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Sprich oder stirb – Warum ich Telefonate hasse

Beitragsbild: Sprich oder stirb - Warum ich Telefonate hasse

Lieber eine knappe E-Mail oder Whatsapp-Nachricht statt ellenlanger Telefonate. Das Leben könnte so einfach sein, wenn man auf das leidige Telefonieren verzichten könnte. Doch wird eine Abneigung dagegen sogar hier und da als soziale Phobie eingestuft.

Denke ich ans Telefonieren, so kommt mir direkt der Titel eines Hitchcock-Film in den Sinn: »Bei Anruf Mord«. Ans Telefon zu gehen ist für mich mit Qualen verbunden. Erst recht, wenn ich die angezeigte Nummer nicht zuordnen kann. Spontan fallen mir viele Gründe dafür ein, doch möchte ich behaupten, dass nur besonders fiese Halunken hemmungslos anrufen. Schließlich werde schlechte Nachrichten nahezu ausschließlich telefonisch mitgeteilt.

Alles Schlechte kommt über den Hörer

Todesfälle, Unfälle, Kundenbefragungen, Werbeanrufe, Vorgesetzte und ein Pizza-Lieferdienst, der deine Bestellung hinterfragt. Mir fallen kaum Gelegenheiten ein, bei denen Gutes aus der Strippe kommt. Stattdessen dringen Anrufer gnadenlos in meinen Alltag ein, um mich mittels Drohungen und Hiobsbotschaften zu zermürben. Da lobe ich mir Mails und Chats, sofern sie ohne Lesebestätigungen oder blaue Häkchen daher kommen. Ich habe die Möglichkeit mitten in der Nacht zu antworten (mindert die Gefahr einer direkten Antwort) und genieße den Luxus, die verwendeten Wörter strategisch zu wählen. Kein blödes Gestammel mit 394 Umlauten pro Sekunde, nur weil mir jemand durch einen plötzlichen Anruf die Pistole auf die Brust setzt.

Umgekehrt ist es vergleichbar, da ich mich für einen höflichen Mensch halte. Mir missfällt die Vorstellung, andere Leute durch mein Gebimmel aus dem Konzept zu bringen oder gar auf einen Anrufbeantworter oder eine Warteschleife zu stoßen. Das erzwungene Lauschen maschineller Ansagen oder unerträglicher Musik steigert nur meine Nervosität, sodass ich am liebsten auflegen würde. Warum soll ich mich auch zum Affen machen, wenn andere aus Bequemlichkeit und Kostengründen Maschinen einsetzen?

Kerngesunde Quasselstrippen

Nicht wenige Stimmen im Internet teilen diese Meinung. Doch wäre das ewig klugscheißende Internet nicht das Internet, wenn es nicht auch Lösungsvorschläge noch und nöcher bereithalten würde. So ist im Falle einer Telefonabneigung sogar von einer Art »sozialer Phobie« die Rede. Dass man ein Problem mit zwischenmenschlichen Kontakten hat. Gründe dafür können die üblichen Verdächtigen sein: Angst vor dem Versagen, ein vermindertes Selbstwertgefühl und miserable Erfahrungen im öffentlichen Nahverkehr.

Aha. Nur weil ich schlechten Neuigkeiten via Telefon aus dem Weg gehen möchte benötige ich scheinbar dringend eine Verhaltenstherapie. Irgendwie habe ich den Verdacht, dass mir eine solche Sitzung nicht unbedingt die Vorzüge des Telefonierens nahe bringen würde. Ich stelle mir das eher so vor:

Psychotherapeut: Warum deprimiert Sie das Telefonieren so? Warum vermeiden Sie Telefonate?
Ich: Weil ich es nicht leiden kann.
Psychotherapeut: Wir müssen der Sache auf den Grund gehen. Und womögliche Ursachen finden.
Ich: Wir müssen gar nichts finden. Ich kann Telefonieren einfach nicht leiden!
Psychotherapeut: Warum reagieren Sie so gereizt bei dem Thema?
Ich: Weil ich es wie gesagt nicht ausstehen kann.
Psychotherapeut: Doch was steckt dahinter?
Ich: Nichts! Es ist einfach nervig!
Psychotherapeut: Ich verschreibe Ihnen mal was.
Ich: Ich will keine Pillen. Ich will auch kein Telefon!
Psychotherapeut: Daran müssen wir arbeiten.

Im nächsten Moment würde ich nach dem nächsten Telefon greifen, um ihm damit eins auf die Omme zu hauen. Wahrscheinlich – wie gesagt, ich bin ein höflicher Mensch – hätte ich im Anschluss daran den Anstand, ihm einen Krankenwagen zu rufen. Natürlich telefonisch, sofern ich mich denn dazu durchringen kann.

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Letzte Bearbeitung war am 22.02.2018

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