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Es wird Arschlöcher geben

Ob in der Politik, den Medien, der Wirtschaft oder im Umfeld – du kannst es drehen und wenden, wie du willst: Arschlöcher sind unvermeidbar und leider allgegenwärtig.

Ein kleines Beruhigungsmittel in Textform an mich selbst: du kannst es drehen und wenden, wie du möchtest – es wird immer und überall ein absolutes Arschloch geben. Es wird dir ins Gesicht lügen und schlimmstenfalls nehmen, was dir lieb ist. Vielleicht reißt es dir gar das Herz raus und hinterlässt bleibende Schäden. Egoismus ist eine Motivation, nicht selten der Treibstoff; es macht ein solches Arschloch aus. Solche Gestalten sind selbstsüchtig, rücksichtslos, habgierig, träge und weisen letztlich jede Verantwortung von sich. Zugeben, dieser Absatz liest sich, als hätte ich ordentlich eins auf die Mütze bekommen. Als ob ich in Selbstmitleid zerfließen würde und die Gelegenheit nutzen möchte, ordentlich Frust abzulassen. Teilweise richtig. Zusätzlich ziehen mich die Erzählungen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis runter, die zwangsläufig auch an Arschlöcher geraten sind. Wie geschrieben, diese Zeilen sollen eine Art friendly reminder darstellen. Sie werden jedem begegnen, aber alleine diese Erkenntnis kann deren Einfluss schwächen.

Als ob es eine Fabrik für diese Idioten gäbe

Es wird immer einen geben, der Dir die Vorfahrt nimmt. Jemanden, der die letzte Klorolle verbraucht ohne aufzufüllen. Einen Incel, der alle Frauen bis auf Mutti für sein Scheitern verurteilt. Arme Gestalten, die nichts außer ihrer Heimat nennen wollen, auf das sie stolz sind. Die ihr Handy zücken, wenn Andere ums blanke Überleben kämpfen. Ungeduldige, die nicht am Bahngleis nicht warten können, bis andere Fahrgäste ausgestiegen sind. Gewissenlose Monster, die in der Werbung oder im Bankgewerbe arbeiten. Natürlich auch solche, die ihren Müll unbekümmert auf den Boden werfen. Spießbürger, die sich aus Prinzip über ihre Nachbarn beschweren. Die niemanden aussprechen lassen. Arschlöcher, die das Ende des Buches oder Films spoilern und sich darüber freuen. Oder solche, die sich selbst an ihren Facebook-Kommentaren aufgeilen. Trottel, die dir vorschreiben wollen, was du zu tun hast – oder zu denken. Die dich nur nach deinem Befinden fragen, damit sie über sich selbst reden können.

Nachschub garantiert – aber es gibt Hoffnung

Die schlechte Nachricht zuerst: Ja, du wirst sie allesamt kennenlernen und sie werden dir ordentlich auf den Zeiger gehen. Doch es gibt auch einen kleinen Lichtblick. Du kannst dich auf solche Begegnungen innerlich vorbereiten,  die Nachwirkungen müssen demzufolge bei weitem nicht so dramatisch sein. Vielleicht hilft es, wie Ai Weiwei mit ausgestrecktem Mittelfinger und einem satten »Du-mich-auch« Feeling durch die Weltgeschichte zu stolzieren. Oder wenn du jedes Zucken eines Arschlochs belächelst und ignorierst, denn schließlich findet jeder Albtraum ein Ende. Nimm es nicht persönlich. Baue Distanz auf,  ernsthaft: du musst nicht dauerhaft im selben Raum wie dieses Ungeheuer abhängen. Ist das Arschloch zu stark, suche dir Verbündete. Wechsel nicht auf das Niveau des Idioten, bleib du selbst. Streiche es aus deinem Leben und mache weiter. Moment … habe ich gerade eine  kurze Anleitung verfasst, wie man zum egoistischen, psychopathischen und mobbenden Vollarsch wird?

Photo credit: Luis Marina on Visual Hunt / CC BY

Beitragsbild: »Denk mal drüber nach« waren seine letzten Worte

»Denk mal drüber nach« waren seine letzten Worte

Gerne werden Diskussionen im Web mit Kraftausdrücken und seltsamen Formulierungen geschmückt. Fantastisch ist zum Beispiel die Aufforderung »Denk mal drüber nach« – der verzweifelte Versuch, das Gegenüber bei hitzigen Wortgefechten zu beschwichtigen.

Oder ihre letzten Worte. Für die folgende Story absolut schnuppe. Neulich bestaunte ich einen Eklat in einer Facebook-Gruppe, zu dem Popcorn gut gepasst hätte. Die Emotionen kochten über und einige der Namen beteiligten sich eifrig, ungezähmt – und vor allem unaufgefordert. Kennt man alles.  Dafür gibt es schon lange ein Wort, welches wortwörtlich übersetzt höchst unangenehm klingt: Shitstorm. Wieso und weshalb es jedoch zur gemeinschaftlichen Empörung im Netz kam, soll an dieser Stelle eine untergeordnete Rolle spielen. Was mich beim Lesen der aufgewühlten Statements weitaus mehr faszinierte war eine abschließende Formulierung, die erstaunlich oft genutzt wurde. Denk mal drüber nach. Ein gezogener »Schlussstrich«, ein signalisierendes »Basta« oder eine Drohung, dass die »Schotten dicht gemacht« wurden. Denk mal drüber nach. Das ultimative Fazit, dem nichts mehr hinzuzufügen ist, Widerrede vom Absender unerwünscht.

Eine andere Umschreibung für »Ich habe recht«

Absurd. Jemand drängt mir unaufgefordert eine Meinung auf und ich soll mich folglich damit im stillen Kämmerlein auseinandersetzen? Okay, ausnahmsweise. Denke ich halt mal darüber nach. Bin sogar mittendrin. Wobei ich stark vermute, dass die Aufforderung eher eine Umschreibung für »Schnauze! Ich habe recht!« darstellen soll. Ich stelle mir vor, wie ein solches Verhalten offline funktionieren könnte. Debatten werden erfahrungsgemäß gerne in Küchen und sonstigen Orten der Völlerei geführt – mit einem Getränk in der Hand. Ein Anwesender verschätzt sich maßlos und spuckt auf dem Tiefkühlschrank lehnend seine kontroverse Meinung aus: Ananas auf der Pizza ist voll in Ordnung! Denk mal drüber nach!

