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Phubbing – Wenn das Smartphone interessanter als der Partner ist

Beitragsbild: Phubbing - Wenn das Smartphone interessanter als der Partner ist

Gehörst du auch den zu den Leuten, die in einer Beziehung lieber auf ihr Smartphone als in die Augen des Partners schauen? Dann betreibst du sogenanntes Phubbing.

Streng genommen waren meine Eltern bereits Phubbing-Opfer. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können, ist hier eine schnelle Erklärung: Phubbing setzt sich aus den Begriffen »phone« (Telefon) und »snubbing« (von to snub, grob übersetzt »brüskieren«) zusammen und wurde für eine Kampagne eines australischen Wörterbuchverlages kreiert. Solltest du somit lieber auf dein Smartphone starren, anstatt mit deinem Partner zu interagieren, betreibst du besagtes Phubbing. Selbstverständlich kenne ich solche Momente, nur hätte ich nie gedacht, dass sich irgendwer einen seltsam klingenden Begriff dazu ausdenkt. Klingt fast so dämlich wie Cuddling, Breadcrumbing oder Ghosting.

Old-School-Phubbing mit der Flimmerkiste

Zurück zu meinen Eltern. Wenn sie einen Raum betraten, wurde der Fernseher angeschaltet – sofern er nicht bereits lief. Nahezu alle Räumlichkeiten waren mit einem TV-Gerät ausgestattet, bis auf das stille Örtchen. Somit wurden sämtliche Unterhaltungen mit Einwürfen von Thomas Gottschalk, Ulrich Wickert und Karin Tietze-Ludwig geführt, als ob sie Teil der Familie wären. Nach dem Motto: »Essen ist fertich!« »Top, die Wette gilt!«

Selbst bei ernsten Themen wurde der Blick vom Fernseher kaum abgewandt. Mein Vater verfolgte konzentriert ein misslungenes Tor, während meine Mutter über meine ausbaufähigen Mathe-Noten schimpft. Ist das schon Phubbing? Ich denke schon. Heutzutage würde mein Vater vielleicht die Spielergebnisse in seiner App analysieren, während meine Mutter meine miserablen Mathefähigkeiten via Meme in einer Facebook-Gruppe kommentieren würde.

Schau mir auf das Smartphone, Kleines

Nun schimpfen die kommerziellen Medien natürlich auf diese Verhaltensweise und bringen selbst das alberne Jugendwort »Smombies« ins Spiel. Es soll gar ein Liebeskiller sein. Irgendwie offensichtlich. Wer lieber Katzenbilder scrollt, anstatt dem Partner in die Augen zu sehen, war aber vielleicht schon vorher scheiße. Möglicherweise bringt ein Smartphone diesen unangenehmen Charakterzug nur deutlicher zur Geltung. Schließlich handelt es sich meiner Meinung nach meist um reine Selbstgespräche bzw. narzisstisches Verhalten, wenn ich mich ausgiebig den »sozialen« Medien widme.

Was bietet das Smartphone, was eine Beziehung nicht immer bietet? Schnelle Aufmerksamkeit sowie Bestätigung. Du teilst ein Video von deinem Mittagessen und 29 Leute schreiben drunter, wie lecker es ausschaut. Wie soll da der Partner, der zumal davon kosten darf, in irgendeiner Form mithalten? Ich glaube, meine Mutter hätte sich bei manchem Kartoffelsalat ebenfalls mehr über ein Lob von Thomas Gottschalk gefreut, als wenn mein Vater mürrisch »Kann man essen« genuschelt hätte. Dennoch hatten meine Eltern etwas, was der heutigen Gesellschaft möglicherweise fehlt. Eine Fernbedienung mit einem Aus-Knopf. Die Flimmerkiste wurde abgeschaltet und meldete sich nicht via Push-Nachricht, wenn der nächste Promi auf der Couch Platz genommen hat. In solchem Momenten konnte mich nicht mal Rudi Carrells »Lass Dich überraschen« vor der Diskussion meiner Mathe-Noten retten.

Photo credit: Jeanne Menjoulet on Visualhunt / CC BY


Letzte Bearbeitung war am 20.01.2018

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