeschlossen erscheint. Aber ist es auch tatsächlich, also sicher SICHER unmöglich? Hmm.

Um sich ein Bild von dem möglichen Schaden zu machen: ein Einschlag des 350 Meter breiten Steinchens God of Chaos hätte die Wucht einer Atombombe – multipliziert mal 65.000. Autsch, da hilft auch kein Böllerverbot mehr. Gegenmaßnahmen hätten wir laut dem aktuellen Stand der Technik keine. Auch wenn uns Hollywood bereits xmal aufgezeigt hat, dass man gefährliche Asteroiden einfach weglasern oder in die Luft jagen könne, in der Realität hätten wir ein Spektakel, wie es nur die Dinosaurier kennen.

God of Chaos? Hauptsache, Lieferando liefert noch

Angenommen, die Welt würde am Abgrund stehen, gibt es doch einige Beispiele aus dem erwähnten Hollywood, die uns einen Umgang mit dem Final Showdown präsentieren. Allen voran der Film »Melancholia« von Lars von Trier; zwar geht es da um die Kollision mit einen ganzen Planeten, aber das Ergebnis ist genauso fatal. Wobei die meisten wahrscheinlich Streifen wie »Armageddon« oder »Deep Impact« kennen. Mein persönlicher Favorit ist »4:44 Last Day on Earth«. Hier geht es auch nicht direkt um einen Asteroiden, aber es werden die Absurditäten der letzten Stunden dermaßen bizarr dargestellt, dass ich beinahe vermute: Ja, genau so wird es kommen. In den verbleibenden Atemzügen wird es darum gehen, ob Lieferando noch liefert und ob man noch schnell eine Serie zu Ende bingen kann.

Womöglich geht die Welt 2029 nicht unter. Aber was wäre wenn? Würdet ihr sämtliche Kriegsbeile begraben? Endlich etwas umsetzen, was ihr schon lange auf der To-Do-Liste habt? Oder sogar einige Sachen einfach ad acta legen – wie das Kündigen des Fitness-Studio-Vertrags oder die nächste Steuererklärung? Eins ist sicher: auch wenn der God of Chaos Apophis 2029 nicht gefährlich wird, so wird er später noch einmal die Erde besuchen. Seine Tournee geht 2036 und 2068 weiter.

Titel: Dating für Introvertierte - geht das?

Dating für Introvertierte – geht das?

Introvertierte müssen nicht umgeben von Katzen alt werden! Eine Dating-App möchte gerne einsame Herzen zusammenbringen, aber geht der Plan auf?

Letztens doomscrollte ich gelangweilt und müde durch meine Instagram-App. Klar, passiert den Besten. Katzen, Pandas und Memes noch und nöcher, bis eine Werbeanzeige auftauchte: »Introvert Dating made easy. Find your Boo«. Freilich musste ich erst einmal googeln, was mit Boo genau gemeint sein soll. Ist das ein Jugendwort-Kandidat-des-Jahres für das Herzblatt, den Schwarm? Tatsächlich hat das wenig mit Ausbuhen oder dergleichen zu tun, es ist eine moderne Bezeichnung für den ausgelutschten Kosenamen Liebling.

Introvertierte erobern Herzen passiv

Dating für Introvertierte also. Die Unterschiede zum üblichen Dating (»Hallo, darf ich hier stehen?«) sind scheinbar so gewaltig, dass ein nigelnagelneues Netzwerk dafür erfunden werden musste. Wenn introvertierte Menschen sich durch Zurückhaltung und eine gewisse Passivität auszeichnen, dann sind die kontaktfreudigen NEXT! Personen wahrscheinlich wirklich bei Tinder und Co. aufgehoben. Nebenbei: woher wissen die, dass ich eher introvertiert bin?? Nur weil ich seit Jahren keine Selfies mehr poste? Frechheit.

Zugegeben: neugierig bin ich schon. Nicht, weil ich Bock aufs Dating-Drama habe, sondern ob die Unterschiede zu meiner damaligen Tinder-Eskapade spürbar sind. Wenn die Boo-Nutzer sich nicht nur gerne als introvertierte Personen bezeichnen, sondern wirklich deren Merkmale haben, könnte ein Austausch interessant werden. Es würde wahrscheinlich Wochen dauern, bis jemand ein mutiges »Hi« abschickt, direkt darauf folgt eine Entschuldigung »Sorry, wollte nicht stören oder Druck ausüben, haha. Alles gut, antworte wenn es Dir passt, aber hey, kein Zwang, Zwinkersmiley.«.