Die Menge schweigt und vereinzelt schämt sich jemand etwas fremd. Nicht unbedingt, weil sie im inneren Monolog die Existenz von Ananasstückchen auf ihrem Lieblingskaterfrühstück debattieren sondern weil sie sich wünschten, sie hätten diesen Unfug nie gehört.

Selbstgespräch mit Stoppschild

Stelle sich einer vor, dass diese rhetorische Nullnummer in der Politik ihren Einsatz findet! Eine Diätenerhöhung ist voll und ganz angebracht, da Politiker ebenso voll und ganz dahinter stehen. Denk doch mal darüber nach!

Die einen übernehmen das Denken, die anderen das Reden. Besonders in besagten Facebook-Gruppen wird hinsichtlich des Denkens scheinbar eine Art Outsourcing betrieben. Diskussionen über digitale Kanäle sind mühselig, da sie eigentlich mehr einem Selbstgespräch denn einem Dialog gleichen. Meinung hin oder her, Statements werden häufig spontan und ohne große Überlegung ins Netz geworfen. Besonders wenn ein ordentlicher Schuss Weißglut als Treibstoff für die Meinungsäußerung dient, möchte man ein »Ja, aber …« weder hören noch lesen. DENK MAL DRÜBER NACH ist somit ein Stoppschild für all jene, die noch ein Argument in petto haben. Lass es stecken, sondern denke mal drüber nach. Worüber auch immer. Zum Beispiel, dass man sich Diskussionen im Web schenken könnte … schließlich sind sie nur halb so schlimm wie Ananas auf ‘ner Pizza.

Photo credit: Matt From London on VisualHunt.com / CC BY
Beitragsbild: Wenn andere Leute deine Musik scheiße finden

Wenn andere Leute deine Musik scheiße finden

Danke, danke, danke! Ich kann Dir nicht genug danken, verehrter Erfinder des Kopfhörers. Ohne Dein Geschenk wäre die Welt ein ziemlich lauter, ein unerträglicher Ort. Nicht auszudenken, wenn ich mir jede Lärmbelästigung, die manche ernsthaft »Musik« nennen, antun müsste!

Eigentlich wollte ich Robert loben. Dufter Kerl! Ruhige Erscheinung, gibt ab und zu eine Fassbrause aus, total vertrauenswürdig. Geht selbst mitten in der Nacht nie bei Rot über die Straße, ein Ehrenmann, ein Bro-Bert! Ich persönlich hätte Robert mein Facebook-Passwort anvertraut, meinen Erstgeborenen nach ihm benannt oder wenigstens seinen Namen als Tattoo getragen. Aber so sollte es nie kommen, da ich mich massiv in ihm täuschte. Dieser Mann hört frei von jeder Ironie Ed Sheeran. Ich wiederhole: ED SHEERAN.

Über Geschmack lässt sich (nicht) streiten

Konnte ja auch niemand ahnen, dass Robert einen so beschissenen Musikgeschmack hat. Spätestens als er mit den Worten drohte »Ich muss dir ein Lied vorspielen – das wirst du lieben!«, hätte ich ohne zu Zögern aufstehen und gehen sollen. Wegrennen, laut LALALALA trällern und dabei die Lauscher zuhalten. Stattdessen grinste ich verzweifelt und lauschte qualvoll irgendeinem Lärm seiner Playlist, die er »Get pumped« betitelte. Währenddessen fragte er, ob ich es auch »so geil« fände, als ob uns eine Zeitmaschine zurück in die 90er verfrachtet hätte. Resignierend nickte ich und schwieg weiter. Affengeil, dachte ich und … Get fucked, Robert.

Geteiltes Leid ist nicht immer halbes Leid

Klingt vielleicht übertrieben, aber gewiss ist die Situation nicht unbekannt. Ein Freund, Bekannter oder was auch immer textet »Hör mal rein! Könnte Dir auch gefallen« und schickt einen YouTube Link mit einem so furchtbaren Musiktitel, dass du dir am liebsten wie Van Gogh ein Ohr abschnibbeln würdest. Solche quälenden Vorschläge kann man ignorieren oder am besten direkt blockieren. Schlimmer ist es, wenn die Quälgeister in deiner Gegenwart ihr Handy zücken. Alleine das Scrollen in den Playlisten löst nervöses Augenzucken beim Opfer aus. Aus Höflichkeit sagt man direkt nach dem ersten Takten etwas Blödes wie »Ja, nich schlächt. Mussich späta nomma hörn« oder schweigt, bis das Schlimmste vorbei ist. Wie bei dem Beispiel von eben. Wieso überkommt uns der Drang, andere mit unserem Geschmack zu überzeugen?Anzustecken? Sind die Roberts dieser Welt erst happy, wenn alle seine Playlist teilen und Ed Sheeran summen?

Intime Geschmacksrichtungen

Vielleicht hätte ich mir bei Robert die Mühe machen sollen und ihn direkt nach seinen Lieblingsliedern fragen sollten – aber hey! Musik ist eine intime Angelegenheit. Die Plattensammlung meiner Jugend war geradezu heilig und nur jene Personen, die ich persönlich auserkoren (sprich eingeladen) habe, durften einen flüchtigen Blick drüber werfen. Nicht zu viele Fragen stellen, sondern einfach gut finden. Meine Platten von The Smiths und My Bloody Valentine machten mich stolz; gaben mir das Gefühl, der Vinyl-Halbgott mit einem unerschöpflichen Pool an Trivia zu sein. Wusstet ihr, dass Kurt Cobain zwar aus der High School geschmissen wurde, aber kurz darauf an derselben Schule als Hausmeister arbeitete? Egal. Aus Höflichkeit hat niemand über meine Scheiben gemeckert. Logisch, sonst hätte ich sie auch achtkantig raus geworfen.

