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A Last Christmas Carol

Beitragsbild: A Last Christmas Carol

Charles Dickens klassische Weihnachtsgeschichte »A Christmas Carol« war die Inspiration für diese kleine weihnachtliche Erzählung rund um Wham! und deren weltberühmten (und oft gehassten) Evergreen »Last Christmas«.

Bryan Morrison war tot, so viel stand fest. Zu Lebzeiten war er Manager des Duos WHAM!, die seit 1984 mit »Last Christmas« für ordentliche Weihnachtsstimmung sorgen. Die nun folgende Geschichte fand laut der Überlieferung in der Nacht zu Heiligabend im Jahr 1985 statt. Last Christmas hatte längst die Charts gestürmt und der Schweizer Wintersportort Saas Fee war beliebt wie nie. George Michael saß in einer Kabine einer öffentlichen Toilette und ließ sich die Vorteile einer Solo-Karriere durch den Kopf gehen. Sein musikalischer Partner, Andrew Ridgeley, ahnte nichts von Michaels Trennnungsabsichten und verbrachte seine Zeit lieber daheim in seinem Rentier-Kostüm. Plötzlich fegte ein unerwartet frostiger Wind durch die Stube, der George Michaels Frisur durcheinander brachte. Er hörte ein lautes Räuspern und fragte kleinlaut: »Ist das wer?« Da niemand antwortete, verließ er aufgeregt die Kabine und schaute sich um. Was er dort sah, ließ seinen Atem stocken. Bryan Morrison schwebte ungefähr 5 cm über dem Boden und wirkte verwahrlost wie ein Kandidat des Dschungelcamps.

Ankündigung der drei Geister

»Bryan? Bist du es? Du, wegen dem Geld … das war ein Missverständnis!«
»Schweig! Ich bin tot! Da habe ich andere Sorgen.«
»Was möchtest Du dann?«
»Du warst auffallend lange auf dem Klo …«
»Ich möchte nicht darüber reden.«
»George Michael, lass dir eins gesagt sein! Das geht nicht so weiter. Du wirst Besuch bekommen – von drei Geistern.«
»Och nö! Muss ich nun noch mehr Geschenke kaufen?«
»Törichter Kerl. Du solltest ratzfatz deine Einstellung ändern, sonst nimmt das alles ein böse Ende. Schau mich an!«
»Niemals werde ich ins Dschungelcamp gehen! Niemals!«
»Dann solltest du die Geister ernst nehmen. Der erste kommt gegen zwölf!«

So unvermittelt, wie Bryan Morrison aufgetauchte, war er auch wieder verschwunden. George Michael zuckte mit den Schultern und schmiss seine Drogen ins Klo. »Drei Geister«, murmelte er auf dem Heimweg vor sich hin. Als er daheim ankam, ignorierte er das Rentier im Wohnzimmer und legte sich direkt schlafen. Später träumte er von Gold, Weihrauch und Myrrhe.

Der Geist der vergangenen Weihnacht

Als George Michael erwachte, war der Raum stockfinster. War es bereits zwölf Uhr? Zum Glück trug er seine digitale Armbanduhr, nur noch wenige Minuten und der erste Geist sollte angeblich erscheinen. Michael kämmte sich und bemerkte dabei nicht, wie eine mysteriös leuchtende Schallplatte in die Nähe des Bettes rollte. Sie stand mindestens eine halbe Minute sinnlos herum, bis Michael es bemerkte und anfing hysterisch zu kreischen.

»Wer bist du? Was bist du?«
»Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht.«
»Wirst du mich töten?«
»Nein.«
»Willst du ein Autogramm?«
»Nein.«
»Was dann?«

Die Schallplatte schwieg (wie Schallplatten es normalerweise bevorzugen) und begann, sich wahnsinnig schnell zu drehen. Scheinbar zusammenhanglose Bilder wurden in schneller Abfolge an die Wand reflektiert. George Michael sah Szenen seiner Kindheit, als er umzingelt von seiner Familie vergnügt im Schnee herum tollte. »Das ist unser Vorgarten! Und meine Eltern! Mein Gott, habe ich fantastische Haare!«. »Psssssst«, raunzte ihn der Geist der vergangenen Weihnacht an. »Nicht reden, sondern zuhören!« Die Mutter von George Michael stimmte eine fetzige Version des Klassikers Let it snow an. George Michael kullerte eine Träne über den Drei-Tage-Bart. »Ich liebte es, wenn meine Mutter sang. Später sangen wir gemeinsam und sie nahm es auf.« Auf einmal endete die Bilderfolge und die Schallplatte war verschwunden. Die Hälfte von Wham! schaute verwirrt und malte sich verrückte Verschwörungstheorien aus, was der Geist der vergangenen Weihnacht ihm damit sagen wollte. Abgesehen von dem Hinweis, dass der mal wieder seine Mutter anrufen sollte.