Immer noch besser als Telefonieren

Kommt ein Gespräch wider Erwarten doch ins Rollen, so hat die App den entscheidenden Vorteil, dass voraussichtlich der Chat das zentrale Kommunikationsmittel ist. Introvertierte hassen Telefonieren oder Gespräche im real life. Einfach jemanden ansprechen, weil man aufmerksam wurde? Im Leben nicht. Jede abgeschickte Nachricht in einem Messenger hat den Vorteil, sich notfalls raus reden zu können. »Oh, die Nachricht war nicht an Dich, haha« oder der ultimative Fluchtweg, die Blockieren-Funktion.

Ich habe meine Zweifel an diesem Boo-Netzwerk. Denn eins haben all die Introvertierten dieser Welt gemeinsam: sie hassen Dating. Warum sollten sie also eine App dafür installieren? Es scheint eher eine Einladung für all die verblendeten Persönlichkeiten zu sein, die sich gerne als etwas sehen, was sie nicht sind. Wie die meisten Leute, die sich selbst unrealistisch einschätzen. Ihr kennt das; die nervtötende Person, die sich selbst als humorvoll bezeichnet und den Unterhaltungsfaktor eines Furzkissens hat. Aber hey, sollten sich mit Boo zwei Seelen finden und sich gegen die extrovertierten Blender durchsetzen – ich singe und tanze auf eurer Hochzeit.

Titel: Radio killed the Radio Star

Streaming killed the Radio Star

Think positve! Schwierig, wenn man das Radio einschaltet und sich die Playlist gönnt. Dabei könnte es insgesamt positiver klingen, wenn man es wie Dolly Parton macht.

Fragt mich nicht wieso, aber ich füllte meine Playlist in den vergangenen Wochen mit jede Menge Oldies, wie »Orange Colored Sky« oder »Straighten Up And Fly Right«. Beim Hören begeisterte mich, dass die Aussagen der Lyrics oft simpel und trotz aller Wortspiele positiv wirkten. Es geht natürlich meist um Herzensangelegenheiten, sprich Sehnsucht oder Herzschmerz. Doch selbst beim Besingen des gebrochenen Herzens darf es ruhig ein wenig Doo Wop oder Swing sein, sodass ich kaum stillsitzen konnte.

Radio deprimiert mich

Schau ich mich heutzutage in der Musiklandschaft um, geht es merklich anders zu. Nehmen wir zum Beispiel die gängige Playlist einer jeden Radiostation in diesem Land. Selbst vermeintlich positiv gestimmte Songs wie »Zukunft Pink« von Peter Fox teilt gegen Elon Musk aus, indem es heißt: F… dein Mars-Projekt, scheißkalt und arschweit weg. Ich frage mich: Waren Songs früher positiver? Leichtfüßiger? Oder war die Welt einfacher?

Die einfache und direkt einleuchtende Antwort wäre wahrscheinlich … ja? Früher gab es nun einmal keinen Porno-Rap oder Blackmetal. An dieser Stelle möchte ich die typische Diskussion »Alte Musik« vs. »Neue Musik« vermeiden. Stairway To Heaven gegen Gangnam Style! Smells Like Teen Spirit gegen Hyper Hyper! Wie lässt sich das vergleichen? Keine Chance. Stattdessen suchte ich bei Musikern, die bereits etliche Jahre im Business sind, nach einer besseren Antwort: Dolly Parton. Ja, die US-Country Sängerin mit der Frisur, jeder kennt mindestens einen Song von ihr. I Will Always Love You, bekannt geworden durch Whitney Houston.

Dolly Parton hat es raus

Forscher an der Wilfried Laurier University (Kanada) haben das Schaffen von Dolly Parton analysiert, besprochen und ihre Ergebnisse veröffentlicht. Immerhin mussten dafür über 60 Jahre Musik-Karriere durchleuchtet werden. Tatsächlich lässt sich zusammengefasst sagen, dass sie trotz aller Strömungen und Änderungen im Geschäft sich selbst treu geblieben ist. Selbst deprimierende Themen wie Depressionen, Suizid etc. präsentiert sie mit ihrer eigenen Art; ihre beschreibenden Worte sind trotz der Thematik hoffnungsvoll und demzufolge positiv. Das lässt sich kaum über ihre Kollegen und Kolleginnen in diesem Genre sagen. Wie in den meisten Stilrichtungen auch wurde selbst der Ton in der stilisierten Countrywelt rauer.