Heute? Internet killed intimacy, sodass dir jeder Schelm seine Lieblingslieder ungebeten um die Ohren haut. Sei es online (Facebook, WhatsApp, Playlisten) oder offline (verflixte Bluetooth-Boxen). Niemand, ich wiederhole, NIEMAND fragte dich nach deinem derzeitigen Lieblingslied, unbekannter Facebook-Nutzer. Natürlich muss es niemand anklicken oder gar anhören, aber es droht alleine vom Lesen eine üble Ohrwurm-Gefahr. Ich sag nur »Barbie Girl«. Ist der Songtitel erst einmal gelesen, so startet das Autoplay in deinen grauen Zellen.

Köpfhörer und Musiktitel-Ping-Pong

Gesegnet sei der Erfinder des Kopfhörers! Anfang Juli 2019 feiert der mittlerweile ausgediente Walkman seinen 40. Geburtstag. Musik zum Mitnehmen, super! Doch das Beste: nur du selbst musst/kannst es hören. Was für wundervolle Zeiten. Da können Typen wie Robert zu sämtlichen Gassenhauern der Gruppe PUR im Takt klatschen und direkt im Anschluss zu den messerscharfen Beats des Wu-Tang Clans cruisen. Mir scheißegal, denn ich muss es ja nicht hören.

Abschließend möchte ich meine Wut auf Robert genauer erklären. Beim Lesen der oberen Zeilen könnte der empörte Leser sich fragen, warum mich das so aufregt. »Sag Bro-Bert doch einfach, dass er die Scheiße ausmachen soll, fertig!« Aber so einfach ist es nicht. Jedes Mal, wenn er mich mit seinen grausigen Songs zuballert, vergesse ich meine Prinzipien und tappe stets in die gleiche Falle. Zwar ist mir die Dämlichkeit der Situation bewusst und never ever möchte ich dieses Spielchen mitmachen. Doch was mache ich? Natürlich zücke ich nach wenigen Takten Ed Sheeran mein eigenes Handy und scrolle hastig durch meine Playlist. Voller Scham höre ich mich sagen: »Warte, Alter. Ich habe hier auch einen Song für Dich«. Und wenige Sekunden später gröhlen wir gemeinsam Come on, Barbie! Let’s go party!

Bild: Pixabay

Beitragsbild: Es muss nicht immer Kevin oder Mandy sein Filmrezension »Der Vorname«

Es muss nicht immer Kevin oder Mandy sein Filmrezension »Der Vorname«

Über den aktuellen Film »Der Vorname« (2018) von Sönke Wortmann mit Christoph Maria Herbst, Iris Berben, Florian David Fitz und Caroline Peters – übrigens ein guter Name! Doch in diesem Film geht es offensichtlich um Vornamen

Laut einer Studie aus dem Jahr 2011 sind die Deutschen eine humorlose Nation. Wir sind weder lustig, noch verstehen wir irgendwelche Witze. Während anderswo regelmäßig neuartige Comedy-Formate entstanden, feierten wir Comedians in rosa Joggern, Hausmeisterkitteln oder mit pudelhaften Perücken – bis heute! Gilt das auch für das Kino? Ist die Komödie »Made in Germany« tot? Mitnichten. Vor kurzem feierte der Kultfilm »Bang Boom Bang« ein saftiges Jubiläum. Der Streifen straight outta Unna läuft seit 1.000 (!) Wochen im UCI Bochum.

Kann die deutsche Komödie »Der Vorname« (2018) was?

Nur ist das leider schon etwas her, als die deutschen Filmmacher sich trauten, eine Komödie ohne Til Schweiger ins Kino zu bringen. Schade eigentlich. Umso niedriger war meine Erwartungshaltung, als ich den neuen Film vom Sönke Wortmann mit dem Titel »Der Vorname« sehen durfte. Zwar hat das Regie-Urgestein einige großartige Klassiker wie »Kleine Haie« und »Das Wunder von Bern« auf die Leinwand gebracht, aber mochte mich die Komödie mit Humor-Aushängeschild Christoph Maria Herbst und Wunschschwiegersohn Florian David Fitz auf dem Papier weniger reizen. Voreilig gemiesepetert!

Für den vollen Genuss: Spoiler meiden!

Der Film »Der Vorname« basiert auf einem Theaterstück der Messieurs Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte. Bereits 2012 gab es eine französische Verfilmung, die auch in deutschen Programmkinos lief. Sönke Wortmann schafft es mit seiner Neuverfilmung, aktuelle Strömungen und Themen, die unsere Nachrichten und Kaffeepausen beherrschen, zielsicher und gekonnt einzubauen. Ich hätte nie gedacht, dass mich eine deutsche Komödie mal wieder zum Lachen bringen kann, aber das schaffte »Der Vorname« mehr als einmal. Des Weiteren hatte ich einen großen Vorteil während der Vorstellung: ich hatte keine Ahnung, worum es in dem Stück/Film geht. Aus diesem Grund empfehle ich jedem, der sich für »Der Vorname« von Sönke Wortmann interessiert, von Spoilern und Trailern großzügig Abstand zu halten. Je weniger man weiß, desto besser. Macht es am besten wie bei neuen Folgen von Game of Thrones: Facebook meiden, nicht mehr mit Mitmenschen sprechen, Augen tagsüber ebenfalls geschlossen halten. Diesen Trailer am besten ignorieren!

Sollte man die Vorlage kennen oder gar die Version aus Frankreich gesehen haben, so ist die Neuauflage dank aktueller Verweise gewiss dennoch sehenswert. Ein gelungener Schlagabtausch für Fans des zündenden Dialogs mit einem Schuss Molière und für alle, die gerne über die Klischees der 68er herziehen. Es macht derbe Spaß, den Darstellern bei diesem Feuerwerk an amüsanten Anspielungen, überraschenden Wendungen plus einem provokantem Schnurrbart zuzuschauen. Vielleicht sollte ich den Deutschen Film doch noch nicht abschreiben. »Der Vorname« liefert zumindest Anlass dazu. Chapeau!