Der Geist der gegenwärtigen Weihnacht

Gerade als der zum Telefon greifen wollte, hörte er ein genervtes Räuspern aus der anderen Ecke des Raumes. Eine Audiokassette stand am Fensterbrett und blickte ihn vorwurfsvoll an. »Was?« konterte George Michael, »Ich wollte sie gerade anrufen!« »Es geht nicht um deine Mutter. Ich bin der Geist der gegenwärtigen Weihnacht. Du solltest sehen, was derzeit um uns herum geschieht.«

Die Audiokassette wackelte aufgeregt hin und her und verlor dabei eine erhebliche Menge ihres Tonbands, welches auf wie von Geisterhand einen Kreis auf dem Fußboden bildete. Innerhalb des Kreises waren verschiedene Wohnzimmer zu sehen, in denen haufenweise glückliche Menschen versammelt waren. Es war nicht zu übersehen, dass all die Leute komische Ugly-Sweater trugen und die Einrichtung weihnachtlich verziert war. Im Hintergrund hörte man »Last Christmas«, den großen Hit von George Michael und Andrew Ridgeley. »Das ist mein Song! Die Leute lieben ihn! Schau, wie sie alle glücklich sind. Und reich machten sie mich auch!« »Hast Du auch das eine Wohnzimmer mit dem Rentier bemerkt?«, fragte die Kassette. Tatsache, da war ein einsamer Mann in einem Rentier-Kostüm, der George Michael irgendwie zwar bekannt vorkam, aber durch die Verkleidung nicht zu erkennen war.

»Er sieht traurig aus. Vielleicht sollte er sich unsere Single holen.«
»Glaube mir, die braucht er nicht, George.«
»Was hat er dann?«
»Aufgrund des Songs hat er einen guten Freund verloren.«
»Das ist ja furchtbar! Und du bist sicher, dass es nicht am Kostüm liegt?«
»George, du musst noch viel lernen. Aber vielleicht wird der nächste Besucher dich überzeugen.«

Es lagen noch viele Fragen auf George Michaels Lippen, aber auch die Audiokassette war innerhalb eines Augenschlags vom Erdboden verschwunden. Mit ihr war auch der Ausblick in die anderen Weihnachtsfeierlichkeiten verschwunden. George Michael wunderte sich: Last Christmas soll nicht glücklich machen? Wie kann etwas, was ihn so reich und berühmt werden ließ, andere verzweifeln lassen?

Der Geist der zukünftigen Weihnacht

Er konnte seinen Gedanken nicht beenden, da zu allem Überfluss das Licht komplett ausging. »Okay, du bist der dritte Geist, oder? Willst du mir zeigen, dass man in der Zukunft etwa auf Licht verzichtet und keine Ugly-Sweater mehr trägt?« tönte George Michael durch die Dunkelheit. Es folgte keine Antwort. Nur ein kleiner Spalt durch die Zimmertür spendete etwas Licht. George Michael hatte Angst im Dunkeln und wollte hinaus stürmen, doch es stellte sich eine ungewöhnliche Mini-Disc in seinen Weg. »Hoffentlich wirst du dich als Musikformat nie durchsetzen! Was willst du mir zeigen, Geist?« Die Mini-Disc zögerte nicht lange und projizierte ein fremdartiges TV-Format mit dem schrägen Titel »Die 10 nervigsten Weihnachtslieder« auf die nächst gelegene Wand. Eine austauschbare Moderatorin berichtete über den ersten Platz dieser obskuren Liste: Last Christmas von Wham!, aus dem Jahr 1984.

George Michael konnte und wollte seinen Augen und Ohren nicht trauen. Offensichtliche B und C-Promis machten sich über seinen Erfolgstitel lustig und diverse Einspieler präsentieren vernichtende Umfragen. Last Christmas soll gar der nervigste Weihnachtslied überhaupt sein? Diese Zukunft gefällt George Michael überhaupt nicht.

»Das ist nicht wahr! Wie kann man uns so hassen? Meine Haare sind fantastisch!«
»…«
»Nun sag doch was. Ist das unsere Zukunft? Sie werden ihre Autoradios meinetwegen zertrümmern?«
»…«
»Dann schweig halt. Doch was sagt Andrew dazu?«
»…«
»Nein! Nein! NEIN! Das darf alles nicht wahr sein! Ich will nicht, dass unser Meisterwerk durch den Dreck gezogen wird! Andrew! Ich hätte das Geld aufteilen sollen! Es tut mir leid!!!«

Epilog

George Michael schrie so laut, dass Andrew Ridgeley aus dem Nachbarzimmer rüber stürmte, um nach dem Rechten zu sehen. »Andrew! Zum Glück bist du da! Warum trägst du ein Rentier-Kostüm?« »George, ich will nicht, dass wir uns trennen. Wir können noch viele weitere Hits schreiben. Wir könnten sogar in China auftreten«, sagte Andrew und machte dabei große Augen. »Ja, Andrew. Vielleicht sollte ich mir die Solokarriere erst einmal aus dem Kopf schlagen.«

Die beiden umarmten sich und verließen den Raum. Wenige Augenblicke später hörte man die ersten Takte ihres weltberühmten Weihnachtsshits, der auch die kommenden Dekaden nicht fehlen wird. Die drei Geister werden George und Andrew begleiten, zumindest bis zur ersten Trennung im Jahr 1986. Doch bis dahin war das Haar von George Michael phänomenal.


Letzte Bearbeitung war am 23.12.2017

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