Und welcher deutsche Musiker kann das schon über sich behaupten? Wer ist überhaupt so lange im Geschäft? Heino. Selbst er coverte vor einiger Zeit populäre Songs, um irgendwie den Johnny-Cash-Effekt zu imitieren. Positive Aussagen überwiegen auf diesem Album nicht: »Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein«, »Fuck it all, wie soll es weitergehen?« oder »No, this is not a love song«. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Dolly Parton Kanye West oder Billy Eilish covert. Aber vielleicht lausche ich in Zukunft lieber meiner Playlist als dem Radiogedudel. Flash, bam, alakazam!

Titel: Gebt mir echten Content

Gebt mir echten Content

Sie schimpfen sich Gronkh, Paluten oder Pamela Reif. Diese Content-Creator zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie eins mit Sicherheit niemals schaffen: mich zu überraschen.

Niemanden brauche ich zu erklären, dass die Zeiten der großen TV-Unterhaltung vorbei sind. Längst überholt ist die große Show am Samstagabend, bei der sich die ganze Familie auf dem Sofa tummelt, um Gottschalk beim Hände schütteln zu beobachten oder sich zu fragen: Verstehen Sie Spaß? Sogenannte Content-Creator haben diesen Bereich an sich gerissen. Ob Pranks, Gaming oder Hot-Tub-Show, die neue Form der Unterhaltung verzichtet auf Beifall, Stand-Up oder Prominente.

Content aus der Küche

Die neuen Macher, auch als Influencer bekannt, können ihren Content aus der Küche verbreiten. Sie brauchen weder ein Studio, Show-Acts, geladenes Publikum noch irgendwelche Knebelverträge – es sei denn, sie wollen mit dämlichen Produktplatzierungen nebenbei Geld verdienen. Man kommt kaum an ihnen vorbei. Aus diesem Grunde konsumierte ich den einen oder anderen Inhalt der bekanntesten Kanäle – und – was soll ich sagen? Meine Enttäuschung ist groß.

Kurzer Blick zurück: Vor einigen Jahren existierten sogenannte »Offene Kanäle«. Meist lokale Fernsehanstalten, die mit Content von Bürgern versorgt wurden. Es gab zum Beispiel wunderbar absurde Talkrunden oder ambitionierte Dokumentationen über die beliebtesten Straßenbahn-Strecken. Ich vermisse diese kreativen Experimente, mit denen zwar mehr oder weniger bekannte Formate imitiert wurden, aber durch ihre exzentrische Darstellung Charakter zeigte. Selbst die ödesten Städte wirkten auf einmal lebendig – dank ihrer Bürger.

Bitte mehr Chaos

Heutzutage hat jedermann die Möglichkeit via Social Media, YouTube oder Twitch live ihre kreativen Einfälle zu präsentieren. Doch leider ist die Praxis weitaus unspektakulärer als die damaligen Sendungen auf den offenen Kanälen. Stattdessen werden stets die gleichen Formeln übernommen, sei es die Art und Weise der Präsentation oder Inhalte. Wenn Montana Black im Hintergrund 20 Neonröhren leuchten hat, werden die nächsten Streamer definitiv auch genauso viele Neonröhren zeigen. Hat Gronkh ein Kanal-Intro mit Musik, werden die nächsten Klicks zu Influencern führen, die das kopieren.

Das Gleiche gilt für Podcast-Formate. Wobei da auch die großen Medien kräftig mitmischen. Die Formel der zwei Semi-Prominenten, welche über den Unsinn der Woche debattieren, wurde mittlerweile so oft verwendet, dass ich sie kaum auseinanderhalten kann. Es ist schade, dass die vielen Möglichkeiten ungenutzt bleiben. Ich würde mir mehr Mut wünschen, mehr Chaos! Statt Wert auf die perfekte Ausleuchtung zu legen, würde ich mir Content wünschen, der nicht das bekannte aus der Medienwelt kopiert. Vielleicht ist auf dem Weg zur permanenten Selbstdarstellung aber auch die Kreativität abhanden gekommen.