»Der Vorname«
Kinostart: 18.10.2018 | Darsteller: Christoph Maria Herbst, Florian David Fitz, Caroline Peters, Justus von Dohnányi, Janina Uhse, Iris Berben u.a. | Produzenten: Tom Spieß, Marc Conrad | Executive Producers: Martin Moszkowicz | Herstellungsleitung: Christine Rothe | Regie: Sönke Wortmann | Drehbuch: Claudius Pläging nach dem Theaterstück „Le Prénom“ von Alexandre de La Patellière und Matthieu Delaporte.
Beitragsbild: 40 Jahre Miesepeters

40 Jahre Miesepeters

500 Beiträge auf Miesepeters – der Kunst der Schwarzmalerei. Zur Feier des Tages wage ich eine Ausnahme und drehe eine Runde durch meine Inspirationsquellen.

Tun wir doch einmal für einen Moment so, als wäre das hier gar nicht der Blog für Schwarzmaler und Partypupser. Pfeifen wir zur Feier des Tages auf die nervigen»Ja, aber…« Argumente und reden uns vollkommen ironiefrei ein, dass es auch Schönes zu bereden gibt. Zugegeben, es fällt angesichts dieser nie abebbenden Flut an Negativschlagzeilen nicht besonders leicht, aber es gibt einen kleinen Grund zum Feiern: Miesepeters wird 40 und das hier ist der mittlerweile 500. veröffentlichte Beitrag. Geboren wurde die Idee im später September 1978 , als John Travolta & Olivia Newton-John mit dem Song »You’re the One That I Want« die deutschen Charts anführte. Nur ein Jahr später wurde das Zeitalter des schlechten Geschmacks eingeleitet, als die Klamauktruppe Dschingis Khan uns musikalisch mit »Moskau« den russischen Lebensstil schmackhaft machen wollte – was augenscheinlich nur mit einem entsprechenden Pegel Wodka gelang.

Es dauerte weitere Dekaden, bis ich im November 2014 damit begann, meine Miesmuschel-Gedanken salonfähig zu machen und via WWW den Rest der Welt zu desillusionieren. Seitdem entstanden zahlreichen Beiträge wie zum Beispiel die Dauerbrenner »Schnell krank werden – aber wie?« und »Dirty Talk – Wie man sexy beleidigt«, aber auch meine »Ultmativen Hasslisten« Teil 1 und 2.

Namedropping par excellence

Zur Feier des Tages möchte ich Spieß der Hasslisten umdrehen und in diesem Beitrag ausnahmsweise über Sachen reden, die mir Freude bereiten. Echte Freude! Ja, so etwas kann selbst ein Griesgram wie ich empfinden – zumindest, wenn niemand hinschaut. Ich mag: Instagram, da man dort unzählige Panda-Bilder zum Liken findet. Irish Pubs, die keine modernen Charts-Dreck spielen, sondern die guten alten Klassiker. BBC Serien wie »In The Line Of Duty«, »Cracker« oder »Prime Subspect« die jeden »Tatort« wie die »Augsburger Puppenkiste« aussehen lassen. Wassereis, die eindeutig beste Erfrischung zum fortschreitenden Klimawandel. Jürgen Kuttner, der mich mit seinem damaligen Radio-Format »Sprechfunk« und dessen »Videoschnipsel« Vorträge ich oft feiern durfte. Christoph Schlingensief, der so viel Kluges sagte – zum Beispiel in dieser einen Ausgabe von »Durch die Nacht« zu Michel Friedmann, der niemals scharf mit Trüffel essen würde.

When the music’s over

Düstere Elektro-Mucke wie von Andy Stott, Demdike Stare oder Forest Swords, die Langweiler für Test- oder Störgeräusche halten. Musik ist ja eh unverzichtbar; was wäre nicht alles schiefgegangen, wenn ich nie Leonard Cohen, Tom Waits, Will Oldham, Bill Callahan oder Jason Molina für mich entdeckt hätte. Oder Jazz! Undenkbar, genau unverzichtbar wie Currywurst-Pommes-Mayo. Nicht zu vergessen Funny Van Dannen, mein ewig liebster Tombolamusikant. Toscano-Zigarren, da sie mit ihren kaum zu überriechenden Gestank alle Quälgeister verjagen. Autoren wie Wilhelm Genazino (»Abschaffel«), Tony Parsons (»Man And Boy« und Hermann Hesse (»Die Kunst des Müßiggangs«), die mich weniger an der Welt zweifeln lassen. Comics wie »Preacher« und »Transmetropolitan« begeisterten mich in einer Zeit, als von spießigen Superhelden-Verfilmungen noch lange keine Rede war. Ja, selbst Bukowski und Dostojewski durften während der Selbstfindungsphase nicht fehlen. Flauschige Haustiere, wobei ich da natürlich an meinen verstorbenen Kater Henry denke.

Bei der Macht von Grayskull (und anderen)

Mich rettete das gesamte Spektrum der großen Bezeichnung »Kultur«, was für mich stets Ausstellungen, Theatervorführungen, Programmkino und Vorlesungen bedeutete. Daher ziehe ich die Kraft, die für die großen Aufgaben des Alltags (Pendeln, Spülen und soziale Interaktion) benötige. Filmemacher wie Herzog und Von Trier, die gerne ihre Zuseher quälen und mich dadurch faszinieren. Aber natürlich auch die Klassiker von Fellini oder Hitchcock. Mein erster Held »He-Man« wurde abgelöst durch Comedian Bill Hicks, der (leider) immer noch Recht hat. Genau wie George Carlin! Berlin, ich bin trotz allem immer noch verliebt in Dich. Keine Sorge, ich habe Dich nicht vergessen, Köln. Du bist für mich weiterhin die große Ausnahme in diesem verkommenden Westen. Hast mir neue Möglichkeiten und Menschen vorgestellt, die ich nicht mehr missen möchte. Diese Liste könnte ewig weitergehen, es gibt noch so viele andere kreative Köpfe, Nachspeisen und Menschen, die mich beeinflussten. Ihr Kraftspender! Bis heute. Doch darüber reden wir in 500 Texten noch einmal.

