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Wir waren glücklich, doch dann kam Facebook

Beitragsbild: Wir waren glücklich, dann kam Facebook

Digitale Eifersucht und kein Ende. Die glücklichsten Paare drohen zu scheitern, wenn Facebook zum festen Bestandteil einer Beziehung wird.

Versetzen wir uns kurz zurück in das Jahr 1996 und betrachten das fiktive Pärchen Nicole und Stefan. Eurodance, Klonschaf Dolly und Helmut Kohl waren angesagt, man starrte während der Zugfahrt nicht auf das Smartphone, sondern aus dem Fenster. Nicole hampelt voll herum, weil Stefan gerne mit seinen Kumpels einen trinken gehen möchte. Sie ist von Natur aus eifersüchtig und geht davon aus, dass Stefan mit jeder in die Kiste springt, die ihn zu »Rhythm Is A Dancer« antanzt – selbst mit der Klofrau.

Zwanzig Jahre später wäre Nicole aufgrund von Eifersucht eingeliefert worden. Denn schließlich bietet das Netz mit all seinen Verlockungen unendliche Möglichkeiten, sich selbst mit miesen Emotionen zu tyrannisieren. Stefan bräuchte nur auffällig viele weibliche Kontakte haben oder unbedacht das nuttige Profilbild einer möglichen Konkurrentin mit »Gefällt mir« markieren. All das würde Nicole dank der offenen Netzwerke mitbekommen und sie auf die Idee bringen, Stefans Koffer zu packen. Die sozialen Medien schafften damit die perfekte Grundlage für immerzu präsentes Misstrauen. Je mehr Informationen wir erhalten, desto mehr Fragen kommen auf – oder stellen in Frage.

Es liegt nicht an Dir, sondern an … Facebook

Soziale Netzwerke wie Facebook sind immer aktiv, selbst wenn die Nutzer passiv bleiben können. Auch wer nichts postet, anklickt oder kommentiert, wird in das Geschehen mit einbezogen. Man schlägt einem die Ex-Partner als Freunde vor und erinnert an anstehende Termine. So kann es zu der unglücklichen Lage kommen, dass der oben genannte Stefan auf die Geburtstagsfeier seiner Ex eingeladen wird. Das Drama wird groß sein, wenn Nicole es entdeckt, obwohl Stefan nicht einmal Bescheid wusste. Facebook erledigt den Großteil, ob man möchte oder nicht.

Jedoch kann man dieses Problem unserer Gegenwart nicht alleine den bösen Netzwerken und Chat-Apps in die Schuhe schieben. Viel mehr liegt es auch daran, dass wir diesen Möglichkeiten erliegen. Wir nehmen das Risiko in Kauf, diese neuen Wege der Kommunikation zu nutzen, die uns unter Umständen in Teufels Küche bringen. Was jedoch für einen selbst nach harmlosen Blabla ausschaut, kann den Partner total kirre machen. Schließlich kann er oder sie ja nicht wissen, was da Sache ist. Unser unstillbares Ego, welches sich nach Bestätigung und Aufmerksamkeit sehnt, macht die Gefahr akzeptabel. Selbst, wenn es nur in Pixelform und dämlichsten Kommentaren wie »Geil« ausgedrückt wird.

Ehestreit in der Timeline

Eine andere Sache, die das Führen einer Beziehung erschwert, ist das Ausdiskutieren von Problemen über öffentliche Plattformen. Beispiel: Stefan isst immer alle Pom-Bären auf, was Nicole auf die Idee bringt, ihn sichtbar für alle an den Facebook-Pranger zu stellen. Genau genommen schreibt sie in ihrer Statusmeldung: »Stefan, verpiss Dich aus meinem Leben. Die Pom-Bären sind mein!«. Sie meint es eigentlich humorvoll, doch kann sich manchmal schriftlich nicht so geschickt ausdrücken. Die Reaktionen sind mannigfaltig und zudem verstörend. Welche Ironie jedoch, dass eher das befreundete Umfeld in Auffuhr gerät und Analysen bezüglich der Beziehung zwischen Nicole und Stefan unaufgefordert darlegen – der Dieb der Pom-Bären war im Gegensatz dazu höchst amüsiert.

Wir müssen reden – nicht chatten

Problematisch wird es, wenn man eher bei Facebook nach dem Rechten sieht, anstatt seine bessere Hälfte einfach selbst anzusprechen. Das Misstrauen in die Worte ist bereits so groß, dass nur noch »Likes« und Kommentare zählen, die möglicherweise total aus dem Zusammenhang heraus bewertet werden. Und wie bereits erwähnt: Rhetorische Mittel wie Ironie oder Sarkasmus, die grundlegenden Gründe, warum ihr überhaupt eine Partnerschaft eingegangen seid, sind beim Chatten außer Kraft gesetzt. Gilt auch für Freunde und den Rest der Welt. Sie werden nie verstehen, was ihr mit eurer Statusmeldung bei Whatsapp wirklich meint.

Auch blöd: wenn sich Freunde und Bekannte in die Beziehung einmischen. Irgendein Typ, der eh heimlich verliebt in die eigene Freundin ist, meldet sich dann bei einem, um zu behaupten: »FYI, Nicole ist total unglücklich wegen der Pom-Bären Sache. Just sayin’.« Fehlt nur noch, dass sich ihre Mutter meldet und – weil sie gerade dabei ist – direkt mal alles in Frage stellt. Angefangen vom Gehalt bis zu den Vornamen der Enkelkinder.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht

Bleibt noch das Problem der gemeinsamen Aktivitäten, die allesamt durch soziale Medien protokolliert werden. Jedermann soll sehen, dass ihr im Urlaub wart, ist doch klar. Es wird nur kompliziert, wenn ihr euch so unbemerkt einen Standard kreiert, der gehalten werden will. Sonst heißt es irgendwann: »Stefan? Warum hast Du meine Bikini-Bilder nicht hochgeladen? FINDEST DU MICH FETT!?« Dass Stefan einfach nur keinen Bock auf die gierigen Blicke seiner Freundesliste hat, gerät da in den Hintergrund.

Beziehungen sind schwer zu meistern. Dem war schon immer so. Leider haben sich Facebook und Co. mehr oder weniger heimlich als fünftes Rad am Wagen breit gemacht, sodass es komplizierter werden kann, als es ohnehin schon war. Mehr Gelassenheit und Offenheit ist bei aufkommenden Wolken ratsam. Ein finaler Hinweis soll an dieser Stelle jedoch erlaubt sein: Bei allem, was euch heilig ist, erstellt NIE NIE NIE ein gemeinsames Pärchenprofil.


Letzte Bearbeitung war am 29.03.2016

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