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Gewagte Rollenspiele, die nachhaltig verstören

Beitagsbild: Gewagte Rollenspiele, die nachhaltig verstören

Gibt es etwas Dooferes als erotische Rollenspiele? Die Szenarien »Arzt und Patientin« und »Chef und Sekretärin« scheinen niemals auszusterben – schade eigentlich.

Nehmen wir für einen kurzen Augenblick an, dass dein Liebesleben am Nullpunkt angekommen ist. Finito. Tote Hose im Schlafzimmer. Kein Bunga Bunga, sondern Barbie und Ken machen Urlaub auf dem Ponyhof. Was tust du? Zum Glück gibt es das Internet. Wie bei allen wichtigen Fragen des Alltags (siehe »Wie binde ich eine Krawatte« oder »Wie werde ich Bauchfett los«) muss die Suchmaschine auch bei intimen Themen die Antwort wissen. Tippe locker aus der Hüfte heraus die Worte ein: »Mehr Spaß am Sex«. Sei aber gewarnt: dort wirst du mit Sicherheit erfahren, dass du dich für deinen nächsten Orgasmus als Krankenschwester verkleiden musst – an einem öffentlichen Ort wie einer Bushaltestelle.

Die üblichen Tipps sind recht überschaubar: Vibrierende Spielzeuge, Fahrstühle, Dirty Talk und eben das erotische Rollenspiel. Besonders Letzteres amüsiert mich sehr. Ich stelle mir direkt einen misslungenen Dialog zwischen Lehrer und Schülerin vor, frei nach dem Motto: »Hefte raus, Klassenarbeit! Und warum liegt hier Stroh?« Wenn aber Rollenspiele im Schlafzimmer weiterhin als Rettung einer sterbenden Libido gehandelt werden, könnte man das Prozedere etwas interessanter gestalten. Auf die richtige Rolle kommt es an.

Für mehr Dialoge in Rollenspielen

Solltest du tatsächlich wie oben beschrieben Google bemüht haben, so wirst du die typischen Szenarien bereits kennen. Ahnungsloser Chef und die leicht irritierte Sekretärin bzw. Schwangerschaftsvertretung, der überforderte Arzt und die großzügige Privatkassenpatientin sowie Pretty Woman und Richard Gere. Besonders peinlich lesen sich die Tipps für den Erfolg: »Ein kurzes Röckchen reicht bereits als Verkleidung, natürlich tragen Sie dabei keine Unterwäsche. Er legt Sie übers Knie und gibt Ihnen leichte Schläge auf den Po« heißt es in einem Artikel auf T-Online.de. Bei diesem und ähnlichen Artikeln anderer Portale wird häufig der nicht unwichtige Teil des einführenden Dialogs missachtet. Schließlich zeichnen sich typische Rollenspiele durch einen schmalen Grad zur Blamage aus. Ein falscher Satz und alles ist ruiniert. Alternativ den Partner bzw. die Partnerin wortlos über das Knie zu legen und drauf los zu kloppen erscheint auch nicht optimal. Nein, es fehlen geeignete Dialogvorgaben, um eine entsprechende Stimmung zu schaffen. Es ist ja nicht immer Karneval.

Superman und das schmutzige Dienstmädchen

Besonders obskur wird es, wenn es vor Aufregung zu Irrtümern bezüglich der Rollenverteilung kommt. Wenn zum Beispiel der strenge Chef vergebens auf seine tippwütige Sekretärin wartet und stattdessen mit der Nonne Vorlieb nehmen muss. Oder wenn die schlagfertige Domina dem Klempner erklärt, warum a) kein Rohr verlegt werden braucht und b) er ein mieser kleiner Knecht ist. Lächerlich. Doch scheinbar wird das Thema nie seinen Reiz verlieren, zumindest für die eine oder andere Schlagzeile. Wahrscheinlich werden die Fachmagazine in wenigen Jahren neue Rollenspiele fürs Bett vorschlagen, wie zum Beispiel:

  • Vin Diesel muss mit dem Auto durch den TÜV und die Inspekteurin schaut schon nervös
  • Luke Skywalker und Prinzessin Leia pfeifen auf die Moralapostel
  • Bill Clinton sucht eine neue Praktikantin
  • Batman und der Joker prügeln sich lange und intensiv, bis sich das Blatt wendet
  • Sally stöhnt Harry noch einmal was vor
  • John Snow findet ein Drachenei und hält es für Spielzeug

Photo credit: Roberto Bosi photographer & videomaker on VisualHunt.com / CC BY


Letzte Bearbeitung war am 26.05.2018

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