Beitragsbild: Beziehungsspeck: Fett und schnaufend im siebten Himmel

Beziehungsspeck: Fett und schnaufend im siebten Himmel

Beziehungen machen dick. Doch was ist schon dabei? Ein wenig Beziehungsspeck hat nur Vorteile für all jene Turteltauben, die eh gerne den ganzen Tag im Jogger verbringen.

Alles hat einen Haken. Du dachtest, mit dem Ende des Single-Daseins hätte das Unglück ein Ende. Kein Tinder und Dating mehr, sondern stattdessen die volle Dröhnung Endorphine – in Form einer brandneuen Partnerschaft. Endlich hört sich jemand fasziniert deinen Scheiß an und möchte im Anschluss trotz Jogginghose Geschlechtsverkehr mit dir. Selbstverständlich ist das nicht, zumal der Langzeiteffekt bitter ist: du wirst fett. Die meisten Dauersingles begründen ihren Status mit Angst vor der Ehe oder gar Kindern, dabei haben sie bloß Schiss, dass sie ihre Füße nie wieder sehen werden.

Der sogenannte Beziehungsspeck oder auch die Wohlstandswampe, der Dad Bod, das Plus-Size-Model. Jenes Polster, welches in jeder Partnerschaft den Klamottenkauf beschleunigt und Außenstehenden Glückseligkeit signalisiert. Insgeheim hat das Mästen des Partners aber auch eine andere nützliche Funktion. Durch die zusätzlichen Pfunde wird das kuschelweiche Herzblatt für die Konkurrenz gänzlich unattraktiv und eine eventuelle Flucht erschwert.

Romantischer Käse

Irgendwelche Klatschspalten-Wissenschaftler haben während des Sommerlochs ausgerechnet das herausgefunden, was sowieso jeder weiß: Menschen in Beziehungen sind dicker als Singles. Leuchtet ja auch ein: man verschwendet keine Zeit mehr im Fitness-Studio, sondern besucht stattdessen mit dem Schnuckelputz ein Restaurant mit einem »All-You-Can-Eat« Angebot. Selbst im Nacktzustand hagelt es Komplimente, man feiert zusammen im Namen der Liebe die immer deutlich werdenden Doppelkinne – nur um im Anschluss das morgige Frühstück zu planen. Die abgedroschene aber wie die Faust aufs Auge passende Redewendung »Liebe geht durch Magen« scheint die Wahrheit gepachtet zu haben. Die weniger bekannte Floskel »Wer braucht schon Liebe, wenn man Dinge mit Käse überbacken kann«, klingt zwar glaubwürdig, aber doppelt-Käse ist bekanntlich in jeder Partnerschaft Pflicht. Doppelt hält besser.

Beziehungsspeck für ein besseres Miteinander

Wie angedeutet bringen die zusätzliche Pfunde kleine Vorteile, um das Herzblatt auf lange Zeit an sich zu binden. Durch »Ben & Jerry’s« sowie »Kinder Schokolade« zur Unkenntlichkeit aufgedunsen dreht sich niemand mehr nach deinem Schatz um. Viel eher beschimpfen die durchtrainierten und ewig hungernden Masochisten (aka Singles) deinen Lover, weil er oder sie permanent die Sonne verdunkelt. Darüber hinaus stellt sich mit den Jahren eine allgemeingültige Faulheit ein, die eine Flucht in ein alternatives Leben gänzlich uninteressant macht. Dein sexy Wonneproppen gehört somit ganz allein Dir – für alle Ewigkeit.

Selbst als Paar trumpft ihr bei typischen Pärchenabenden extrem auf, da euch alle Gäste für die »lustigen Dicken« halten. Optisch macht ihr ja nicht viel her, also seid ihr gewiss hinsichtlich der inneren Werte wunderwunderschön. Man wird an euren Lippen hängen und euch für eure Haare oder Kleidung loben. Somit sollte für alle Vergebenen der nächste Stopp im McDrive als Investition in die Zukunft anerkannt werden. Mampft euch glücklich und schüttelt den Beziehungsspeck, bis die Schwarte kracht.

Beitragsbild: Finger weg von meinem Kaffeebecher!

Finger weg von meinem Kaffeebecher!

Für manche der Heilige Gral, für andere bloß ein Koffeintransporter: der Kaffeebecher ist aus dem Büroalltag nicht wegzudenken. Er unterstreicht die Persönlichkeit, markiert das besetzte Gebiet und ist das Geschenk Nummer 1, wenn einem sonst nichts einfällt.

Sie besteht aus Keramik, ist spülmaschinenfest und trägt den Hinweis: »Hier könnte Ihr Text stehen«. Meine unverzichtbarer Kaffeebecher in der neunten Generation. Vorher besaß ich unter anderem die Modelle »Ich hasse Menschen«, »NOPE« und »There is no place like 127.0.0.1.«. Sie fielen leider den typischen Bedrohungen des Alltags (sprich ungeschickte Kollegen und Spülmaschinen) zum Opfer, doch wurden im Handumdrehen ersetzt. Meine aktueller Büro-Becher wurde mir beim Wichteln geschenkt, aus Höflichkeit habe ich mich nicht negativ über den drauf gedruckten Spruch geäußert. Dabei ist er so witzlos, so unpassend und diskriminierend obendrein. Hier könnte ihr Text stehen. Hier könnte auch irgendwas Lustiges stehen, Vollidiot. Und erst recht nicht mit der Schriftart Comic Sans!

