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Gebt mir keine Bananen, gebt mir einen Job

Beitragsbild: Gebt mir keine Bananen, gebt mir einen Job

Aktuelle Stellenausschreibungen überzeugen nicht mit konkreten Angaben, sondern mit Vitaminen. Kaum ein Jobangebot kommt mehr ohne frisches Obst, einem persönlichen Trainer und einer eigenen Bowlingbahn aus.

Björn hat die Faxen dicke und stellt seine Freundin zur Rede. »Annette, was macht die Jobsuche«, fragt er mit lauter Stimme und seinem Wir-müssen-reden-Blick. Annette verdreht die Augen. »Was soll ich sagen? Die Stellenangebote gefallen mir ja, aber ich kann Obst nicht leiden«. Seit Wochen quält sie sich durch die üblichen Job-Suchmaschinen, um ihre Karriere als Fleischfachverkäuferin fortzusetzen. Vor zwei Monaten wurde sie gekündigt, weil ihr ehemaliger Chef eine neue Frau kennenlernte – eine überzeugte Vegetarierin. Die Metzgerei »Haxnseppl« wurde ratzfatz geschlossen und alle Mitarbeiter (und somit auch Annette) wurden entlassen. Trotz des schnellen Endes war Annette hoch motiviert, schnell eine neue Stelle zu finden. Doch musste sie enttäuscht feststellen, dass ihr die dargestellten Jobbeschreibungen gar nicht schmeckten. Statt brauchbarer Angaben wie die Höhe des Gehalts gab es überwiegend den Hinweis: wir bieten frisches Obst.

Frisches Obst für Frischfleisch

So lange ist es gar nicht her, da zählte noch der Verdienst beim Job. Wer sich in der leidigen Situation der Jobsuche befindet, hat gewiss schon die eine oder andere schräge Stellenanzeige gesehen. Mein angeführtes Beispiel mit Annette und Björn ist vielleicht etwas übertrieben, aber nicht vollkommen unrealistisch. Statt Fleischereien sind es eher Agenturen die nicht zimperlich mit Versprechungen wie »frisches Obst und gesunde Getränke«, einer wöchentlich hampelnde Personaltrainerin für »Geist und Körper« sowie »Gourmet-Kaffee ohne Ende« werben. Aber wer weiß? Vielleicht können sich demnächst auch neu eingestellte Taxifahrer über eine Staude Bananen auf ihrer Rückbank erfreuen.

Gibt es in solchen Agenturen extra eingestellte Mitarbeiter, die sich rund um die Uhr um volle Obstkörbe und den Smoothie-Ausschank kümmern? Oder müssen das die unverzichtbaren Praktikanten übernehmen? Man stelle sich vor: »Hey Finn, machst du eben die Facebook-Kampagne fertig? Der Kunde wartet außerdem dringend auf die SEO-Auswertung, Deadline ist 3 Uhr nachts! Und vergiss nicht die Pampelmusen zu schälen und ordentlich Smoothies zu pressen!«

Auf eine lange, gesunde Zusammenarbeit

In einem früheren Beitrag sprach ich den Wandel bereits an: Sport ist das neue Saufen. Welcher Arbeitnehmer oder gar Arbeitssuchende will sich schon mit Selbstzerstörung à la Zigaretten und Alkohol schmücken? So wird das nichts mit dem Job. Statt einem Flachmann zücken Anwärter auf der Karriereleiter heute lieber einen knackigen Apfel. Kerngesund und zu keinem Zeitpunkt einen Krankenschein, stets verfügbar und ordentlich belastbar – das sind die gefragten Arbeitnehmer.

Dennoch würde ich mir von den anbietenden Arbeitgebern wünschen, dass sie statt prallen Obstkörben und teuren Kaffeemaschinen die wahren Interessen der Suchenden beachten würden. Wie viel Kohle gibt es? Wie sieht es mit Überstunden aus? Urlaub? Also all die Dinge, die man im Bewerbungsgespräch besser nicht klären sollte. Also ich würde bei einer Einladung zum Plausch den Spieß umdrehen.

Potentieller Arbeitgeber: Guten Tag, Sie Miesepeters. Warum haben Sie sich auf diese Stelle beworben?
Ich: Wegen dem frischen Obst.
Potentieller Arbeitgeber: Wie bitte?
Ich: Ich selbst kaufe zu selten welches. Kein Bock auf Fruchtfliegen. Haben Sie auch Granatäpfel? Die mag ich.

Photo credit: find eric on Visual Hunt / CC BY-SA


Letzte Bearbeitung war am 20.02.2018

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