Trink aus meinem Kaffeebecher und du trinkst zukünftig aus Schnabeltassen

Alles ist ersetzbar, jeder ist ersetzbar. Fiese Vorgesetzte verbreiten diese Drohung in regelmäßigen Abständen unter den Mitarbeitern, damit sie auf dem Teppich bleiben. Sicher, mein Becher könnte ich notfalls tatsächlich ersetzen, aber selbst in ihrem hässlich-dummen Zustand ist und bleibt sie dennoch MEINE. Also Finger weg, sonst muss ich euch alle »ersetzen«. Ich reagiere hochallergisch, wenn ein müder Kollege zur Kaffeemaschine schlurft und gedankenlos nach irgendeinem (!) Becher greift. In solchen Momenten schnappt er sich natürlich meine – Murphys Gesetz. Ignorant! Dabei wird der Egomane mit Sicherheit einen eigenen Kaffeebecher besitzen, der ihm in dem Augenblick entweder nicht zusagt oder der hinter einem knappen Dutzend weiterer Kaffeebecher versteckt scheint. Trinkt er davon, gleicht das einem Schlag ins Gesicht. Als ob er absichtlich die Höhe meines Drehstuhls verstellt und dabei einen fahren lässt. Eine bodenlose Provokation, die im Grunde aussagt: »Ich trinke aus deinem Kaffeebecher, was willst du dagegen machen, hm?« Ich wüsste schon, was ich in so einer Situation am liebsten tun würde, doch das würde in einer Blutlache und der Anschaffung eines neuen Bechers enden.

Vermessende Trinkgefäße

Mit einem Büro-Kaffeebecher markieren wir unser Revier. Vögel begrenzen es akustisch via Gesang, Hunde durch Erleichterung der Blase und wir Menschen mit dem Abstellen unseres Kaffeebechers. Hier trinke ich, hier bin ich König. Ein Stück Persönlichkeit, welches wir mit Getränken füllen. Es stellt sich die Frage, inwiefern ein Stück geformte Keramik unseren Charakter repräsentiert. Manche sind mit dem jeweiligen Sternzeichen bedruckt, andere mit unseren Wünschen und Träumen, wie zum Beispiel die Existenz von Einhörnern. Sind wir im Urlaub oder krankgeschrieben, so bleibt ein Stück unserer Seele im Büro – hält die Stellung und zeigt den Kollegen permanent brb an. Ein Arbeitsleben ohne Trinkbecher scheint möglich, aber sinnlos. Bietet er uns doch die Möglichkeit, den tristen Arbeitsplatz temporär zu verlassen, um ein Schwätzchen an der Kaffeemaschine zu halten. Selbst mit unbeliebten Kollegen! Man schaut sich gegenseitig auf die Becher und stellt den ewigen Vergleich an. Wie das so ist, im harten Berufsleben. Messen, Messen, Messen. Letztens dachte ich erst: sein Kaffeebecher ist hässlicher, kleiner und vor allem extrem unpassend. Erst schlürfe ich lautstark, dann grinse ich Kollege Vollidiot an. Er bleibt sprachlos, wie ein leeres Blatt Papier. Seine Tasse tut es ihm gleich: Hier könnte Ihr Text stehen. Da war ich wohl schneller, Kollege!

Alles Schlechte beginnt mit »K«

Krieg, Krebs, Karneval. Ist euch mal aufgefallen, dass die schlimmsten Dinge und Ereignisse unserer Zeit ausgerechnet mit dem Buchstaben »K« beginnen? Ein kritischer Kommentar.

Lust auf ein kleines Spielchen, Kerstin? Was hat dein Name mit einer Katastrophe gemeinsam? Zu simpel, ich weiß. Aufgrund der recht eindeutigen Überschrift dieses Beitrags dürften meine Absichten klar wie Kloßbrühe sein. Die Idee zum Thema formte sich, als ich mich mit einer Kollegin über den typischen Klamauk des Chef ärgerte. Gewohnheitsgemäß flippte er wie irre herum, da ihn scheinbar die Welt mit all ihren tückischen Hindernissen arg überforderte. Der altbekannte Kabelsalat, die verkalkte Kaffeemaschine – all der Kram, der ihn täglich scheitern lässt. Neulich beschimpfte er mich als Klugscheißer, weil ich die besagte Kaffeemaschine ans Stromnetz … aber lassen wir das. Jedenfalls beginnt sein Nachname wenig überraschend mit »K«. So viel zur Motivation.

Der müde Gag mit dem »K« ist natürlich mehr oder weniger ein Insider und während der Schufterei höchstens zur Steigerung der Moral zu gebrauchen. Schnell füllte sich die Liste: Krebs, Korruption, Krieg, Krise, Krankheit, Kindergeburtstag, Kinder generell, Konflikt, Kreditzinsen, Kabelbruch, Katastrophe, Klimawandel, Kündigung, Karies und Krypton. Wort für Wort lauter Dinge, die selbst Superhelden gerne missen möchten.

Harte Konsonanten, noch härterer Klang

Leider habe ich keine Ahnung von Sprachforschung. Weiß der Kuckuck, ob sich im Laufe der Zeit Begriff mit K als perfekt entpuppten, um das Schlechte dieser Welt in Worte zu fassen. Der harte Klang des Konsonanten wird verstärkt, da in der deutschen Sprache meist ein Vokal folgt. Wahrscheinlich wird aus diesem Grund Deutsch als hart und ernst wahrgenommen, was Bands wie »Rammstein« zu Gute kommt. Aber wie soll man die folgenden Dinge und Zustände auch vom Klang her blumiger umschreiben? Keine Chance: Kapitalverbrechen, Koalition, Kollateralschaden, Kadaver, Kommerz, Kannibale, Kapitalismus/Kommunismus, Kokain und natürlich der Ku-Klux-Klan.

Nun ahne ich bereits, dass die Kritiker mit den Hufen scharren: »Aber Miesepeters! Es gibt auch schöne Wörter mit K!« Das ist vollkommen richtig. Es gibt sogar wahre Schmuckstücke im deutschen Wortschatz, wie zum Beispiel der Kurschatten. Oder Katzenjammer. Kavaliersdelikt, Kladderadatsch, Kauderwelsch, Kummerspeck, Kuschelkurs und Kokolores. Wahre Kleinode im alltäglichen Sprachgebrauch. Streng genommen bedeuten selbst diese Umschreibungen nichts Gutes (Bsp: Katzenjammer = Reue, Kavaliersdelikt = Straftat, Kummerspeck = Adipositas), aber darüber wollen wir mal hinwegsehen. Für solche Kinkerlitzchen haben wir keine Zeit, liebe Kerstin.

Denn ich hatte einen hoffnungsvollen Einfall. Könnte es sein, dass man diese furchtbar harten Ks mit einem direkt folgenden Umlaut entschärfen kann? Mir geht so ein Wort wie König durch den Kopf. Oder Känguruh! Künstler, Köln, Kürbis, Küssen! Was soll daran schlecht sein? Demzufolge bleibt dir nur eins, Kerstin. Nenne dich Kärstin und alles wird gut.

Beitragsbild: 10 Songs, die ratzfatz aggressiv machen

10 Songs, die ratzfatz aggressiv machen

Es gibt Lieder, die berühren deine Seele. Aber es gibt auch Songs, die einfach nur aggressiv machen. Hier ist die unterstützende Playlist aller Hitzköpfe.

Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum, sagte einst Nietzsche. Er konnte ja nicht ahnen, dass irgendwann Schlager erfunden wird und Melodien seitdem auch andere Funktionen erfüllen können. Heute gibt es Playlisten für Schäferstünden, für Masochismus im Fitnessstudio und für die Feierlichkeiten nach der Unterzeichnung eines Ehevertrages. Jede Lebenslage hat einen Soundtrack. Doch was ist mit jenen zwanghaften Pazifisten, die sich heimlich nach Bang Bang und Weißglut sehnen? Um der Apokalypse ein Stück näher zu kommen habe ich hier eine Playlist mit dem bescheidenen Titel »Musik für jene, die die Welt brennen sehen wollen« erstellt. Die Lieder dieser Liste machen innerhalb weniger Takte aggressiv und garantierten einen schnell eintretenden Wahnsinn, der einem axtschwingenden Jack Torrance im Hotel »Overlord« in Nichts nachsteht.

De Randfichten – Lebt denn der alte Holzmichl noch

Freilich könnte man JEDEN Gassenhauer aufführen, der im berüchtigten Musikantenstadl ein Stelldichein gab. Dieser Song soll stellvertretend all jene Momente repräsentieren, in denen ordentlich abgefüllte Musikfreunde wie von Sinnen »JAAAAAAAA« schreien und dazu klatschen. Diese wild gewordene Meute schreckt nicht mal vor sensiblen Themen wie Tod zurück. Man beachte den rasenden Gesichtsausdruck diverser Rentner, wenn der Typ mit dem Akkordeon zum #aufstehen aufruft.

Wind – Laß Die Sonne In Dein Herz

Ein früher Beitrag von der Ökostrom-Band »Wind« zum Klimawandel. Das Lied klingt beim ersten Hinhören übertrieben positiv, doch ruft der Song zur Resignation auf. »Geh ins Licht hinein« – wer soll da nicht aggressiv werden? Wenn die Untergangspropheten mit den Schulterpolstern das Weltende beschwören, sehnt man sich ein wenig nach guter alter Atomkraft.

Nicole – Ein Bisschen Frieden

Gelangweilt schrammelt die biedere Nicole auf ihrer Gitarre und singt von Frieden und kreischenden Vögeln. Weil sie der Text wahrscheinlich selbst zornig machte, sang sie die Hälfte auf Niederländisch. Spielt man nur, wenn man auch den letzten Partygast loswerden will.

Kelly Family – An Angel

Die Kelly Family polarisiert. Auf der einen Seite stehen die treuen Fans, die sich bereits in ihrer Jugend selbst aufgaben und auf der anderen Seite die Spaßvögel, die den Song beim Karaoke ruinieren. Laut einer aktuellen Bundeskriminalstatistik wurde dieses Lied von nahezu jedem Kriminellen während seiner Jugend gehört.

Die Teletubbies – Intro

Oho! Das ist nicht der Urvater aller Messenger namens ICQ sondern der Schlachtruf der unerträglichen Teletubbies. Die bunte Truppe mit dem Sexspielzeug auf ihren Häuptern sind auch heute noch creepy hoch zehn.

Schnuffel – Häschenparty (feat. Michael Wendler)

Zwei Negative sollen ja ein Plus ergeben. Doch wenn das animierte Kaninchen mit dem dämlichen Rufnamen Schnuffel zur Häschenparty aufruft und ausgerechnet Dinslakens Aushängeschild Michael Wendler zur Verstärkung an Bord holt, hilft nur noch Suizid. Fun Fact: Den Song gibt es auch ohne den Wendler und klingt dennoch scheiße.

PUR – Hitmix Original Version

Erinnerst du dich an den Moment, als du in der Dorfdisco einen auf dicke Hose machtest und die unangenehme Janine dich zum Tanzen aufforderte? Mit Sicherheit lief dazu der Hitmix der Gruppe PUR – und du hast jede Sekunde davon gehasst. Der treibende Beat und die sinnentleerten Lyrics ließen dich wie einen Idioten über die Tanzfläche hopsen und deine Grobmotorik wurde nur durch ebenfalls leidende Brüder im Geiste gebremst, die ebenfalls zu spät die Toilette aufsuchten. Spüre den Schmerz erneut!

Doop – Doop

Manchmal braucht man keine Worte, um die Wut anzustacheln. Bemitleidenswerte Kreaturen, die neben einem Flughafen oder einer Großbaustelle leben, wissen wovon ich rede. In dieselbe Kategorie fällt der Song Doop von der Band gleichen Namens. Selbst ruhige Gemüter werden innerhalb weniger Sekunden zum Amoklauf angestachelt.

Modern Talking – Brother Louie

Dieter Bohlen ist auch so ein Kandidat, der locker diese Liste der Zorn-Garanten hätte füllen können. Warum dieser Mensch wegen Volksverhetzung noch nicht angeklagt wurde, bleibt mir ein Rätsel. Als Beispiel sei hier Brother Louie aufgeführt, der eh wie jeder andere Modern-Talking-Hit seiner Zeit klingt. Achtet mal auf die geschwungene Faust von Bohlen. Ich glaube, er hält es selbst nicht mehr aus.

Vader Abraham – Das Lied der Schlümpfe

Jahre bevor Eiffel 65 Blau neu definierten, schunkelte ein niederländischer Greis mit einer Horde von blauen Geschöpfen zu einer Melodie, die selbst heute noch hochgefährliches Ohrwurm-Material darstellt. Hat Waterboarding als Foltermethode schon vor Jahren abgelöst.

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10 Persönlichkeiten, die du für dein Unglück verantwortlich machen kannst

Einsicht und Selbstkritik sind ja schön und gut, aber es muss Grenzen geben. Viel angenehmer ist es doch, irgendwen anders für seine miese Existenz verantwortlich zu zeichnen.

Irgendwer muss ja an deiner persönlichen Misere schuld sein. Du selbst? Nope. Natürlich bist du nie und nimmer dafür verantwortlich. Schließlich bist du auch nur ein Opfer der Umstände. Mit dieser Einstellung lebt es sich bequemer als in so manchen Crocs. Eigenverantwortung ist nicht dein Ding; viel lieber zeigst du mit dem dramatisch fuchtelnden Zeigefinger auf Andere. Problematisch wird es nur, sobald alle auf diese recht unsinnige Idee kommen und niemand mehr für irgendwas verantwortlich sein will. Da hilft nur noch der Ausweg über Dritte, indem man komfortabel bekannte Persönlichkeiten für das erfahrene Unglück verantwortlich machen kann. Um die Suche nach einem Schuldigen zu erleichtern, liste ich hier mehr als zehn Namen auf, denen man die Schuld in die Crocs bzw. Schuhe schieben kann.

Danke, Nestlé, McFit und Amazon

Angela Merkel. Ein klarer Fall für Captain Obvious. Es gibt kaum ein Thema, für welches so manche wütende Bürger die Bundeskanzlerin nicht verantwortlich machen. Ob kalt gewordenes Essen, Regenschauer oder Chlamydien – Merkel muss selbst bei Absurditäten herhalten. Nach den Schuldzuweisungen folgt unverständlicherweise häufig Demut, indem sich unter anderem per Hashtag bedankt wird.

Jeff Bezos. Der Amazon-Chef hat maßgeblich zum miserablen Straßenverkehr beigetragen. Parkplätze sind Mangelware und werden stets von Paketautos belegt, sofern sie nicht die Straßen füllen. Außerdem zwingt er uns alle zu einem Eremiten-Dasein, die ihre vier Wände nicht mehr verlassen können – nachher verpassen wir eine wichtige Lieferung von Amazon.

Scott Seamans, Lyndon “Duke” Hanson & George Boedecker, Jr.. Diese drei Herren haben die besagten Schuh-Imitate namens »Crocs« erfunden. Alberne und bunthässlische Plastikbehälter, die wir an unsere Füße schnallen können, um verwahrlost durch die Einkaufsstraße zu schlurfen. Als Modesünde und Zumutung zugleich übertrumpfen jene Crocs sogar den textilen Beweis des Kontrollverlustes – die Jogginghose.

Rainer Schaller. Der McFit Gründer verband zwei schlimme Elemente unserer Gesellschaft (Fast Food und Körperwahn) und kreierte daraus eine erfolgreiche Fitness-Kette zum Dumpingpreis. Dank McFit kann nun jeder an sich zweifeln und einem nahtlosen Erscheinungsbild auf Laufbändern hinterher rennen. Die Folgen sind besonders auf Instagram anschaulich zu erkennen: seelisch entleerte Körper, die auf starke Oberarme denn auf wuchtige Wörter setzen.

Henri Nestlé. Der Namensgeber des Nestlé Konzern hatte bestimmt keine bösen Absichten, als er das erste im Wasser lösliche Milchpulver unter das Volk brachte. Dass jedoch irgendwann nahezu der halbe Supermarkt aus Nestlé-Produkten besteht, konnte niemand ahnen. Die Skandale und Kritik an dem Unternehmen beherrschen seit Dekaden die Nachrichten: sei es die Regenwaldzerstörung, Tierversuche oder die Trinkwasser-Problematik. An Nestlé kommt niemand mehr vorbei. Fragt sich nur, wann sie die Luft zum Atmen in Flaschen füllen und zum Verkauf anbieten.

Neue Probleme braucht das Land

Brooke Brodack. Der Moment, wenn du YouTube öffnest und dir eingestehst, dass du alt geworden bist. Influencer oder wie auch immer man die hektischen aufmerksamkeitsgeilen Teenies schimpfen möchte haben eine Vorläuferin, von der wahrscheinlich niemand hierzulande je gehört hat: Brooke Brodack. Sie gilt als die erste YouTuberin weltweit und stellte somit die Weichen für eine Bewegung im Marketing, die bis heute nur in den Köpfen der Agenturensöhne funktioniert.

Mark Zuckerberg. Man fragt sich, ob es ein Leben vor Facebook gab. Was stellte man damals mit seiner Zeit an? Auch wenn die populärste Social Media Plattform erst 2004 von Mark Zuckerberg ins Leben gerufen wurde, ist sie aus unserem heutigen Alltag nicht mehr wegzudenken. Zuckerberg kann problemlos für viele Probleme, die uns gegenwärtig beschäftigen, verantwortlich gemacht werden. Hate-Speech, Lokale Gruppen und Anstups-Orgien bilden da nur die Spitze des Eisberges.

Frank J. Canova. Herr Canova dürfte den meisten Personen kein Begriff sein, dabei schaffte der Erfinder des Smartphones die perfekte Basis für den allmählichen Untergang der Welt, wie wir sie kannten. Smombies beherrschen seit vielen Jahren das Stadtbild und ein Ende der Bewegung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil! Leere Akkus, Gaffer, Sexting, unbeantwortete WhatsApp-Nachrichten – die Liste der neu entstandenen Probleme wird länger und länger.

Judith Rakers. Die deutsche Journalistin und Tagesschau-Moderation gilt als die beliebteste Nachrichtensprecherin. Sie liefert uns pünktlich um 20.00 Uhr die Horrormeldungen des Tages und raubt uns somit die naive Vorstellung, dass wir in einer schönen und vor allem fairen Welt leben. Es ist sicherlich nicht ihre Absicht (»Don’t shoot the messenger!«), aber ein anschließendes Stimmungstief ist dank ihrer 15 Minuten Sendezeit garantiert.

Donald Trump. Wie war das noch mit Problemen, die wir vor Facebook noch nicht hatten?

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